Pfälzerwald
Warum die Neuordnung der Wanderwege im Pfälzerwald auf der Kippe steht
Wanderwege aus einem Guss, gut aufgearbeitet, mit einheitlicher Beschilderung. Sie verbinden die schönsten Sehenswürdigkeiten, Pfälzerwald-Hütten und Aussichtspunkte miteinander und haben am besten einen thematischen Bezug zur Region, Infotafeln am Waldrand und jede Menge Rastplätze. So sieht das perfekte Wegenetz aus – der Traum jeder touristischen Wanderregion.
So ein Wegenetz soll es auch im Pfälzerwald geben. Zumindest war das das Ziel als 2021 damit begonnen wurde, ein neues Konzept dafür zu erstellen. Außerdem sollten die Wege reduziert werden, unter anderem, weil der Pfälzerwald-Verein (PWV) die Pflege der vielen Wege so langsam nicht mehr stemmen kann.
Wer soll das bezahlen?
Im März vergangenen Jahres stand das Konzept. Aktuell geht es um die Frage der Umsetzung und Finanzierung. Dafür müssen sich alle Beteiligten einig werden: der Bezirksverband Pfalz, unter dessen Leitung das Konzept erstellt wurde, der PWV, die Pfalztouristik, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, die Forstbehörden und vor allem die Städte und Gemeinden im und am Pfälzerwald.
PWV und Bezirksverband stehen hinter dem Projekt, wie beide vergangene Woche, am 6. April, bei der PWV-Jahreshauptversammlung betont haben. Der PWV hat sogar eine Resolution verabschiedet, in der er die Kommunen auffordert, sich ebenfalls zum Gesamtprojekt einer einheitlichen Beschilderung und Wegeinfrastruktur zu bekennen.
Der Hintergrund der Resolution: Laut Martin Brandl, Vorsitzender des PWV, habe der erste Aufschlag des Konzepts bei einer Kommunalkonferenz im November nicht den gewünschten Anklang gefunden – „insbesondere mit Blick auf die Finanzierung“.
Diese sei aktuell so geplant: Das Land zahlt 75 Prozent der Fixkosten (2 Millionen Euro), den Rest teilen sich die Pfälzerwald-Kommunen und der Bezirksverband. Das Problem: Das Land setzt dafür eine Zertifizierung der Wanderregion voraus. Und damit sind Auflagen verbunden, wie eine zentrale Nachhaltigkeitsstelle. Und die bedeutet laufende Kosten (etwa 100.000 Euro) in Zukunft.
Sind die Kommunen dabei?
Eine RHEINPFALZ-Anfrage bei den 25 Städten und Verbandsgemeinden, die das Konzept betrifft, hat ergeben, dass die wenigsten wirklich dagegen sind. Von den 19, die geantwortet haben, stellt nur die Verbandsgemeinde (VG) Edenkoben das gesamte Projekt in Frage.
Ein Kritikpunkt: Die VG Edenkoben verfüge – wie einige andere VGs – seit Jahren über ein eigenes Besucherlenkungskonzept, wie Pressesprecherin Ivonne Trauth schreibt. Dass einige VGs und Städte bereits eigene Konzepte umgesetzt haben und diese zu wenig berücksichtigt worden seien, kritisieren auch andere VGs, zum Beispiel Landstuhl und Landau-Land. Aus diesem und weiteren Gründen sei die VG Landstuhl beispielsweise nicht bereit, sich finanziell zu beteiligen, schreibt VG-Bürgermeister Peter Degenhardt.
Es geht ums Geld
Der größte Kritikpunkt der Kommunen: die Finanzierung und die damit verbundenen Vorgaben des Landes. Die Belastung für die Kommunen ist aus Sicht einiger zu hoch – vor allem angesichts der angespannten Lage bei den Finanzen. Bei den Vorgaben wird vor allem die Stelle für Nachhaltigkeit kritisch gesehen. Auch die Zertifizierung als Wanderregion halten manche für überflüssig. Dabei gibt es auch Lösungsvorschläge, beispielsweise aus Eisenberg: VG-Bürgermeister Bernd Frey schlägt vor, die Landkreise mit einzubeziehen und die Kosten aufzuteilen.
Trotz aller Kritik ist die Stimmung tendenziell positiv: Manche sprechen von der großen, „vielleicht einmaligen Chance, die Umsetzung mit einer doch beachtlichen Landesförderung auf den Weg zu bringen“ (Maikammer). Andere, wie die Stadt Neustadt, erklären, das Projekt nicht scheitern lassen zu wollen. Wieder andere sehen das Projekt ebenfalls positiv und gehen „offen in weitere Gespräche“, zum Beispiel Hauenstein, Bad Dürkheim und Waldfischbach-Burgalben.
Wer ist für die Sicherung zuständig?
Was außerdem kritisiert wird, ist die Frage, wer dafür zuständig sein wird, Wege und Plätze sicherzuhalten. Thorsten Blank (Landau-Land) erklärt das so: „Wenn ein Objekt im Wald künstlich hinzugefügt wird, zum Beispiel Schilder oder Bänke, dann herrscht im Umfeld eine erhöhte Sicherungspflicht.“ Und dafür müssten laut Blank die Ortsgemeinden sorgen, die daher Bedenken hätten.
Eine VG steht bereits zu 100 Prozent hinter dem Projekt – und wirbt sogar dafür: Enkenbach-Alsenborn. Der VG-Rat hat dem Vorhaben erst kürzlich mit großer Mehrheit Grünes Licht gegeben. Das Geld dafür ist laut erstem Beigeordnetem Jürgen Wenzel (CDU) gut angelegt, um den Tourismus in der Region anzukurbeln. Das Projekt sei wichtig für den Pfälzerwald.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Kritikpunkte sind laut einigen VGs bereits an PWV und den Bezirksverband herangetragen worden. Wie es weitergeht, hängt nun davon ab, was bei der nächsten Kommunalkonferenz herauskommt: Am Montag, 15. April, wird erneut über das Wegekonzept gesprochen. Fünf Städte und VGs wollten daher mit ihren Antworten zum Wegekonzept noch den Termin abwarten. Dazu gehören die Städte Kaiserslautern und Landau sowie die VGs Annweiler, Dahner Felsenland und Leiningerland.
Wenn es nach Martin Brandl (PWV) geht, wird nach dem Termin eine Vereinbarung zwischen allen Beteiligten geschlossen, die die Detailfragen klärt. Sie solle spätestens Ende 2024 stehen. Dann könne es in die Umsetzung gehen, die seiner Einschätzung nach etwa 2,5 Jahre dauern werde. Stimmen die Kommunen nicht zu, wäre das aus seiner Sicht das Ende des Wegekonzepts. Wie es dann weitergehen könnte, müssten die Beteiligten neu aushandeln.
