Rheinpfalz-Sommertour (3)
Zum ersten Mal: Mit dem Mountainbike durch den Pfälzerwald
Es ist das erste Mal. Ein erstes Mal, dass ich den Pfälzerwald nicht zu Fuß, sondern mit einem Fahrrad durchstreife. Mit einem knallroten Leih-Mountainbike. Zwölf Gänge, höhenverstellbarer Sattel, zwei 28-Zoll-Reifen – vorne und hinten voll fein gefedert. Helm und eine gepolsterte Radlerhose – perfekt.
Radexperten hatten mich gewarnt: Das erste Mal mit Mountainbike sollte ich nicht zu forsch angehen. Also habe ich mir eine leichte Variante ausgesucht: Tour 14, gut beschrieben auf der Homepage des Vereins Mountainbikepark Pfälzerwald. Eine Rundfahrt über 26 Kilometer und 640 Höhenmeter, technischer und konditioneller Schwierigkeitsgrad zwei – von sechs möglichen. Gut zu schaffen?!
Start in Bundenthal
Los geht es in Bundenthal in der Südwestpfalz Richtung Süden. Mit Torsten Frahry. Der 50-Jährige aus Hinterweidenthal ist Radfan durch und durch und Mitglied bei den Pfalzbikern, dem Verein in Landau. Er ist Tourguide und Techniktrainer. „Ich fahre bio“, sagt er und lacht – ohne Motor. Er erklärt mir, wann ich den Gorilla auf dem Rad mimen soll und was ich vermeiden soll: etwas, das er Dreieck des Todes nennt.
Er macht mir Mut. „Wir machen ganz gemütlich, so wie es passt.“ Und: Sicherheit geht vor. Die ersten Meter rollen wir nebeneinander über breiten Asphalt vorbei an Brombeerhecken, leicht bergan. Ich teste die Gangschaltung und suche den Wegweiser, ein gelbes, unten offenes Dreieck auf blauem Grund. Mein Begleiter sieht ihn sofort. Der Sonne entkommen wir gleich. Eine scharfe Rechtskurve. Steil, steinig. Knack, knack. Ups, zu spät geschaltet.
Die Beine dürfen nicht brennen
„Kein Problem, wir drehen um und versuchen es nochmal.“ Kehrtwende auf dem Weg. Und dann das: Mit einem ungewohnten Rad, schnell ist der Lenker überdreht. Nichts geht mehr. Ich kippe um, gefühlt in Zeitlupe. Kleine Schramme am Arm, meinem Rad geht’s gut – und nochmal bergauf. Das Schalten klappt jetzt.
Wie weiß ich, ob ich den richtigen Gang drin habe? „Immer so, dass die Beine nicht brennen“, Torsten Frahry ist geduldig beim Erklären, ein versierter Fahrer. Er kann viel erzählen. Witzige, manchmal nachdenkliche Geschichten. Er berichtet von Unfällen in der Pfalz, in Italien, mit dem Rennrad, dem Mountainbike. „Drei, vier Mal habe ich schon das Schlüsselbein gebrochen.“ Oft seien es Materialschäden gewesen oder Autofahrer, die ihn nicht gesehen haben.
Frahry ist kein Rowdy, keiner, der illegal Rampen im Wald baut. Aber er kenne welche, die das tun. Er findet: „Wanderer und Biker kommen in 99 Prozent der Fälle gut miteinander aus. Wir reden ein bisschen, nehmen Rücksicht – und gut ist.“ Aber: „Es gab auch einen, der hat mir seinen Stock in den Weg gehalten. Unbelehrbar.“
Vorbei geht es nun an gemähten Wiesen, Obstbäumen, am Flugplatz „Am Söller“ mit einem kleinen Restaurant. Dann die erste Schutzhütte im Wald. Unter der Woche ist auf der ganzen Strecke so gut wie nichts los. Am Wochenende nur wenig mehr. Unser Wegweiser fehlt hier. Die Hütte im Rücken radeln wir geradeaus, verlassen die normale Route, die wunderbare Burgruine Wegelnburg ist ohnehin wegen Sanierung gesperrt.
Klasse – der Kuhnenkopf
Dafür schlägt mein Tourbegleiter einen anderen Abstecher vor. Links bergauf. Auf Sand empfiehlt er: „Den Schwerpunkt mehr nach hinten verlagern.“ Und wer anhalten muss? „Anfahren klappt am Berg immer besser schräg.“ Es folgt ein schmaler Weg nach oben, mittendrin große Steinbrocken in einer Kurve. Nicht zu schaffen, ich steige ab und schiebe. Was soll’s, es wird nicht das letzte Mal sein. 300 Meter gehen wir zu Fuß ohne Räder und klettern über eine Leiter auf den Kuhnenkopf. 531 Meter über dem Meer. Grandios. Und heiß. In der Ferne die Wegelnburg und Frankreich, die Vogesen. Dann weiter mit den Rädern. Sattes Grün. Harz duftet. Wattebausch-Wolken. Schließlich kommen wir hangabwärts auf einen schmalen Weg, einen Singletrail. Ein DIN-A-4-Blatt kommt mir breiter vor. Wer unsicher ist, kommt mit dem Fuß am Hang tippend weiter. Der Profi genießt. Kontrolliert leicht bremsen, am besten gleichmäßig vorne und hinten. Dann rollt es. Yippie.
„Hier am besten den Sattel weiter runter“, ruft er mir zu. Aha. Tatsächlich, der Hebel am Lenker, um den Sattel während der Fahrt unter dem eigenen Körpergewicht herunterzudrücken, funktioniert. „Und in die Gorillaposition!“ Gorilla was? „Gewicht nach vorne verlagern, Arme breit, so hat man bergab mehr Kontrolle über das Rad“, erklärt er. „Und ja nicht ins Dreieck des Todes“, rät er. Wird es so gefährlich? Nein. Er lächelt.
Und dann weiß ich, was er meint. Als ich mich nicht traue, über dicke Wurzeln zu fahren und zu langsam werde, rutsche ich vom Sattel, zwischen Stange und Lenker, verliere leicht die Balance. Es kippelt. Ahh. Ohh. Nein! Doch es geht nochmal gut. Deshalb, so der Experte: „In solchen Situationen nach hinten absteigen, da hat man mehr Kontrolle. Nie ins Dreieck des Todes.“ Ein bisschen mehr Tempo bringe auch Stabilität. „Aber nicht kopflos schnell, jeder nach seinem Können.“ Danach sausen wir auf der Straße hinab ins Dörfchen Nothweiler: ein Brunnen, ein paar schmucke Fachwerkhäuser, Bierbänke. Strampeln zum alten Erzbergwerk. Und ich muss mich entscheiden: „Noch fit für eine Schleife?“ Torsten Frahry schaut auf die Uhr, erspart mir einen „Schlenker“. Er verschweigt, dass das der schwierigste Teil der Strecke, aber ein Leckerbissen für Geübte ist. Stattdessen zeigt er mir ein Stauwehr an der Wieslauter. Erfrischend.
Den Schlenker erkunde ich ein paar Tage später dann aber doch noch: zusammen mit meiner Schwester. Eine teils schwarz markierte Piste mit bis zu zehn Prozent Steigung. Die Strecke schaffen wir nicht immer im Sattel, sie schafft uns. Am Ende kippen wir zwei Saftschorlen hinunter. Gorilla!
Tourtipps
Mountainbike-Tour 14: Bundenthal-Dahn-Südost
Die Strecke: Die Route im Dahner Felsenland hat der Verein Mountainbikepark Pfälzerwald mit Sitz in Trippstadt ausgewiesen. Die Wege teilen sich Wanderer und Biker. Die Route enthält elf Prozent Singletrails, schmale Wege. Die „14“ ist auch für wenig geübte, aber allgemein sportliche Menschen geeignet. Die Dauer wird mit zwei Stunden angegeben, was nur Experten schaffen. Es lohnt sich, mehr Zeit einzuplanen. Die Wegmarkierung zeigt für einfache Abschnitte unter dem gelben Dreieck blaue Farbe, Rot für schwierigere, Schwarz für sehr anspruchsvolle Stellen (nur Routinierte können diese fahren, andere schieben hier). Die Schilder sind teils schwer zu finden, Richtungsänderungen werden angezeigt.
Abstecher: Zu Fuß auf den Aussichtsfelsen Kuhnenkopf und/oder auf die Wegelnburg lohnt sich unbedingt; die Ruine ist zurzeit aber wegen Sanierungsarbeiten komplett gesperrt.
Tipp: Ein schöner Stopp vor allem mit Kindern ist gegen Ende der Tour am Stauwehr an der Wieslauter zum Füße baden. Oder zuvor ein Stollenbesuch in der alten Erzgrube bei Nothweiler.
Mountainbike-Verleih: Im Radladen Felsenland-Bike-Aktiv in Bundenthal.