Bad Dürkheim
Strecken am Haardtrand: Mountainbiker in der Warteschleife
Die Touren werden in der vorgeschlagenen Form nicht umgesetzt. Das hat Gerrit Altes, Leiter Marketing und Produkte bei der Stadtverwaltung Bad Dürkheim, vergangene Woche im städtischen Tourismusausschuss gesagt. Der Grund: 70 Prozent der Strecken verlaufen laut Altes auf Wanderwegen. Doch nicht nur die Touristiker möchten die Nutzung der Waldwege durch die beiden Gruppen „entzerren“. Das sieht auch Frank Stipp so. Er leitet das Forstamt Bad Dürkheim. In der Pandemie habe die Nutzung des Walds als Ort der Erholung und Freizeitgestaltung stark zugenommen. Dieser Trend halte nach wie vor an. „Damit ist auch das Konfliktpotenzial gestiegen“, erklärt Stipp. Insbesondere zwischen Wanderern und Mountainbikern komme es häufig zu Streitereien. „Daher halte ich es für wichtig, beide Gruppen zu entflechten.“ Dies sei auf den vom Team Pfälzer Land erarbeiteten Touren nicht möglich gewesen – auch, weil sie bereits von einigen Jahren erstellt wurden und mittlerweile durch Änderungen beim Wanderwegenetz überholt seien. „Es werden neue Abstimmungen über Streckenführungen nötig sein“, bestätigt auch die Kreisverwaltung.
„Das Interesse ist riesig“
Stipp und Altes betonen allerdings, dass man den Mountainbikern unbedingt Angebote machen wolle. „Das Interesse ist riesig, ich sehe den Bedarf“, betont der Forstamtsleiter.
Doch wie geht es jetzt weiter? Forstamt, Kreis und Tourismusverantwortliche wollen nun die Neuordnung der Wanderwege im Pfälzerwald abwarten. Derzeit wird im Auftrag des Bezirksverbands Pfalz ein Konzept erarbeitet, das das Wegenetz für Wanderer im Pfälzerwald attraktiver machen, aber auch ausdünnen soll. Nach den Plänen würde der Pfälzerwald-Verein auf knapp die Hälfte seiner Routen verzichten. Das Konzept soll bis Ende November vorliegen. Bis dahin wolle man abwarten und dann prüfen, welche Strecken, die die Wanderer aufgeben, für das Mountainbiking genutzt werden können, informiert Altes. „Dann schauen wir gemeinsam drauf und sehen, welche Optionen wir haben“, sagt auch Stipp. „Ich habe ein gutes Gefühl, dass auch für die Biker etwas Gutes dabei rauskommt“, erklärt er.
Mountainbiker wollen gute Strecken
Felix Meermann, Jugendtrainer beim Team Pfälzer Land, sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen: Einerseits sei es ein „gutes Vorgehen“, auf die Neustruktierung des Wegenetzes zu warten. Doch er sei überrascht und enttäuscht gewesen von der Entscheidung, dass keine der acht Touren umgesetzt wird. Meermann spricht von einer „dramatischen Entwicklung für die gesamte Mountainbike-Szene am Haardtrand“. Der Verein habe viel Zeit und Mühe in die Planung der Strecken investiert. Außerdem gibt der Mountainbiker zu bedenken, dass der Zustand der möglicherweise vom Pfälzerwald-Verein freigebenen Strecken eine Rolle spielt. Es sei nicht sinnvoll, den Radfahrern Routen anzubieten, die seit Jahren nicht benutzt würden. „Da stellt sich dann auch die Frage, wer sie frei macht und wieder herrichtet“, sagt Meermann.
Er kündigt an, dass das Team Pfälzer Land weiter in Gesprächen mit allen Beteiligten bleiben will. Aber den Mountainbikern müssten gute Strecken angeboten werden. „Auch uns geht es ums Naturerlebnis, auf einem breiten Forstweg zu fahren, macht Mountainbikern keinen Spaß. Dafür brauchen Sie kein Mountainbike“, verdeutlicht Meermann. Außerdem dürften Sehenswürdigkeiten wie Burgen bei den Touren nicht ausgespart und für die Wanderer „reserviert“ werden. Wichtig sei außerdem, dass komplette Touren und nicht nur punktuelle Strecken angeboten werden, wie dies jetzt am Bismarckturm geplant ist. „Dafür kommt niemand her.“
Wie geht es am Bismarckturm weiter?
Doch wie sieht es mit den Plänen für eine dortige Abfahrt aus? Für die Einrichtung einer 1,2 Kilometer Strecke vom Bismarckturm in Richtung Schlagbaum an der Weilach sind laut Altes keine baulichen Änderungen geplant. Allerdings sei eine Natura2000-Verträglichkeitsvorprüfung notwendig, da die Strecke in einem Vogelschutzgebiet liegt, so die Kreisverwaltung. Aktuell seien unter anderem Fragen der Haftung und Gestattung zu klären. Da die Abfahrt auf Kallstadter Gemarkung verlaufe, seien Musterverträge, wie sie für eine Mountainbike-Strecke bei Annweiler geschlossen wurden, an die Gemeinde Kallstadt und das Team Pfälzer Land geschickt worden, die nun geprüft würden, so Altes.
Wie Kallstadts Bürgermeister Thomas Jaworek (CDU) bestätigt, liegt der Vertrag mittlerweile vor. Der Gemeinderat werde sich mit dem Thema befassen. Das Gremium hat auch das letzte Wort. Allerdings gebe es in der Gemeinde derzeit auch andere dringende Themen, die vorangebracht werden müssten. „Ich glaube, dass man die Frage ganzheitlich mit dem Thema Wandern betrachten muss, und das muss gemeinsam sein“, sagt Jaworek. Ein gemeinsames Vorgehen vermisst Jaworek aber: In Kallstadt komme man sich derzeit dagegen eher getrieben vor.
Und das Team Pfälzer Land? Der Verein will nicht als Betreiber der Strecke fungieren, sagt Meermann: „Wir wollen kein Sportgelände.“ Der Jugendtrainer lässt aber keinen Zweifel daran, dass Mountainbikern am Haardtrand bald Angebote gemacht werden müssen. „Die Pfalz ist ein Mekka für Mountainbiker. Wir allein betreuen im Team Pfälzer Land mehr als 60 Jugendliche. Was soll ich denen denn sagen, wo sie ihren Sport ausüben können?“, fragt Meermann.

