Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Todesfahrt von Magdeburg: Gedenken auf Weihnachtsmärkten in der Pfalz

In Ludwigshafen gedenken Politiker und Schausteller der Opfer der Todesfahrt von Magdeburg; links im Bild Oberbürgermeisterin Ju
In Ludwigshafen gedenken Politiker und Schausteller der Opfer der Todesfahrt von Magdeburg; links im Bild Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck.

Mit Trauer und Entsetzen haben die Organisatoren von Weihnachtsmärkten in der Pfalz auf die schrecklichen Nachrichten aus Magdeburg reagiert. In der Vorderpfalz gab es Gedenkveranstaltungen für die Opfer, auch letzte Sicherheitslücken wurden geschlossen.

Der Endspurt des Weihnachtsmarkts auf dem Berliner Platz in Ludwigshafen war überschattet von der Todesfahrt in Magdeburg, bei der ein 50-jähriger Mann am Freitagabend auf einem Weihnachtsmarkt in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt in eine Menschengruppe gefahren war. Dabei wurden fünf Menschen getötet und 200 zum Teil schwer verletzt.

Nachdem sich abzeichnete, welche Dimension der Anschlag angenommen hat, reagierte die Ludwigshafener Stadtmarketinggesellschaft Lukom, die den Weihnachtsmarkt in der Stadt am Rhein organisiert, umgehend: Der seit 13. November laufende Markt wird zwar bis zum Montag fortgesetzt – allerdings in Stille und ohne Sonderveranstaltungen, so wurde unter anderem ein für Samstagabend geplantes Feuerwerk abgesagt. Die Stadtverwaltung lud am Samstag zu einer Gedenkminute ein, an der sich mehrere Politiker, Beschicker, Vertreter der Notfallseelsorge und Marktbesucher beteiligten. Thomas Herzberger, Vorsitzender des regionalen Schaustellerverbands, sagte: „Ich halte die Entscheidung für richtig, dass unser Weihnachtsmarkt nicht, wie andernorts, vorzeitig beendet wurde. Wir haben uns dafür entschieden, die Musik auszulassen und die Sonderveranstaltungen abzusagen. Dieser Anschlag trifft uns alle bis ins Mark. Aber man darf sich dem Terror nicht beugen.“

Glocken läuten in Speyer

In Speyer hatten die Schausteller für Samstagabend ebenfalls eine Schweigeminute angesetzt, Musik und Beleuchtung wurden ausgeschaltet. Anja Ruppert-Keller, Vorsitzende des Schaustellerverbands, wirkte im Vorfeld darauf hin, dass Kirchenglocken zum Gedenken an die Opfer läuteten. Die Sicherheitsmaßnahmen in Speyer seien hoch, so die Beschickerin. „Auch die Kosten für die Maßnahmen sind hoch, aber bei einem solch tragischen Fall sieht man, wie wichtig sie sind“, sagte Ruppert-Keller. Die Stadt Speyer hat ihre Sicherheitsvorkehrungen nochmals auf den Prüfstand gestellt und eine letzte Lücke geschlossen. Am Zugang zum Rathaus-Innenhof und Kulturhof, bislang über eine Schranke von der Kleinen Pfaffengasse zugänglich, wurde eine mobile Sperre aufgestellt. Der Speyerer Weihnachtsmarkt dauert noch bis zum 6. Januar.

200 Teilnehmer bei Schweigeminute

Zu einer Schweigeminute auf dem Weihnachtsmarkt hatte auch die Stadt Frankenthal eingeladen. Etwa 200 Teilnehmer, darunter zahlreiche Vertreter der Hilfsorganisationen aus der Region, zeigten dabei am Samstagabend ihre Anteilnahme mit den Menschen in Magdeburg. Das Bühnenprogramm auf dem Frankenthaler Markt wurde am Samstag ausgesetzt. Die geplanten Auftritte werden am Montag nachgeholt. Als Reaktion auf den Anschlag wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Seit Samstagabend ist zusätzlich ein Sicherheitsdienst im Einsatz, die Polizei fährt verstärkt Streife. Zusätzlich wird bis zum Ende des Marktes am 29. Dezember am Eingang von der Bahnhofstraße ein Polizeiauto positioniert.

Die Stadt Landau hat am Samstag ebenfalls nochmals ihr Sicherheitskonzept für den Thomas-Nast-Nikolausmarkt vor Ort überprüft. Nach den Ereignissen in Magdeburg sind Ordnungsamt und Polizei am Wochenende vermehrt Streife gelaufen. Der Markt endete am Sonntagabend.

„Es ist einfach nur schrecklich“, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD). Die Menschen hätten arglos und in Vorfreude auf den nahen Heiligabend den Weihnachtsmarkt in Magdeburg besucht. „Dabei wurden sie auf hinterhältigste Weise angegriffen.“ Seine Gedanken seien bei den Opfern und bei der ganzen Stadtgesellschaft, „die bis ins Mark erschüttert ist“.

„Man darf sich das Leben nicht versauen lassen“

Vertreter der rheinland-pfälzischen Schaustellerbranche sprachen sich am Wochenende dafür aus, dass die Weihnachtsmärkte geöffnet bleiben. „Wir sind zutiefst erschüttert“, sagte etwa Margit Sottile von den Schaustellerbetrieben Sottile und Barth in Mainz. „Aber sie sollten nicht abgesagt werden. Das gehört zu unserer Kultur. Die können uns das nicht wegnehmen.“ Für den Schutz der Menschen sei bereits sehr viel unternommen worden, aber eine absolute Sicherheit gebe es nicht. Ähnlich sieht das Achim Müller vom Landesverband des Markt-, Reise- und Schaustellergewerbes Rheinland-Pfalz. Selbst auf Weihnachtsmärkten in kleinen Orten gebe es bereits Poller und Polizisten. „Trotzdem hat man ein komisches Gefühl im Magen“, sagte er. Doch: „Ich finde, man darf sich das Leben nicht versauen lassen.“

Nach der Todesfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt gibt es laut Innenministerium keine Hinweise auf eine erhöhte Gefahr in Rheinland-Pfalz. Die Polizeipräsenz werde dennoch erhöht, wie Innenminister Michael Ebling (SPD) erklärte.

x