US Airbase
Schneller im Gefecht: Manöver von F-16-Kampfjets in Ramstein
Das tiefe, ohrenbetäubende Grollen des Düsentriebwerks ist noch Hunderte Meter entfernt spürbar, als der 15 Meter lange, fünf Meter hohe und mehr als acht Tonnen schwere stahlgraue Kampfjet forsch in den Himmel westlich von Ramstein aufsteigt. Hinter ihm folgen noch drei weitere Abfangjäger vom Typ F-16. Eine Handvoll Journalisten ist eingeladen, diesen Übungseinsatz zu beobachten. Einige Minuten zuvor standen die F-16, die normalerweise in Spangdahlem in der Eifel abheben und landen, auf einem Nebenfeld zum Einsatz-Check.
„Das ist für uns heute wie eine Art Super Bowl“, sagt Technik-Sergeant Levi Rowse, um zu illustrieren, was der Einsatz in der Westpfalz für das 52. Jagdgeschwader der US-Luftwaffe bedeutet. Er ist der Höhepunkt einer langen Vorbereitung, einer ganzen Saison von Vorübungen.
Neues Konzept der US-Luftwaffe
Seit 18 Monaten arbeiten die Militärs der US Air Force in Europa an einem Einsatzkonzept, das die zügige Verlegung von Einheiten quer durch Europa vorsieht. Die Presseoffiziere sagen es nicht so konkret, aber es geht darum, dass Nato-Gegner wie Russland und China ihre Raketentechnologie so weit fortentwickelt haben, dass Standorte wie Spangdahlem leichtere Ziele geworden sind.
Das heißt, Basen wie die in Spangdahlem, welche für die Verteidigung Europas zentral sind, müssen noch flexibler operieren. An diesem Tag sitzt zwar das Kommando weiterhin in der Eifel, aber Jets starten auch über zwei ausgelagerte Nebenstellen. Ein Dutzend F-16 – quasi die Hälfte der Schlagkraft Spangdahlems – startet an diesem Morgen aus Ramstein heraus.
In einer Stunde komplette Verlegung
Dass die Übung mitten in scharfe politische Scharmützel zwischen US-Präsident Joe Biden und dem russischen Staatschef Wladimir Putin fällt, sei Zufall, betont Presseoffizierin Captain Erin Recanzone auf Anfrage. Das neue Konzept, das den Namen „Agile Combat Employment“ (ACE), also bewegliche Kampfeinsatz-Verwendung, trägt, sei Teil der fortlaufenden Bemühungen, „strategische Bereitschaft“ zu gewährleisten. Hörbar stolz ist Recenzone darauf, dass das 52. Jagdgeschwader nun das erste sei, das ACE für den Ernstfall parat hätte.
Binnen einer Stunde seien die Jets am Montag in die Pfalz verlegt worden; rund 100 zusätzliche Kräfte sind Teil dieser Übung. Damit das funktioniert, übernehmen die Soldaten teilweise mehrere Arbeitsschritte, die sonst mit deutlich mehr Personal erledigt werden müssen.
Die Märzsonne scheint durch die dichte Wolkendecke, es ist sieben Grad kühl, als die Jets auf dem Vorfeld gewartet werden. Der Ablauf, den die Journalisten beobachten dürfen, dauert mehr als eine halbe Stunde. An den Flügeln der Jets, die jeweils zwischen sieben und zehn Millionen Euro teuer sind, hängen verschiedene Waffensysteme. Alles müsse penibel durchgeprüft werden, betont Recenzone. Stimme etwas nicht, müsse der Pilot die Maschine wechseln. Wie heikel trotz aller Übung solche Flüge sind, wurde zuletzt wieder im Oktober 2019 deutlich. Damals stürzte eine F-16 bei Zemmer ab. Der Pilot konnte sich per Schleudersitz retten, die Maschine crashte in ein Waldstück.
Friedensaktivisten erbost
Es ist die Gefahr eines Unglücks, aber auch der Fluglärm, der Gegner der US-Militärpräsenz erbost. Schon im Vorfeld der Übung wird die RHEINPFALZ mit Protestschreiben – auch über ihre Berichterstattung – überzogen. Von „Hurra-Berichten“ ist die Rede. Leser Holger Marzen schreibt am Dienstag: „Die US Air Force zerstört seit Jahrzehnten die Lebensqualität der Menschen einer ganzen Großregion mit Kampfjet- und Hercules-Übungsflügen. Die Lärmkonzentration ist deutschlandweit einmalig.“
Das US-Militär unterstreicht hingegen die Notwendigkeit ihrer Trainingseinsätze. Sie dienten letztlich der Abschreckung, sagt Presseoffizierin Captain Erin Recanzone. „Wir verhindern die Möglichkeit, dass etwas geschieht.“ Seit der Annexion der Krim 2014 und wegen des bis heute andauernden Kriegs in der Ostukraine verweisen auch deutsche Militärs seit Jahren auf eine neue Qualität der Bedrohung durch Russland.
Anzeige erstattet
Friedensaktivisten lassen dies nicht gelten, sehen vielmehr eine Provokation durch die US-Präsenz in Europa – und sogar völkerrechtswidriges Handeln. Aktivist Herman Theisen aus Hirschberg an der Bergstraße veröffentlicht am Dienstag ein Schreiben, in dem er versucht, seiner Strafanzeige Nachdruck zu verleihen, die er wegen der angeblich zentralen Rolle der Airbase bei der „Kampfdrohnen-Steuerung“ bei der Zweibrücker Generalstaatsanwaltschaft erstattet hat.
Die noch bis Freitag in Ramstein stationierte Truppe des 52. Jagdgeschwaders geht unbeeindruckt von solchen Protesten ihrer Arbeit nach. In einem Hangar sind zwei dunkelbeige Zelte aufgestellt, über die hörbar Kommunikation für die F-16-Übung läuft. Aus mitgebrachten Kartons greifen sich GI’s Manöverproviant. Auch der Normalbetrieb der Airbase geht weiter. Während des letzten Checks auf dem Vorfeld, landet am dunstigen Horizont vor der Kulisse des Pfälzerwaldes ein schneeweißes Transportflugzeug.