Hohes Defizit RHEINPFALZ Plus Artikel Caritas-Sanierung: „Wir sind mitten in der Arbeit“

Dunkle Wolken sind über der Caritas-Zentrale in Speyer aufgezogen.
Dunkle Wolken sind über der Caritas-Zentrale in Speyer aufgezogen.

14 Millionen Euro operatives Minus allein 2024 – so kann es nicht weitergehen, wenn die Caritas im Bistum Speyer ihre sozialen Angebote erhalten will. Die Sanierung läuft.

Als voriges Jahr deutlich wurde, dass Finanzprobleme die Existenz des Caritasverbands für die Diözese Speyer gefährden können, war die Betroffenheit groß. Theo Wieder, Vorsitzender des Caritasrats als Aufsichtsgremium, sah sich unzureichend informiert. Der langjährige Direktor Vinzenz du Bellier ging vorzeitig in den Ruhestand. Seine Vorstandskollegin Barbara Aßmann blieb und rückte an die Spitze. Unterstützt wurde sie zunächst von Sanierern einer externen Unternehmensberatung und seit März von Holger Maar (53) als neuem Vorstandskollegen. Die beiden sollen den Sozialverband retten und zukunftsfähig machen.

„Die Caritas ist auf dem Weg, aber noch lange nicht am Ziel“, betonte Theo Wieder bei Maars Amtseinführung. Maar selbst sagt nun im RHEINPFALZ-Gespräch, dass es voraussichtlich auch 2026 noch nicht die erhofften schwarzen Zahlen geben werde. „2027 muss das dann aber der Fall sein.“ Die bisherigen Ergebnisse im Umstrukturierungsprozess machten ihn „sehr optimistisch“, dass es klappt. An erster Stelle gehe es darum, mit dem Land neue Vergütungssätze für die Leistungen auszuhandeln, die die Caritas in ihren rund 40 pfälzischen und saarpfälzischen Einrichtungen der Alten-, Eingliederungs- und Jugendhilfe erbringt.

Wettlauf gegen die Zeit

Zwei erste Abschlüsse seien im Sinn des Verbands ausgefallen, viele weitere stünden noch aus. Maar und Aßmann beschreiben dabei einen Wettlauf gegen die Zeit: Das Landesamt für Soziales als Verhandlungspartner könne wegen begrenzter personeller Ressourcen teilweise nicht so schnell Termine anbieten, wie das die Caritas nötig hätte. Die müsse derweil mit den alten, nicht kostendeckenden Vergütungssätzen weiterarbeiten und noch höhere Beträge mit Hilfe von Banken vorfinanzieren. Ohne 11 Millionen Euro Darlehen vom Bistum für 2025 und 2026 hätte früheren Berichten zufolge die Existenz des Verbands auf der Kippe gestanden. Glücklicherweise mache das Bistum bei der Rückzahlung keinen zeitlichen Druck, so Aßmann. Sie fordert von der Politik mehr Personal für das Landesamt.

Die unzureichenden Erstattungen von Leistungsträgern waren 2025 als einer der Hauptgründe für die finanzielle Schieflage genannt worden. Überhöhte Anteile teurer Leiharbeiter etwa in den Caritas-Altenheimen, die als Problem hinzugekommen waren, werde es nicht mehr geben, versichern die Vorstände. Der Verband zähle weiterhin rund 3500 Mitarbeiter und sei aktuell zufrieden mit der Personalgewinnung. Es gebe viele Interessenten, die sich mit dem sozialen Auftrag des katholischen Verbands identifizierten. Vor allem in der Verwaltung müsse man allerdings schlanker werden; einzelne Leitungsstellen seien schon weggefallen. Auch auf die Firmenstruktur mit sechs GmbHs werde kritisch geschaut. „Wir sind mitten in der Arbeit und in einem sehr harten Jahr“, sagt Aßmann.

Was fällt weg?

Aus heutiger Sicht sollten alle Einrichtungen aufrechterhalten werden. Denkbar sei aber, dass einzelne Leistungen wegfallen, die andere Unternehmen günstiger anbieten könnten. In dieser Hinsicht sei aber noch nichts spruchreif. Veränderungen im großen Portfolio des Verbands habe es schon immer gegeben. Derzeit muss laut Aßmann etwa um die Finanzierung der vor einigen Jahren hinzugekommenen Verfahrensberater an den beiden pfälzischen Erstaufnahmeeinrichtungen in Speyer und Kusel ab 2027 gebangt werden. Die steigenden Spritpreise machten neue Kalkulationen für die ambulanten Pflegedienste der Caritas erforderlich, was durch ein seit der Krise verbessertes Controlling mit hoher Kostentransparenz erleichtert werde.

Als mittel- und langfristige Herausforderungen kommen laut Maar sinkende Zuschüsse aus der Kirchensteuer und hoher Investitionsbedarf in den Gebäudebestand hinzu. Der Caritasverband habe zwar einen stimmigen Immobilienmix, aber zuletzt bei älteren Einrichtungen weniger tun können, als nötig wäre. Das müsse sich ändern. „Und wir hoffen, dass auch mal wieder Neubau möglich wird“, so Maar.

Noch keine Entscheidung gebe es in der Frage, ob frühere Verantwortliche wegen unterlassener Kontrollen und Informationen rechtlich belangt werden. Die Caritasversammlung habe die Möglichkeit dazu aber offengehalten, indem sie den Vorstand 2025 nicht entlastet hat.

Caritas-Verantwortliche (von links): Markus Magin, Generalvikar des Bistums, die Vorsitzenden Barbara Aßmann und Holger Maar sow
Caritas-Verantwortliche (von links): Markus Magin, Generalvikar des Bistums, die Vorsitzenden Barbara Aßmann und Holger Maar sowie Caritasrat-Vorsitzender Theo Wieder.
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