Energiekosten RHEINPFALZ Plus Artikel Strompreishilfe für alle – auch in der Pfalz?

Wenn die EEG-Umlage von 3,72 Cent netto pro Kilowattstunde wegfällt, muss vielleicht doch manch ein Gerät nicht ausgestöpselt we
Wenn die EEG-Umlage von 3,72 Cent netto pro Kilowattstunde wegfällt, muss vielleicht doch manch ein Gerät nicht ausgestöpselt werden.

Ab Juli fällt die EEG-Umlage für alle Privatkunden weg. Wie eine Umfrage der RHEINPFALZ am SONNTAG zeigt, verändert sich der Strompreis in der Region unterschiedlich. Die Lage am Markt bleibt angespannt.

Die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) fördert seit dem Jahr 2000 den Ausbau von Solar-, Wind-, Biomasse- und Wasserkraftwerken. Ende April hat der Bundestag beschlossen, dass diese Umlage – es sind 3,732 Cent netto pro Kilowattstunde – ab 1. Juli 2022 nicht mehr an die Stromkunden weitergegeben werden darf. Die Idee: Der Verbraucher wird von steigenden Energiekosten entlastet. Ab 2023 wird die EEG-Umlage komplett abgeschafft.

Eine Umfrage der RHEINPFALZ am SONNTAG bei Energieversorgern in der Pfalz hat ergeben: Alle Unternehmen werden die Preissenkung an ihre Kunden weitergeben. Doch wie sich der Strompreis konkret entwickelt, hängt von weiteren Faktoren ab.

„Lage weiter angespannt“

Die Stadtwerke Germersheim bezeichnen die Lage der Strompreise „als weiter angespannt“ – an den Börsen sei der Preis „der reinen Energie Strom von Anfang 2021 bis Ende des Jahres“ teilweise um das Zehnfache gestiegen. Daher seien die Stadtwerke gezwungen, ab 1. Juni die Preise „moderat“ zu erhöhen, wie das Unternehmen mitteilte. Die Kunden seien darüber bereits informiert worden. Für einen Musterhaushalt bedeute diese Erhöhung im Zeitraum von 1. Juni bis 31. Dezember 2022 Zusatzkosten von rund 40 Euro. Demgegenüber stehe aber die Entlastung durch die Abschaffung der EEG-Umlage ab 1. Juli 2022. Für das Jahr 2023 bedeute das (wenn sich am Strompreis nichts mehr ändern sollte): Die Kunden zahlen bei einem Verbrauch von 3500 kWh durch den Wegfall der EEG-Umlage insgesamt 91 Euro weniger für Strom im Jahr – trotz der Erhöhung zum 1. Juni 2022.

Die Stadtwerke Kusel können noch keine Aussagen über die Preisentwicklung für ihre Kunden geben – die Entscheidung über Preisanpassungen werde erst im Laufe des Juni bei einer Aufsichtsratssitzung getroffen. Die Stadtwerke hatten bereits zum 1. Januar 2022 ihren Grundpreis um insgesamt 23,80 Euro brutto angehoben. Die Kunden sollen aber ab 1. Juli eins zu eins vom Wegfall der EEG-Umlage profitieren. Die Energie auf neuen Wegen (EWR) in Worms wird ebenfalls die Entlastung durch die Abschaffung der Umlage in vollem Umfang an die Kunden weitergeben, konkret bedeutet das, dass ein Kunde in der Grundversorgung ab 1. Juli 32,39 Cent/kWh zahlt – mit EEG war der Betrag bei 36,82 Cent. Die Einsparung für Kunden mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 3.500 kWh beträgt demnach im Jahr 155,07 Euro.

„Preissenkung wird 1:1 weitergegeben“

Die Stadtwerke Schifferstadt werden ab 1. Juli für alle Stromkunden den Strompreis um die EEG-Umlage absenken. Künftig hätten die Kunden somit bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3000 kWh eine Ersparnis von 133 Euro. Auch die Stadtwerke Pirmasens senken den Strompreis um die Höhe der weggefallenen EEG-Umlage in allen Stromtarifen: „Diese Preissenkung geben wir eins zu eins an unsere Kunden weiter“, wie der Energieversorger mitteilt.

Die Stadtwerke Speyer werden ebenso verfahren – die Arbeitspreise werden in allen Stromtarifen zum 1. Juli sinken und die Absenkung wird eins zu eins an die Kunden weitergegeben. Auch die Stadtwerke Bad Bergzabern werden das tun. Die Strompreise waren in der Südpfalz 2021 nicht erhöht worden, allerdings sind die Preise in der Grund- und Ersatzversorgung zum 15. März 2022 um je 7,5 Cent pro Kilowattstunde gestiegen.

Die Energie Südwest AG in Landau (ESW) wird aufgrund der steigenden Einkaufspreise den Verbraucherpreis voraussichtlich erst zum Jahreswechsel 2022/2023 anheben, wie das Unternehmen ankündigte, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Den Wegfall der EEG-Umlage wird auch die ESW allerdings in vollem Umfang an die Kunden weitergeben.

„Kunden müssen nicht aktiv werden“

Die Stadtwerke Neustadt geben den Wegfall der EEG-Umlage ebenfalls eins zu eins weiter. Ein Musterhaushalt werde dadurch um rund 150 Euro im Jahr entlastet, heißt es. Die Kunden müssten auch hier nicht aktiv werden, der Verbrauch werde bis zum Stichtag 30. Juni/1. Juli von den Stadtwerken abgegrenzt.

Auch Kunden der Stadtwerke Neustadt werden ab dem 1. Juli entlastet, die Strompreise automatisch angepasst. Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr spare nach der Änderung ungefähr 155 Euro jährlich. Die Anpassung sei mit der temporären Mehrwertsteuer-Absenkung im Jahr 2020 von 19 Prozent auf sieben Prozent zu vergleichen. Die Pfalzwerke Ludwigshafen hätten bislang von Preiserhöhungen absehen können, so das Unternehmen. Und auch hier würden sämtliche Tarife für Privat- und Gewerbekunden um den Wegfall der EEG-Umlage gesenkt.

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