Pfalz
Großeinsatz mit GSG9 und SEK: So haben sich die Rocker die Razzia eingebrockt
Es ist vielsagend, was die Ermittler in ihrer Bilanz der Großrazzia am Dienstag auflisten. Bei insgesamt zehn Verdächtigen haben sie eine scharfe Waffe mit 80 Schuss Munition, zwei Schreckschusspistolen, eine Armbrust, eine Axt, neun Messer, zwei Reizstoffsprühgeräte, einen Schlagring, eine Machete und vier Schwerter beschlagnahmt, dazu kommen knapp 48.000 Euro Bargeld und mehr als 500 Gramm Marihuana. Für einen der Beteiligten, einen 34-Jährigen, bedeutet das: Als mutmaßlicher Dealer und wegen illegalen Waffenbesitzes landet er wohl in Untersuchungshaft.
Etwa 300 Beamte im Einsatz
Allerdings handelt es sich bei diesen Beweisstücken um „Zufallsfunde“: entdeckt während einer Razzia bei Hells-Angels-Rockern, die eigentlich einen anderen Anlass hatte. Angerückt waren die Ermittler trotzdem schon mit großer Streitmacht. Neben dem rheinland-pfälzischen Spezialeinsatzkommando (SEK) war nach RHEINPFALZ-Informationen auch die legendäre Antiterrortruppe GSG9 der Bundespolizei beteiligt. Dass solche Eliteeinheiten bei Einsätzen im Rockermilieu aufgeboten werden, ist durchaus üblich. Doch in diesem Fall gab es einen besonderen Grund.
Die insgesamt etwa 300 Beamten durchsuchten zwölf Wohn- und Geschäftsgebäude in Trier und im Kreis Trier-Saarburg, in Karlsruhe und Pforzheim, vor allem aber in der Pfalz: im Rhein-Pfalz-Kreis, im Kreis Germersheim und an der Südlichen Weinstraße sowie in Speyer. Und in Neustadt, dort ging es nach Angaben der Staatsanwaltschaft um das Hells-Angels-Clubheim im Stadtteil Geinsheim. Es beherbergt einen erst etwa zwei Jahre alten Ableger der Rocker-Organisation, doch die Polizei hat dort schon einmal eine besonders üble Erfahrung gemacht.
Von Chef-Rocker angegriffen
Vor knapp einem Jahr sollten Beamte dort einen offenbar gefährlichen Hund beschlagnahmen. Während sie vor Ort auf eine endgültige Richter-Entscheidung warteten, wurden sie offiziellen Angaben zufolge von sieben Personen angegriffen. Als einen Haupttäter identifizierten sie einen 42-jährigen Chef-Rocker. Spätestens von da an mussten die Hells Angels davon ausgehen, dass sie in Neustadt unter verschärfter Beobachtung stehen. Doch den Anlass für die Razzia am Dienstag bekamen die Ermittler trotzdem auf dem sprichwörtlichen Silbertablett geliefert.
Hintergrund dabei: Wenn ein einzelner Verein verboten worden ist, sind dessen Kennzeichen in Deutschland auch für alle anderen potenziellen Nutzer tabu. Für die Hells Angels bedeutet das: Nachdem die Sicherheitsbehörden schon mehrere ihrer Ableger aufgelöst haben, müssen sie mit ihrem Einheitslogo sehr vorsichtig sein. Auf der heimischen Couch etwa dürfen sie sich Lederjacken mit Club-Emblem weiterhin anziehen, doch in der Öffentlichkeit dürfen sie sich nicht damit zeigen. Und selbst bei Zusammenkünften unter ihresgleichen müssen sie aufpassen.
Auch acht „Kutten“ beschlagnahmt
Denn wenn es dabei im rechtlichen Sinn um eine Versammlung handelt, gilt auch dort das Abzeichen-Verbot. Und mit mutmaßlicher Logo-Verwendung bei so einem Anlass hat die Staatsanwaltschaft in Frankenthal die neue Razzia begründet. Die Strafverfolger teilen mit: Belege für diesen Verdacht haben die Beteiligten selbst geliefert – indem sie Fotos davon im Internet teilten. Übrigens: Neben den vielen Waffen, den Drogen und dem Bargeld haben die Einsatzkräfte am Dienstag tatsächlich auch acht „Kutten“ beschlagnahmt.