Otterberg / Mehlingen
Neue Holzscheit-Bombe: Welchen Spuren die Polizei jetzt folgt
Leichte Verletzungen hat nach Polizeiangaben eine 50-Jährige erlitten, als ein Knall am Freitag ihr Wohnhaus in Otterberg (Kreis Kaiserslautern) erschütterte. Doch es hätte auch schlimmer ausgehen können: Immerhin wurde die Frau vom Kaminrohr getroffen, das eine wuchtige Explosion im Holzofen von der Wand gerissen hatte. Womit bei ihr in etwa passiert ist, was im selben Ort vor knapp zwei Jahren schon einmal geschah: Am 3. März 2019 ließ ein mit Schwarzpulver gespicktes Holzscheit den Glasschutz eines Kaminofens bersten, Splitter trafen eine 37-Jährige und ihre vierjährige Tochter.
Tödlicher Anschlag auf Arzt
Jene Otterbergerin brachte die Strafverfolger damals schnell auf die Spur des Mannes, der den Sprengsatz in ihren Holzvorrat geschmuggelt haben muss: Bernhard Graumann, ein Landschaftsgärtner aus Mehlingen. Mit ihm hatte sich die Frau wegen einer 10.000-Euro-Rechnung gestritten. Und sie war den Ermittlungen zufolge nicht der einzige Mensch in der Region, dem der 59-Jährige eine lebensgefährliche Falle gestellt hatte: Schon am 1. März 2019 hatte in Enkenbach-Alsenborn eine versteckte Handgranate einen Arzt getötet, der den Gärtner jahrelang behandelt hatte.
Für seinen mörderischen Rachefeldzug zur Rechenschaft gezogen werden konnte Graumann aber nicht mehr. Denn er hatte sich am 1. März mit einer Überdosis Insulin auch selbst getötet. Doch die Polizei musste damit rechnen, dass er noch mehr Sprengsätze versteckt hat. Also warnte sie öffentlich: Wer mit ihm Streit gehabt hatte, sollte sich melden. Prompt bekamen die Ermittler fast 200 Hinweise, und sie durchsuchten 60 Anwesen – überwiegend in der Westpfalz, aber auch in Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Holzscheite geröntgt
Neben Spürhunden und Metallsonden nutzte die Polizei dabei auch Röntgenstrahlen: Sie durchleuchtete Holzscheite, um so weitere Sprengsätze nach dem Otterberg-Muster zu entdecken. Fündig wurde sie aber nur in einem weiteren Fall: im Brennholz-Vorrat einer US-Amerikanerin in Fischbach bei Kaiserslautern, die sich mit dem Gärtner um 3000 Euro gestritten hatte. Wochen später sagte ein Polizeisprecher: „Wir haben alles Erdenkliche getan, aber zu 100 Prozent ausschließen können wir nicht, dass er doch noch irgendwo einen Sprengsatz deponiert hat.“
Ob nun tatsächlich in einem Otterberger Ofen noch einmal eine bislang unentdeckte Graumann-Bombe explodiert ist, steht für die Ermittler noch nicht endgültig fest. Schließlich könnte auch ein anderer Krimineller am Werk gewesen sein: Um Schwarzpulver in einem Holzscheit zu verstecken, braucht man keine besonderen Gerätschaften oder Kenntnisse. Doch zugleich ist die Methode auf perfide Weise originell. Dass sie ausgerechnet im Kreis Kaiserslautern binnen zweier Jahre nun schon von zwei Tätern angewandt worden wäre, erscheint also einigermaßen unwahrscheinlich.
Den Gärtner nicht gekannt
Allerdings hat es diesmal Menschen erwischt, die laut Polizei keinen Streit mit dem rachsüchtigen Gärtner hatten: Offenbar haben sie ihn noch nicht einmal gekannt. Was sie nun verfeuerten, war ursprünglich aber auch gar nicht ihr Holz: Den Ermittlern zufolge haben sie die Scheite von einem Fischbacher bekommen. Doch auch dieser Mann war nie auf den Listen potenzieller Graumann-Opfer aufgetaucht. Und ob er trotzdem irgendwann den Zorn des Mehlingers auf sich gezogen haben könnte, kann er nun auch nicht mehr sagen: Er ist bereits verstorben.
Ein Polizeisprecher sagt: Mehr über eine mögliche Verbindung zwischen beiden Personen herauszufinden, wird daher zumindest „mühsam“. Doch es gibt noch einen weiteren Ansatz: Die Ermittler können die Bauweise des nun explodierten Sprengsatzes mit dem Material vergleichen, das sie vor zwei Jahren schon entdeckt hatten. Den offiziellen Angaben zufolge ist das Holzscheit aus dem Ofen der 50-Jährigen zwar verkohlt, aber noch weitgehend erhalten.
