Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Verhandlungspoker um ehemalige Bundeswehr-Kaserne

1964 wurde die Kaserne gebaut. Aus dem technischen Bereich (links) soll ein Gewerbegebiet werden.
1964 wurde die Kaserne gebaut. Aus dem technischen Bereich (links) soll ein Gewerbegebiet werden.

Kusel. 2014 hat die Bundeswehr die Unteroffizier-Krüger-Kaserne auf dem Windhof im Norden der Kreisstadt aufgegeben. Die Vermarktung des Geländes kam bislang nicht in Gang, weil die Kommunalpolitiker immer wieder zaghaft auf eine Rückkehr der Streitkräfte hofften. Das hat sich geändert.

1100 Soldaten, denen eine Kaufkraft von 15 Millionen Euro im Jahr zugeschrieben wurde, verabschiedeten sich 2014 von Kusel nach Idar-Oberstein. Als das Verteidigungsministerium kurz danach stillgelegte Kasernen reaktivieren wollte, keimte neue Hoffnung auf. Dann hatte die Bundeswehr-Tochter Heeresinstandhaltungslogistik den Standort im Blick, investierte aber lieber 40 Millionen Euro in St. Wendel. Die Hoffnung, dass die im benachbarten Baumholder stationierten Amerikaner nach Kusel expandieren, erfüllte sich ebenfalls nicht.

Trotz einer Zwischennutzung wird das 28 Hektar große Gelände nicht besser. Den Wohnbereich hat das Land seit 2015 für zehn Jahre für eine seiner vier Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende gemietet. Bis zu 630 Flüchtlinge können dort untergebracht werden. Derzeit sind es rund 400. Was mit den Wohngebäuden nach 2025 passiert, ist derzeit unklar. Der Kuseler Landrat Otto Rubly drängt in Mainz auf eine Entscheidung: „Wir müssen wissen, wie es dort weitergeht. Kusel kann nicht immer nur für alle das Ersatzrad sein.“

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Der technische Bereich der ehemaligen Kaserne. Auf dem Bild ganz rechts: das aktuelle Impfzentrum.
Kusel / Bonn

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Was kommt nach dem Impfzentrum?

Den technischen Bereich der Kaserne, rund 8,8 Hektar auf denen früher Panzerhaubitzen gewartet wurden, hat seit dem Vorjahr der Landkreis für drei Jahre gemietet. Unter anderem betreibt er dort sein Impfzentrum. Sollte das Land die Impfzentren im Herbst aufgeben, gibt es beim Kreis die Idee, dort die Schnelle Einsatzgruppe des Katastrophenschutzes unterzubringen. Und gleichzeitig soll die Vermarktung des Geländes angegangen werden. Stadtbürgermeister Jochen Hartloff forciert den Bebauungsplan, der ein Gewerbegebiet vorsieht. Pläne für ein Reitsportzentrum sind fallengelassen worden.

Die Kommunen haben bei der Bonner Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die das Gelände verwaltet, ein Vorkaufsrecht. Für 50.000 Euro will die Bima Grund und Boden verkaufen und verweist auf eine Prüfung, die ihr eigener Gutachterdienst aus Koblenz vorgenommen hat.

Disput um Abrisskosten

Die Stadt Kusel argumentiert dagegen mit einem Papier des Gutachterausschusses für die Westpfalz, der davon ausgeht, dass viele Gebäude auf dem Kasernengelände nicht mehr erhaltenswert sind und abgerissen werden müssen. Diese Kosten könne der Käufer abziehen. Die Fachleute aus der Westpfalz – ein Obervermessungsrat, eine Architektin, ein Richter, ein Sparkassenfachwirt und ein Stadtplaner – haben deshalb einen negativen Verkaufswert von 1,3 Millionen Euro ermittelt, den der Bund noch zahlen müsste.

Michael Loos, stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses, verweist auf Konversionsbeispiele aus Zweibrücken und Kaiserslautern. Nirgendwo in der Pfalz sei eine ehemalige Kaserne ohne Subventionen wieder belebt worden. Der Verhandlungspoker läuft.

Die Bima will sich auf Anfrage in der Öffentlichkeit nicht äußern. Landrat Otto Rubly sieht in dem Verkehrsgutachten eine „grobe Richtschnur“ für die Verhandlungen. Stadtbürgermeister Jochen Hartloff glaubt, dass die Bima wenig Vorstellungen davon hat, „wie schwer es sein kann, Gewerbe in Kusel anzusiedeln“.

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