Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pro und Contra: Übertreiben die Bauern mit ihren Straßenblockaden?

In ganz Deutschland wollen Landwirte am Montag Straßen blockieren.
In ganz Deutschland wollen Landwirte am Montag Straßen blockieren.

Ist es nachvollziehbar, dass die Bauern wegen ihres Unmuts über die Sparpolitik der Bundesregierung Straßen in der Pfalz blockieren – oder übertrieben? Unsere beiden RHEINPFALZ-Redakteure haben dazu ganz unterschiedliche Standpunkte.

Pro: Bauern haben recht (von Georg Altherr)

Als Autofahrer üben wir uns in Geduld, wenn sich Klimakleber auf die Straße setzen, um gegen den Klimakollaps zu demonstrieren. Als Eltern ertragen wir es klaglos, wenn der Kindergarten schließt, weil das Personal für mehr Lohn auf die Straße geht. Als Bahnfahrer nehmen wir es achselzuckend hin, wenn die Lokomotivführer streiken und wir auf einem Bahnhof im Irgendwo stranden.

Aber wenn die Bauern mal Rambazamba machen und mit ihren Traktoren laut und unübersehbar für ihre Interessen demonstrieren, dann heißt es gleich: Jetzt überspannen sie den Bogen!

Nein, das tun sie nicht. Die Politik ist es, die den Bogen überspannt. Natürlich sind harte Maßnahmen erforderlich, um einen Klimakollaps zu vermeiden. Aber die Ampel-Koalition in Berlin macht nicht nur hü und hott, sondern hat seit ihrem Antritt die Lasten ungleich verteilt. Ob Heizungsgesetz oder Verkehrswende: Die Maßnahmen treffen das Land ungleich härter als die Ballungszentren. Und wenn’s mal ein Zuckerl gibt wie das 49-Euro-Ticket, dann profitieren davon die Städter. Wer auf dem Land wohnt, wo kaum ein Bus fährt, der kann mit dem Ticket nichts anfangen.

Die Bauern haben also recht, wenn sie jetzt mal auf die Pauke hauen. Allerdings müssen sie sich von Radikalen und der AfD abgrenzen. Die AfD lehnt Subventionen generell ab. Ohne Subventionen gäbe es in Deutschland keine bäuerliche Landwirtschaft mehr. Bauern sind auf Subventionen angewiesen, um zu überleben.

Contra: Keine Bauernopfer (von Andreas Schlick)

Die Gummistiefelbewegung macht ernst: Hunderte Landwirte wollen am Montag mit ihren Traktoren pfalzweit Straßen blockieren, um gegen die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen von Subventionen zu demonstrieren. Es ist das gute Recht der Bauern, für ihre Interessen zu kämpfen. Doch die Form ist völlig überzogen.

Sie verhalten sich nicht anders als die Klimakleber: Sie stellen ihre eigenen Interessen schamlos über die aller anderen Teile der Gesellschaft, wenn sie Straßen blockieren, auf denen Menschen unterwegs sind – ob zur Arbeit, zur Mutter im Altenheim oder zum Arzt. All das scheint den Wut-Bauern allerdings egal zu sein.

Das ist unerträglich. Denn die Landwirte peinigen mit ihrer Blockadepolitik die Falschen. Die Menschen können weder etwas für die Weltlage noch für die Politik der Bundesregierung. Auch sie leiden unter den aktuell schwierigen Bedingungen. Denn was bitte schön soll eine Servicekraft in der Gastronomie sagen, die den Mindestlohn bekommt, der kürzlich um nur wenige Cent erhöht wurde? Oder eine Pflegekraft im Seniorenheim, die seit Jahren unter Hochdruck arbeitet? Sie haben keinen Traktor, mit dem sie eine Straße blockieren können. Das macht die Interessen dieser Menschen aber nicht weniger wichtig.

Die Bauern sind nicht die alleinigen Opfer der Umstände. Sie sind Teil dieser Gesellschaft, keine Acker-Aristokratie, deren Wünsche schwerer wiegen. Das sollten sie erkennen. Und endlich einen Gang herunterschalten.

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