Schottergärten RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Pfälzer Kommunen mit den umstrittenen Steinwüsten umgehen

Gärtner empfehlen aus ökologischen Gründen bunte Staudenbeete anstelle einer Steinwüste.
Gärtner empfehlen aus ökologischen Gründen bunte Staudenbeete anstelle einer Steinwüste.

Für die einen bedeuten sie weniger Arbeit, den anderen sind sie ein Dorn im Auge: Schottergärten. Sie sind ein Trend in deutschen Wohnsiedlungen. In der Pfalz gehen die Kommunen ganz unterschiedlich mit den umstrittenen Steinwüsten um.

Wo sie sind, summt kaum eine Biene. Schottergärten sind als graue Wüsten verschrien, in denen wenige oder keine Blumen wachsen. Weil es an Blühpflanzen mangelt, bieten diese Gärten auch Insekten kaum Lebensraum.

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Schotter und Splitt nicht ausgeschlossen

Ein stadtweites Verbot der Schottergärten bahnt sich in Speyer an: Im Stadtrat wurde kürzlich beschlossen, dass das Neuanlegen von Schottergärten untersagt wird. Laut Stadt müsse dies allerdings noch in einer Satzung festgeschrieben werden. Die Stadt Pirmasens hat in den Baugebieten „Am Rehbock 2“ (Ortsbezirk Fehrbach) und „Moosbergstraße“ (Ortsbezirk Hengsberg) das Anlegen von Schottergärten „klima- und insektenfreundlichen Regularien unterworfen“, wie Stadtsprecher Maximilian Zwick sagt. Die Verwendung von Schotter oder Splitt sei aber nicht ausgeschlossen. Die Steine müssten auf einem vegetationsfähigen Unterboden und zusammen mit Pflanzen angelegt werden. Ein stadtweites Verbot sieht die Verwaltung eher kritisch: „Es ist fraglich, ob dies der richtige Weg ist, um für Klima- und Artenschutz zu werben.“

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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In Neubaugebieten verboten

Die Stadt Landau sieht Schottergärten sehr kritisch, sieht allerdings keine Chance, bereits angelegte Exemplare zu verbieten. Der Grund: Bestandsschutz. Jedoch hat Landau das Verbot solcher Gärten in neue Bebauungspläne aufgenommen. Im Umweltausschuss in Kaiserslautern wurde bereits über eine Gestaltungssatzung diskutiert, die unter anderem das Anlegen von Schottergärten verbieten soll. Eine Pflicht, bestehende Schottergärten in grünere Gärten umzuwandeln, soll es nicht geben.

Die Stadt Neustadt will darüber informieren, wie man bereits bestehende Schottergärten zurückbauen und seinen Garten besser an die Gegebenheiten des Klimawandels anpassen kann. Die Arbeitsgruppe „Stadtgrün naturnah“ will über ein allgemeines Verbot von Schottergärten beraten. Im Neubaugebiet „Am Jahnplatz“ in Lachen-Speyerdorf sind Kies- und Schottergärten gemäß Bebauungsplan bereits verboten.

Im Neubaugebiet „In der Bitz“ in Grünstadt (Kreis Bad Dürkheim) untersagt die Satzung ebenfalls das Anlegen dieser Gärten. Auch in Dudenhofen (Rhein-Pfalz-Kreis) heißt es im künftigen Neubaugebiet „Dreißig Morgen“: Finger weg vom Schotter.

Auch die Folie unter den Steinen ist problematisch

„Die Leute haben mit Schottergärten oft mehr Probleme als mit normalen Gärten“, sagt Jürgen von Blohn, Inhaber der Gärtnerei Hanns in Kusel. Das liege daran, dass die Folie, die unter den Gärten verlegt werde, oft nicht aus Bändchengewebe bestehe, also nicht wasser- und luftdurchlässig sei, erklärt von Blohn. „Die Leute machen die Folie natürlich drunter, damit kein Unkraut zwischen den Steinchen wächst – das ist klar.“ Bei Starkregen allerdings könne selbst bei einer durchlässigen Folie das Wasser nicht richtig in die Erde unter der Folie einsickern, sagt der Gärtnereichef. „Die Folge ist: Das Wasser schießt über die Folie hinweg und läuft den Leuten unter Umständen noch irgendwo in den Garten, während die Erde unter der Folie nicht viel vom Wasser hat.“ Im Sommer könnten sich die Steine außerdem stark aufheizen: „Der Luftaustausch fehlt, die Erde unter der Folie kann austrocknen“, sagt von Blohn.

Die Ästhetik, die sich die Menschen von Schottergärten versprechen, sei nach einer Weile auch oft dahin, sagt Jürgen von Blohn. Herunterfallende Blätter oder Pflanzenreste würden den Garten verunreinigen: „Am Anfang sieht das meist noch ganz schön aus, aber irgendwann nicht mehr.“ Er habe jedoch das Gefühl, dass der steinige Gartentrend schon wieder nachlasse. Generell empfiehlt der Gartenexperte lieber ein buntes Staudenbeet: „Ein bisschen was Blühendes, ein bisschen was Grünes, da haben Bienen und Schmetterlinge auch etwas davon.“

Vögel und Insekten betroffen

Philipp Kues, Landschaftsplaner und Landschaftsökologe aus Wachenheim (Kreis Bad Dürkheim), findet es schade, dass immer mehr Menschen ihre Gärten und Vorgärten „sehr strukturarm“ gestalteten, wie er sagt. „Letztendlich tragen Schottergärten dazu bei, dass die Artenvielfalt auch im besiedelten Bereich stark abnimmt.“ Er verstehe zwar die Absicht der Leute, weniger Arbeit mit ihrem Garten haben zu wollen: „Aber durch den Schotter sind immer mehr Flächen mehr oder weniger versiegelt, und das wirkt sich natürlich auf die Fauna aus.“ Vögel seien durch Schottergärten zwar weniger benachteiligt als Insekten: „Es betrifft sie aber auch: zum Beispiel die Amsel, die an der Stelle keinen Wurm mehr aus dem Boden ziehen kann.“

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