Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Weihnachtsmarkt: Stille und Trauer statt Feuerwerk

Gedenkminute für die Opfer des Anschlags in Magdeburg mit OB Jutta Steinruck.
Gedenkminute für die Opfer des Anschlags in Magdeburg mit OB Jutta Steinruck.

Der Endspurt des Weihnachtsmarkts auf dem Berliner Platz ist überschattet von dem Anschlag in Magdeburg. Das Veranstaltungsprogramm am Wochenende wird abgesagt. Am Samstag wird der Opfer gedacht. Am Montag endet der Budenzauber.

Nachdem sich abzeichnet, welche Dimension der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in der Hauptstadt Sachsen-Anhalts annimmt, reagiert die Ludwigshafener Stadtmarketinggesellschaft Lukom umgehend. Ihr Geschäftsführer Christoph Keimes deutet bereits am späten Freitagabend im RHEINPFALZ-Gespräch an, dass das Veranstaltungsprogramm für das Wochenende auf dem Berliner Platz vermutlich abgesagt wird. Ursprünglich sollte unter anderem am Samstagabend ein Feuerwerk gezündet, sogenannte Feuerwerksfahrten im Riesenrad sollten angeboten werden.

Ein Polizeiwagen sichert zusätzlich zu den Pollern den Eingangsbereich des Weihnachtsmarkts am Berliner Platz ab.
Ein Polizeiwagen sichert zusätzlich zu den Pollern den Eingangsbereich des Weihnachtsmarkts am Berliner Platz ab.

Am Samstagmorgen steht dann definitiv fest, dass der seit 13. November laufende Weihnachtsmarkt bis zum Abschluss am Montag (21 Uhr) fortgesetzt wird – allerdings in Stille und ohne Sonderveranstaltungen. Das entscheiden Keimes, die Schausteller und Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) gemeinsam. Für 13 Uhr lädt die Stadtverwaltung auf dem Marktgelände zu einer Gedenkminute ein. Rund 40 Politiker, Beschicker, Vertreter der Notfallseelsorge und Marktbesucher beteiligen sich daran.

Am Freitagabend gegen 19 Uhr war auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg ein Auto durch die Menschenmenge gerast. Die erschütternde Bilanz: mindestens fünf Tote, darunter ein neunjähriges Kind. Mehr als 200 Menschen werden bei dem Anschlag verletzt, viele davon schwer. Gegen den mutmaßlichen Täter, ein 50-jähriger Arzt, der aus Saudi-Arabien stammt, wurde in der Nacht zum Sonntag Haftbefehl erlassen.

Auch Vertreter der Notfallseelsorge zeigten am Samstag auf dem Marktgelände Präsenz.
Auch Vertreter der Notfallseelsorge zeigten am Samstag auf dem Marktgelände Präsenz.

Thomas Herzberger, Vorsitzender des regionalen Schaustellerverbands, sagt: „Ich halte die Entscheidung für richtig, dass unser Weihnachtsmarkt nicht, wie andernorts, vorzeitig beendet wurde. Wir haben uns dafür entschieden, die Musik auszulassen und die Sonderveranstaltungen abzusagen. Dieser Anschlag trifft uns alle bis ins Mark. Aber man darf sich dem Terror nicht beugen.“

OB Steinruck ordnet an, dass die Flaggen in der Stadt auf Halbmast gesetzt werden. „Unser Weihnachtsmarkt steht in dieser Zeit im Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität“, betont die 62-Jährige. „Wir möchten innehalten und denjenigen gedenken, die durch diese schreckliche Tat betroffen sind.“ Sie tauscht sich auch mit ihrem Mannheimer Amtskollegen Christian Specht (CDU) aus, um ein möglichst gemeinsames Vorgehen abzustimmen.

Am Montag endet der Weihnachtsmarkt nach 39 Tagen.
Am Montag endet der Weihnachtsmarkt nach 39 Tagen.

Lukom-Chef Keimes, grundsätzlich sehr zufrieden mit der Resonanz auf dem Weihnachtsmarkt, spricht mit Blick auf die Ereignisse in Magdeburg von einer „Tragödie“. Diese brutale Gewalt sei unfassbar. Gedenkminuten werden auch auf den Weihnachtsmärkten in den Nachbarstädten Speyer und Frankenthal abgehalten, die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Neben Pollern schützt in Ludwigshafen nun zusätzlich ein Polizeiwagen den Haupteingang. Am Samstag ist die Stimmung auf dem Areal sehr gedrückt. Der Schock sitzt tief. Vielen fehlen die Worte, einige haben Tränen in den Augen.

Mehrere Vereine, darunter das Fontäne-Kulturzentrum, melden sich mit einer gemeinsamen Stellungnahme zu Wort: „Die schrecklichen Ereignisse auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt haben uns zutiefst erschüttert. Ein Ort der Freude und Besinnlichkeit wurde von Gewalt überschattet. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und allen, die Trost suchen. Mögen wir in diesen Tagen der Dunkelheit das Licht der Menschlichkeit und des Zusammenhalts stärken.“

x