Meinung
Absage des Erlebnistags: Mutige Entscheidung oder herber Verlust?
Pro Absage: Eine mutige Entscheidung
Von Anke Herbert
Der Politik wird gern vorgeworfen, sich vor unbeliebten Ansagen zu drücken. Der Erlebnistag Deutsche Weinstraße beweist das Gegenteil.
Gleich vier Landräte und Oberbürgermeister haben dem Verein Pfalzwein den Rücken gestärkt. Obwohl bislang gern als Initiator des Erlebnistags Deutsche Weinstraße aufgetreten, wollte die Pfalzwein vermutlich nicht ganz alleine das endgültige Aus verkünden müssen. Einmütig und nachvollziehbar haben die Rathaus- und Kreisverwaltungschefs in Landau dargelegt, warum diese Mammutveranstaltung nicht mehr zu stemmen ist.
Neben den Kosten in Zeiten wie diesen und dem Organisationsproblem ist ein Argument besonders schlagkräftig: E-Bikes und Wein passen nicht mehr so zusammen, wie es der normale Drahtesel und Alkohol früher – vielleicht – getan haben. Die Zeiten haben sich geändert. Was aber etliche Radler trotzdem nicht daran gehindert hat, es sich beim Erlebnistag so richtig gut gehen zu lassen.
Es gibt viele Feste an der Weinstraße. So viele Gelegenheiten, bei denen auch Vereine und Winzer auf ihre Kosten kommen können, ohne dass das Haftungsrisiko wegen eines Unfalls im Suff zu stark auf der Seele lastet. Wenn dazu das Radwege-Angebot immer stärker ausgebaut wird – auch über Gemeindegrenzen hinweg – nutzt das viel mehr als der Erlebnistag. Dessen Ende mag schmerzen. Aber es ist gut, dass die vier Kommunalpolitiker sich mutig dazu bekannten und die Kritik, die es hageln dürfte, einzustecken gedenken.
Contra Absage: Ein herber Verlust
Von Sonja Hoffmann
Das Aus des Erlebnistags ist ein Tiefschlag für die Region. Und es ist ein weiteres Beispiel für überbordende Bürokratie.
Jahrelang war der Weinstraßen-Erlebnistag für viele Pfälzerinnen und Pfälzer einer der Höhepunkte im Sommer: Fahrradfahren auf der autofreien Weinstraße mit Familie und Freunden und eine Riesling- oder Traubensaftschorle an einem der zahlreichen Vereinsstände genießen – herrlich! Dass der Aktionstag, der bis zu 300.000 Besucher angelockt hat, nun Geschichte ist, ist ein Tiefschlag für die Region. Zumal es eins der wenigen kulturellen Ereignisse war, die große Teile der Pfalz vereinten.
Schuld an der Misere ist laut dem Verein Pfalzwein und den beteiligten Kommunen insbesondere das Polizei- und Ordnungsbehördengesetz Rheinland-Pfalz. Die neue Fassung schreibt einen alleinigen Veranstalter vor, der im Fall der Fälle auch haftet. Das können weder die Kommunen noch Pfalzwein auf sich nehmen, zumal es mit Mehrkosten verbunden ist. Dass es Regeln für die Sicherheit von Großveranstaltungen geben muss, ist unbestritten. Dass kulturelle Ereignisse abgeschafft werden, kann aber nicht im Sinne des Erfinders sein. Hier hätte man Kompromisse finden müssen.
Der Erlebnistag – ein Erfolg seit 1985 – galt einst als Vorreiter für ähnliche Veranstaltungen. Nun ist das Original einer gesetzlichen Neufassung zum Opfer gefallen. Das ist ein herber Verlust – und das in Zeiten, in denen gerade das Radfahren im Trend liegt!