Kommentar
Unverschlüsselte Notrufe in der Vorderpfalz: Datenschutz? Fehlanzeige!
Durchfall, häusliche Gewalt, Suizidversuch: All das können Gründe dafür sein, dass Menschen den Notruf wählen. Es sollte selbstverständlich sein, dass solche sensiblen Informationen besonders geschützt werden und sie demnach nur auf sichere Weise übermittelt werden. Stattdessen waren sie über mehrere Monate frei verfügbar im Internet zu finden und werden noch für mindestens ein Jahr weiterhin unverschlüsselt weitergegeben. Gerade mit Daten, die wortwörtlich mit Leben und Tod zu tun haben können, sollte verantwortungsvoller umgegangen werden.
Natürlich bleibt es illegal, sich Zugang zum Alarmierungsnetz zu verschaffen und solche Meldungen mitzulesen. Das Problem gäbe es aber gar nicht, wenn schon auf eine verschlüsselte Übertragung umgestellt worden wäre – wie beispielsweise in der Südwestpfalz. Seit 2019 sollte die „Digitale Alarmierung“ auch in Ludwigshafen kommen. Jetzt ist von 2025 die Rede. Dass eine solche Umstellung nicht von heute auf morgen funktioniert, ist nachvollziehbar. Aber die Begründung „Es ist kompliziert und dauert deshalb länger“ reicht nicht aus, um diesen langen Zeitraum der unverschlüsselten Kommunikation zu rechtfertigen. Stattdessen ist es ein weiteres trauriges Beispiel dafür, dass das Land die Digitalisierung über viele Jahre zu stark vernachlässigt hat.
