Rheinland-Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Corona: So will das Land durch Herbst und Winter kommen

Als Pilotprojekt schon in Neustadt getestet: Abwasser-Proben sollen zeigen, wie verbreitet das Corona-Virus gerade ist. Mit der
Als Pilotprojekt schon in Neustadt getestet: Abwasser-Proben sollen zeigen, wie verbreitet das Corona-Virus gerade ist. Mit der Methode will sich das Gesundheitsministerium nun landesweit Überblick verschaffen.

Noch ist nicht endgültig klar, welche Corona-Vorgaben der Bund für Herbst und Winter machen wird. Die Landesregierung hat am Montag trotzdem schon angekündigt, wie sie sich auf die kommenden Monate vorbereitet. Eine Neuerung: Bürger werden Informationen zur Seuchen-Verbreitung liefern, indem sie aufs Klo gehen.

Wie schlimm wird die Seuche im Herbst und Winter wüten?
Der Landes-Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) sagt: Auch wenn die jüngste Infektionswelle zunächst Schlimmeres erwarten ließ, sind wir glimpflich durch den Sommer gekommen. Wie es weitergeht, ist aber offen. Wenn neue Virus-Mutationen auftauchen, könnte die Schutzwirkung der Impfungen und überstandenen Infektionen weiter schwinden. Aber selbst wenn sich der Erreger nicht mehr wesentlich verändert, rechnet Hoch bald wieder mit mehr Fällen – und mit einer Belastung des Gesundheitswesens auch durch andere ansteckende Krankheiten.

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Ist die Corona-Inzidenz noch aussagekräftig?
Der Gesundheitsminister lässt erkennen: Das Auf und Ab der Werte passt nach wie vor in etwa zur Anzahl der Corona-Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden. Das spricht dafür, dass die Inzidenz immer noch Orientierung bietet. Andererseits sind sich die Fachleute weitgehend einig: Weil Infektionen oft milder verlaufen, werden viele Fälle nicht mehr entdeckt und bleiben unerfasst. Also sagt Hoch: Die Inzidenz hat als Maßstab ausgedient.

Wie will die Landesregierung künftig erkennen, ob sich die Seuche gerade ausbreitet oder abklingt?
Weil sich Infektionen in menschlichen Ausscheidungen nachweisen lassen, setzt sie auf Abwasser-Überwachung. In landesweit 14 Kläranlagen sollen ab Herbst mindestens zweimal wöchentlich Proben entnommen werden. In der Pfalz soll das in Germersheim, Kaiserslautern, Landau, Pirmasens-Blümelstal, Pirmasens-Felsalbe, Speyer und Zweibrücken passieren. Weitere Daten zum aktuellen Infektionsgeschehen soll eine Studie mit einer Personengruppe liefern, die repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ist und regelmäßig untersucht wird. Das Ministerium will dafür mit der Mainzer Universität und mit dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern zusammenarbeiten.

Bunkert das Land Schutzausrüstung, um für eine schlimme Seuchenwelle gerüstet zu sein?
Auf dem Gelände der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach wird für mehr als sieben Millionen Euro eine Lagerhalle gebaut, in der zum Beispiel Masken und Schutzanzüge bereitliegen. Der Vorrat soll für etwa drei Monate reichen. Hoch sagt: Den Erfahrungen aus der Anfangsphase der Pandemie zufolge ist das der Zeitraum, der benötigt wird, bis knappe Güter geliefert werden.

Wie geht es mit den Impfungen weiter?
Der Minister rechnet damit, dass in den nächsten Wochen die angepassten neuen Impfstoffe von Biontech und Moderna zur Verfügung stehen. Einen genauen Termin nennt er aber noch nicht. Erste Anlaufstelle der Rheinland-Pfälzer für die Immunisierung sollen die Hausärzte bleiben – neben Kreis-Impfzentren, Impfbussen und mobilen Teams, die vor allem Alten- und Pflegeheime versorgen. Hoch sagt: Er geht davon aus, dass alle Interessierten in einem vertretbaren Zeitraum einen Zweit-Booster ergattern. Priorisierungen für bestimmte Personengruppen soll es daher nicht wieder geben. Die Landesregierung will aber trotzdem dafür sorgen, dass besonders gefährdete Menschen besonders zügig versorgt werden.

Müssen Infizierte weiterhin in Quarantäne?
Hoch lässt erkennen: Die Landesregierung hat zeitweise schon über eine weitergehende Lockerung nachgedacht, die bisherige Quarantäne-Regelung nun aber doch um weitere vier Wochen verlängert. Wie es mittelfristig weitergeht, lässt er offen: Er will sehen, wie sich die Lage entwickelt.

Was ist mit Auflagen wie Masken- und Testpflicht oder Obergrenzen für die Anzahl der Menschen, die in einem Raum sein dürfen?
Die Eckpunkte für solche Vorgaben legt zunächst der Bund in seinem Infektionsschutzgesetz fest. Dafür gibt es einen Entwurf des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) und seines Justiz-Kollegen Marco Buschmann (FDP), der bei den Ländern auf Kritik gestoßen ist. Hoch lässt ebenfalls Vorbehalte erkennen. Er geht davon aus, dass die Bundesregierung über Änderungswünsche zunächst hinweggeht und die Länder ihre Forderungen dann einbringen, wenn über den Gesetzentwurf auch im Bundesrat abgestimmt wird.

Was passiert in den Schulen?
Hoch sagt: Infektionswellen bei Lehrern und Schülern gab es bislang vor allem in der Ferienzeit. Er will „großflächige Kita- und Schulschließungen unbedingt vermeiden“. Auch eine generelle Test- oder Maskenpflicht sei derzeit nicht geplant. Der Minister hat aber eine dringende Bitte – nicht nur an Schüler, sondern auch an Arbeitnehmer: Wer Krankheitssymptome hat, soll zu Hause bleiben.

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