Pfälzerwald
Was die Westpfalz für Radsportler attraktiv macht
„Wir sind eigentlich, außer es regnet Hunde und Katzen, ein ganzjähriges Fahrrad- und Wandergebiet“. Das sagt einer, der es wissen muss, denn Torsten Frahry ist selbst ein begeisterter sportlicher Nutzer des Pfälzerwalds. Er betreibt außerdem Ferienwohnungen in Hinterweidenthal und Bruchweiler (beide Südwestpfalz). Und er betrachtet seine Region als eine, die immer attraktiv für Besucher ist, und zwar aus eigener Erfahrung: „Es sind immer Leute da, die draußen unterwegs sein wollen.“ Etwas stärker als zu den übrigen Zeiten sei der Betrieb im Frühsommer und im Herbst.
Die „Sonntags-Einfallquote“
Ein regelmäßiger Gast haut in dieselbe Kerbe. Die Region um Dahn herum sieht Pedro Martins als „Coole Mountainbike-Gegend“. Der Hobbysportler, der in seiner Heimatregion am Albtrauf in der Schwäbischen Alb eigentlich gute Bedingungen zum Biken vorfindet, war nach eigener Auskunft schon ein paarmal in der Westpfalz. Der Grund, warum er gerade seltener kommt, sind Baustellen auf der A8 bei Pforzheim, die die Anfahrt mit dem Auto nervenaufreibend machen. Das Auto als Hauptverkehrsmittel der Gäste, darauf hebt auch Frahry ab: „Die Sonntags-Einfallquote von der B10 herein ist Wahnsinn.“ Da sehe man regelmäßig viele Autos mit Fahrrädern auf dem Gepäckträger. Allerdings ist das Auto auch das einzige Verkehrsmittel, mit dem man viele Ziele in der Westpfalz erreicht. „Öffentliche Verkehrsmittel sind bei uns rar“, räumt der Zimmervermieter ein.
Ein Manko und ein spezieller Untergrund
Tourist Martins vermisst noch etwas anderes. Macht er mit seiner Familie oder mit Freunden Touren, dauern die am Wochenende schonmal sechs oder sieben Stunden, und dann kommen ihm Einkehrmöglichkeiten ganz recht. Die Hütten im Pfälzerwald seien zwar toll, aber das Speisenangebot für Leute, die vegetarisch essen wollten, etwas mau, sagt der Familienvater.
Was Biker suchen und in der Pfalz finden, ist ein spezieller Untergrund: Der Sandstein des Pfälzerwalds ist etwas Besonderes, sagt Martins. „Der ist wie Schmirgelpapier, da hält der Reifen super drauf“. In der Pfalz fährt es sich also sicherer als in vielen anderen Regionen. Der Kalkstein der heimatlichen Schwäbischen Alb zum Beispiel werde bei Nässe schnell rutschig und damit gefährlich. Martins fährt am liebsten Trails, also schmale Wege mit möglichst vielen Herausforderungen wie Kurven und Spitzkehren, am liebsten zur weitläufigeren Tour kombiniert.
In der Pfalz findet er dafür vorgeplante Wege, wobei „vorgeplant“ Touren in Apps wie Komoot meint; überhaupt tut der 44-Jährige dasselbe, was auch viele andere Touristen tun: Vieles mithilfe des Internets selbst planen. Aber auch an der konventionellen Ausschilderung hat er als Besucher nichts zu mäkeln.
Mehr Anfragen als Betten
Auf die dicht aufeinanderfolgenden allgemeinen Krisen angesprochen, gibt Zimmerwirt Frahry sich zuversichtlich. Die Corona-Krise habe zwar ihre Spuren hinterlassen. Sie habe die Leute aber auch dazu gebracht, nach Freizeitzielen in ihrer Nähe zu suchen. Und so seien sie dann unter anderem in der Südwestpfalz gelandet. Heute sieht er seine Region nicht nur auf dem Weg der Besserung, sondern in eine noch bessere Zukunft: Der Tourismus sei in einem „milden, sanften Anstieg“ begriffen. Schon jetzt habe er regelmäßig deutlich mehr Anfragen nach Übernachtungsmöglichkeiten als Betten.
Der Optimismus des Zimmervermieters überrascht Tobias Kauf, einen der Geschäftsführer von Pfalz-Touristik, nicht. „Wir hatten starke Einschnitte, Rückgänge von 30 bis 40 Prozent durch Corona, und befinden uns wieder in einem Aufwärtstrend“, sagt er. 2022 werde man noch nicht wieder das Vor-Krisen-Niveau erreichen. Voraussetzung für einen weiteren Aufstieg sei, „dass wir an einem Strang ziehen und unter einem starken Dach als die Pfalz auftreten“. Darin steckt auch die Aussage, dass es früher nicht so war. Mittlerweile allerdings treibe man diese neue Strategie voran.
Das Vorzeigeprojekt
Als „absolutes Schaufensterprodukt“ bezeichnet Kauf den Mountainbikepark Pfälzerwald. Damit mache die Pfalz international Werbung. Viele Gäste kämen beispielsweise aus den Niederlanden und Belgien. Kauf sieht mit dem Angebot in der Südwestpfalz vor allem die Tourenfahrer angesprochen. Bei anderen Spielarten des Radsports wie Enduro und Downhill gebe es durchaus Nachholbedarf. Diese Fahrer wünschten sich ein möglichst anspruchsvolles Angebot. Ein Problem für den Naturschutz – oder für Wanderer?
Im Gegenteil, sagt Kauf: Neue Angebote dienten dazu, die Besucherströme zu lenken und damit letzten Endes zu verhindern, dass sich Wandernde und Radfahrende in die Quere kommen oder Naturschutzgebiete gestört werden. Auch „Gravel“-Touren könnte Kauf sich in der Pfalz vorstellen. Bei dieser Sportart werden im Prinzip Radrennen mit breiteren, griffigeren Reifen gefahren, allerdings bewusst auf unbefestigten Wegen statt auf Straßen. So etwas könnte man laut Kauf etwa außerhalb des Pfälzerwalds in der Nordpfalz entwickeln.
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