Meinung Schweres Systemversagen der katholischen Kirche

Die katholische Kirche sollte die Opfer mit mehr Geld entschädigen.
Die katholische Kirche sollte die Opfer mit mehr Geld entschädigen.

Im Bistum Speyer hat das System Kirche schwere Schuld auf sich geladen. Das bisher gezahlte Geld an die Opfer wird dem nicht gerecht.

Das System Kirche hat in der Pfalz Missbrauch an Minderjährigen ermöglicht, unterstützt und bisweilen sogar vertuscht. Wer die Studie der Mannheimer Historikerin Sylvia Schraut zum Thema sexueller Missbrauch im Bistum Speyer gelesen hat, kann zu keinem anderen Schluss kommen.

Der Fall des mit Ämtern und Titeln überhäuften Geistlichen, der einerseits einen Jungen missbrauchte und andererseits Rückendeckung des Bischofs erhielt, mag drastisch klingen, ist aber wohl leider kein Einzelfall. Kein Wunder: Der damalige Generalvikar Motzenbäcker gilt selbst als Missbrauchstäter.

Das Bistum Speyer hat – analog zu anderen Bistümern – bislang maximal niedrige fünfstellige Summen an Menschen bezahlt, die von Geistlichen missbraucht wurden. Das reicht nicht. Die Diözese muss endlich als Dienstherr in Amtshaftung genommen werden. Durch die Weihe werden Männer zum Priester. Das sind sie auch, wenn sie nicht am Altar stehen, sondern sich im Nachhilfeunterricht an Kindern vergehen. Theologisch gilt: einmal Priester, immer Priester.

Bislang hat das Bistum Speyer für die schweren Sünden seines Personals hauptsächlich mit Glaubwürdigkeit bezahlt. Das Prinzip der Amtshaftung würde zivilrechtliche Klagen gegen das Bistum ermöglichen und damit Zahlungen von sechsstelligen Summen an Opfer. Das geschah in Köln, wo sich das Erzbistum zumindest einmal dieses Prinzip freiwillig zu eigen machte und 300.000 Euro zahlen musste.

Ein System, das Opfer Tätern zuführt, das Taten vertuscht und Täter deckt, ist genauso schuldig wie die Täter selbst. Dafür muss dieses System zur Rechenschaft gezogen werden. Zumindest finanziell.

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