Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Aus der Medizinbranche zum Sozialverband: So tickt der neue Caritas-Chef

Neuer Mann am Pult der Caritas: Holger Maar soll den Verband in sicheres Fahrwasser bringen.
Neuer Mann am Pult der Caritas: Holger Maar soll den Verband in sicheres Fahrwasser bringen.

„Ich freue mich, regelmäßig in Speyer sein zu können“, sagt Holger Maar. Bisher war der Mann von der Bergstraße gern Besucher in der Domstadt. Jetzt kommt er als Caritas-Chef.

Die Caritas auf der Kippe? Rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich? Holger Maar empfindet seine neue Aufgabe als Caritasvorsitzender für die Diözese Speyer nicht als Himmelfahrtskommando. Er hat die Verantwortung beim katholischen Sozialverband, der den Gürtel enger schnallen muss, just in der Fastenzeit übernommen und fühlt sich alles andere als unwohl. Das habe auch mit der Atmosphäre in der Verbandszentrale in der Nikolaus-von-Weis-Straße und in den 40 Einrichtungen pfalzweit zu tun: „Wenn man hier als Außenstehender reinkommt, spürt man, dass Werte wie Nächstenliebe gelebt werden.“

Auch deshalb habe er sich bewusst für einen Arbeitgeber im sozialen Bereich entschieden, sagt Maar, der neben Barbara Aßmann an die Caritas-Spitze gerückt ist. Der 53-jährige Industriekaufmann, Diplom-Betriebswirt und Master of Health and Business Administration hat etliche berufliche Stationen hinter sich, aber trotz katholischer Sozialisation in Unterfranken noch nie für die Kirche gearbeitet. Bisher war er auf Medizintechnik spezialisiert und unter anderem für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Dental- und Strahlentherapie-Unternehmen tätig.

Nicht abgeschreckt

Schon länger ist Maar aber nach eigenem Bekunden am Bereich Pflege, der bei der Caritas eine große Rolle spiele, interessiert. Dass es geklappt hat in einer Zeit, in der der klamme Verband einen Sanierer suchte, freue ihn deshalb umso mehr. Die Finanzprobleme haben den 53-Jährigen nicht abgeschreckt: „Das ist viel interessanter als in ein Unternehmen zu gehen, in dem alles funktioniert.“ Er sei „kein Manager, der nach einem halben Jahr wieder geht“, und wolle auch die Früchte seiner Arbeit ernten, sagt Maar.

Bei der Caritas geht es angesichts deutlich roter Zahlen vorrangig darum, die Leistungen wieder auskömmlich zu finanzieren, woran es in den vergangenen Jahren mangelte. Maars Vorgänger Vinzenz du Bellier ist im Herbst 2025 vorzeitig gegangen, sodass ein Interimsvorsitzender eingeschaltet werden musste, bis der Neue gefunden war. „Sie bringen alles Nötige mit, um die Caritas gut aufzustellen“, wurde Maar bei der Amtseinführung von Aufsichtsratschef Theo Wieder bescheinigt. Ein bis zwei Monate wird ihm noch der Interimsmanager Markus Bennemann zur Seite stehen.

Der einstige Pfadfinder Maar lebt heute mit seiner Familie an der Bergstraße. Er pendelt von dort nach Speyer. Das sei mit einer halben Stunde Fahrtzeit kein Problem. Auch andere Caritas-Standorte in der Westpfalz könne er über die A6 gut erreichen. Er wolle möglichst schnell möglichst viele davon kennenlernen, betont er. Im Verband dürften keine Verluste mehr eingefahren werden wie in den vergangenen Jahren. Es gehe in dem sozialen Unternehmen aber auch nicht um Gewinnmaximierung, betont Maar. Gesellschaft mitgestalten, Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen – diese Caritas-Ziele motivieren den neuen Chef zusätzlich.

Hund hält auf Trab

Die Museen, den Weihnachtsmarkt und natürlich den Dom habe er in Speyer schon in der Vergangenheit gern besucht, erzählt Maar. Jetzt habe er noch viel mehr Möglichkeiten – und den Caritas-Zweckbau am westlichen Stadtrand mit der positiven Stimmung in der Belegschaft als neue Basis. Wenn dort aber doch einmal die Zahlen zu rot und die Aufgaben zu stressig werden, findet er privat Zerstreuung. Die sieben und 15 Jahre alten Kinder sowie der Labradoodle-Hund aus der Corona-Zeit halten ihn dabei vor allem auf Trab. Der Reise- und Literatur-Fan Maar bewegt sich selbst gern beim Joggen oder im Fitnessstudio, hat als Begleiter seiner tanzenden und Handball spielenden Kinder aber auch sportliches Interesse darüber hinaus.

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