Pfalz Von Plätzchen bis Adventskranz: Weihnachtsbräuche in der Pfalz

Auch in der Pfalz sind Weihnachtstraditionen allgegenwärtig.
Auch in der Pfalz sind Weihnachtstraditionen allgegenwärtig.

Die Tage rund um Weihnachten sollen eine Zeit der Besinnlichkeit sein. Kirche, gutes Essen oder Geschenke – wie in der Pfalz Weihnachten gefeiert wird.

Denkt man über Weihnachten nach, so fallen einem zahlreiche Sitten und Bräuche ein. Laut Volkskundlerin Barbara Schmidt gibt es zwar keinen Weihnachtsbrauch, der allein auf die Pfalz zutrifft – Weihnachten wird hier dennoch auf verschiedene Arten traditionell gefeiert.

Weihnachtstraditionen: Der etwas andere Adventskalender

Viele Menschen kennen diese Momente: Die Herausforderung, den mit Plätzchen gefüllten Teller nicht auf einmal zu leeren oder nicht alle Türen des Schokoladen-Adventskalenders schon am 1. Dezember zu öffnen. Auch der Adventskranz zählt in vielen Pfälzer Haushalten zum Pflichtprogramm in der Weihnachtszeit.

Wer einmal einen Adventskalender der anderen Art „öffnen“ will, trifft vielerorts auf das sogenannte „Strohhalm legen“. Als frühere Form des klassischen Adventskalenders geht es beim Strohhalm legen um Liebe und die kleinen Gesten. Zum ersten Advent wird dabei eine leere Krippe aufgestellt, daneben ein Bündel mit Stroh platziert.

Beim Strohlegen wird eine Krippe bis Heiligabend mit Halmen gefüllt.
Beim Strohlegen wird eine Krippe bis Heiligabend mit Halmen gefüllt.

Jeden Tag bis zum Heiligen Abend wird ein Halm in die Krippe gelegt, damit das Jesuskind an Weihnachten in einem warmen und weichen Bett liegt. Die letztendlich mit Stroh gefüllte Krippe soll als Symbol gegen die Hartherzigkeit der Menschen dienen.

Weihnachtliche Suche nach einer Unterkunft

Eine weitere Weihnachtstradition ist die Herbergssuche – auch bekannt als „Frauentragen“. Beim primär katholisch geprägten Brauch wird ein Bild der Jungfrau Maria gesegnet und im Anschluss von Haushalt zu Haushalt gereicht. Dem Bild soll dann jeweils eine Nacht Unterschlupf gewährt werden, um an die größtenteils vergebliche Suche Maria und Josefs nach einer Herberge in der Weihnachtsnacht zu erinnern. An Heiligabend findet das Bild dann wieder seinen Weg zurück in die Kirche.

Weihnachten in der Pfalz genießen

Zwar ist in der Region kein spezieller, pfälzischer Weihnachtsbrauch bekannt – allerdings kann man die Weihnachtszeit durchaus auf pfälzische Art erleben. Schon seit November haben wie jedes Jahr zahlreiche Weihnachtsmärkte in der Region für besinnliche Stunden gesorgt. Auch den Weihnachtsbaum konnte man sich an mehreren Orten selbst schlagen. Die passenden Geschenke zum darunter legen dürfen auch nicht fehlen – hierbei können Pfälzer auch auf einige heimische Artikel zurückgreifen.

Menschen besuchten zahlreiche Weihnachtsmärkte in der Region.
Menschen besuchten zahlreiche Weihnachtsmärkte in der Region.

In mehreren Pfälzer Städten können beispielsweise Christbaumkugeln mit dem Logo der Stadt oder entsprechende Weihnachtspostkarten erworben werden. Auch Plätzchenausstecher und Keksstempel eignen sich für das Wichteln in der Schule oder am Arbeitsplatz. Wer darüber hinaus ein Stück Pfalz an seine Liebsten verschenken will, kann jederzeit auf das beliebte Dubbeglas in verschiedenen Ausführungen zurückgreifen.

Neben dem Dubbeglas ist die Pfalz für eine weitere Sache bekannt: Das Wandern im Pfälzerwald. Wer die Weihnachts- und Adventszeit mit einem ausgedehnten Spaziergang verbinden will, findet gleich mehrere Hütten im Pfälzerwald, die teilweise sogar an den Feiertagen geöffnet haben und weihnachtliche Speisen anbieten.

In der Zeit der Rauhächte zieht der Legende nach ein Geisterzug durch die Lüfte.
In der Zeit der Rauhächte zieht der Legende nach ein Geisterzug durch die Lüfte.

Tradition auch nach Weihnachten: Rauhnächte in der Pfalz

Die Nächte zwischen Heiligabend und der Dreikönigsnacht gelten als „Rauhnächte“. Zwar liegen diese somit größtenteils nach Weihnachten – eine Tradition stellen die Nächte aber dennoch dar. Laut Sage zieht während der Rauhnächte unter anderem ein Geisterzug durch die Lüfte, der aus den Seelen früh oder gewaltsam verstorbener Menschen besteht. Den Geistern stünden dabei die Türen offen – während der Rauhnächte geht es um Schutz vor den Geistern und Dämonen, Traumdeutung und Orakel.

Auf dem Winter-Wanderweg in Bienwald erfahren Leute mehr über Mythen.
Auf dem Winter-Wanderweg in Bienwald erfahren Leute mehr über Mythen.

Die Geister wollen dabei nicht immer etwas Böses und bei schönem Gesang der Geister werde ein fruchtbares Jahr folgen – verschiedene Bräuche zum Schutz gibt es in Deutschland aber dennoch. Demnach dürfe während der Rauhnächte keine Wäsche aufgehangen werden, da sich die Geister darin verfangen könnten. Auch das Haus dürfe nicht geputzt werden – viele Menschen Beräuchern ihr Heim zudem. Streitigkeiten sollten beendet und Schulden beglichen werden, um die Geister nicht zu erzürnen. Das Ende der Rauhnächte widmet sich dann der sogenannten „Perchta“, die vielen Menschen unter dem Namen Frau Holle bekannt ist. Diese werde von ungetauft vestorbenen Kindern begleitet - die Familien stellen ihr Gaben vor das Haus.

Peter Bilhöfer führt die Gäste historisch gekleidet durch Speyer.
Peter Bilhöfer führt die Gäste historisch gekleidet durch Speyer.

Auch in der Pfalz haben die Rauhnächte eine lange Tradition. Im Bienwald bei Kandel wird beispielsweise ein themenspezifischer Winter-Spaziergang angeboten. In zwölf kleinen Etappen werden Teilnehemer durch den Wald und über Felder geführt - an jeder Station, die für je einen Tag der Rauhnächte steht, erfahren die Wanderer mehr über Mythen und Bräuche. Für 25 Euro können Interessierte am 3. Januar auch an einer musikalischen Rauhnacht-Tour teilnehmen. Michaela Stöhr und Martin Reichenbach laden auf eine musikalisch-lyrische Reise mit anschließendem Lagerfeuer ein.

In Speyer kann eine ganze Privattour gebucht werden, die sich den Rauhnächten widmet. Für 110 Euro werden Teilnehmer von zwei kostümierten Personen durch die Domstadt begleitet und bekommen Traditionen und Mysterien nähergebracht.

x