Pfalz
Waldbrände: Selbst im Frühjahr „reicht ein Funken“
Gebrannt hat es dieses Jahr in den pfälzischen Wäldern schon mindestens zweimal: Bei Gimmeldingen standen bis zu 600 Quadratmeter Waldboden in Flammen, bei Dahn brannte am Mittwoch etwa die gleiche Fläche. Die Waldbrandgefahr in der Pfalz ist gegeben – und der Hochsommer ist noch fern.
„Die Zuwege waren ziemlich zugewachsen“, berichtet Mario Biewer vom Forstamt Haardt, das für den Bereich bei Gimmeldingen zuständig ist. Deshalb habe die Feuerwehr die Brandstelle erst einmal gar nicht erreichen können, und der Brand konnte sich am Boden ausbreiten. Die Flammen drohten auf die Bäume überzugreifen. Das konnte die Feuerwehr mit viel Aufwand verhindern; bis 3 Uhr ackerten die Wehrleute, die unter anderem den Waldboden aufgraben und darunter versteckte Glutnester löschen mussten.
Die Ursache für das Feuer bei Gimmeldingen ist bisher unbekannt, aber Biewer weiß, dass für die meisten Waldbrände letzten Endes Menschen verantwortlich sind. Meistens ist es natürlich keine Absicht – aber oft genug mangelnde Rücksicht und Überlegung. So können Lager- und Grillfeuer auch dann zu Waldbränden führen, wenn sie gar nicht im Wald entzündet werden. „Aufgrund der Ostwinde im Februar und März ist der Boden extrem ausgetrocknet“, hat der Forstamtsmitarbeiter bei Pflanzarbeiten beobachtet. Das Laub sei knochentrocken. „Da reicht ein Funken.“
In Kusel ist es anders als in der Rheinebene
Ähnliches berichtet Gabi Kleinhempel vom Forstamt Kusel. Zwar steht in ihrem Revier mit 85 Prozent hauptsächlich Laubholz, vor allem Eichen und Buchen. Laubholzstreu sei generell bei gleicher Feuchte weniger waldbrandgefährdet als Nadelstreu, erklärt die Försterin. Extreme Trockenheit wie im März mit hohen Temperaturen könne allerdings auch zu Waldbränden führen. Denn im Wald liege Laub vom vergangenen Jahr, das noch nicht zersetzt sei. Bei hohen Temperaturen und Wind trockne dieses Laub aus und sei dann leicht entzündlich.
Auf den Boden kommt es an
Auch die Beschaffenheit des Bodens spiele eine Rolle, erklärt Kleinhempel. Sandiger Boden, wie in der Rheinebene, trockne schneller aus als Lehmboden, wie sie ihn in ihrem Revier im Kreis Kusel hat.
Wenn sich ein Waldbrand entwickelt, brennen zuerst trockene Pflanzenreste, Blätter und dünne Äste am Boden. Erst nach einer Weile greift das Feuer auf die Bäume über, erklärt Biewer. Wer auf ein Feuer am Waldboden trifft, sollte versuchen, den Brand mit Zweigen und Ästen auszuschlagen – und Hilfe holen.
Die Probleme mit der Anfahrt beim Löschen des Feuers in Gimmeldingen werden zur Sprache kommen, wenn sich das Forstamt mit der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) austauscht. Die Arbeit von Forst und Helfern soll künftig besser verzahnt werden, sagt Biewer: Man werde beispielsweise Einsatztaktiken besprechen, abklären, wo Schläuche gelegt werden können und wo Wasser entnommen werden kann. Auch Gebietszuständigkeiten müssen geklärt werden. Am Haardtrand gibt es aus historischen Gründen eine Menge Waldflächen, die zu einer Gemeinde gehören, aber keine Verbindung zum Gemeindegebiet haben. Im Forstamt Haardt rechnet man in Zukunft angesichts des Klimawandels mit mehr Bränden.
Immer mehr Brände in Rheinland-Pfalz
Dass die Gleichung heißeres Wetter gleich mehr Waldbrände stimmt, zeigt ein Blick in die Waldbrand-Statistik der Landesforsten. Die mit Abstand meisten Brände in Rheinland-Pfalz (145) mit der größten betroffenen Waldfläche (40 Hektar) gab es im Jahr 2003, dem Rekord-Hitzejahr. Überdurchschnittlich oft gebrannt hat es mit 67 Feuern auf 14 Hektar auch 2020. Ein Faktor, der laut der Kuseler Försterin Kleinhempel noch dazukommt, ist nicht so offensichtlich: Die Bodenfeuchte sei durch weniger Niederschläge insgesamt geringer geworden. Dadurch gehe die Aktivität der Mikroorganismen im Boden zurück, und die Streu werde langsamer abgebaut – und bietet einem Feuer so mehr Brennmaterial.
In der Corona-Krise war der Wald ein beliebtes Ausflugsziel. Einen Zusammenhang zwischen mehr Besuchern und mehr Waldbränden möchte Biewer aber nicht herstellen.
Immer häufiger wird im Wald Feuer gemacht
„Es wird leider immer noch gegen das ganzjährige Verbot, offenes Feuer im Wald zu entzünden, verstoßen“, teilt Kleinhempel mit. Dazu zähle auch Rauchen und Grillen. Damit von den Besuchern niemand auch nur aus Versehen einen Waldbrand entfacht, setzt das Landauer Forstamt vor allem auf Sensibilisierung an den Empfangsportalen. Empfangsportale heißen die Stellen, an denen Besucher in den Wald kommen, in erster Linie also die Wald- und Wanderparkplätze. Dort will der Forst mit Schautafeln aufklären, was die Waldbesucher tun können und was sie besser lassen sollten. Vor allem beim Umgang mit Feuer, den man in trockenen Zeiten besser einfach komplett bleiben lässt: „Man kann nicht oft genug sagen, dass da Vorsicht geboten ist.“