Speyer
Tief in den roten Zahlen: So will die Caritas die Wende schaffen
33,5 Millionen Euro Jahresverlust bei 256 Millionen Euro Umsatz stehen im Jahr 2024 für den Caritasverband zu Buche. Direktorin Barbara Aßmann bemühte sich bei einer Pressekonferenz in Speyer, die auch für die Caritas-Mitarbeiter übertragen wurde, damit verbundene Sorgen zu zerstreuen. „Wir brauchen jeden Mitarbeitenden.“ Die Nachfrage nach Förder- und Betreuungsleistungen des Sozialunternehmens sei groß. Es sei nicht geplant, Einrichtungen zu schließen, Personal zu entlassen oder dessen Bezüge zu kürzen, wie es ein anderer Träger aus der Caritas-Familie für Mitarbeiter des St.-Vinzentius-Krankenhauses Landau getan hatte.
Der Speyerer Caritasverband pflegt, betreut und berät mit seinen Angeboten in der Pfalz und Saarpfalz nach eigener Zählung mehr als 20.000 Menschen. 117.000 Kunden kämen in seinen drei Sozialkaufhäusern hinzu. 3500 Mitarbeiter sorgten dafür, dass alles laufe. In den Einrichtungen gebe es derzeit viele Nachfragen zur Finanzlage, sagte Aßmann. In der Zentrale in Speyer mit 120 Mitarbeitern, für die ein Einstellungsstopp gelte, sei die Nervosität aber stärker spürbar.
Sanierungsexperte im Haus
Aßmann soll zusammen mit Interimsvorstand Markus Bennemann die Wende schaffen. Bennemann ist Unternehmensberater bei der auf Klienten in Schieflage spezialisierten Firma TMC. Er und sein Team haben seit April in Speyer die Bücher gewälzt. Er stellte am Mittwochabend auch der Vertreterversammlung den Jahresabschluss 2024 vor, in dem die schon zuvor bestätigten Finanznöte stärker denn je deutlich werden. Dabei gehe nur ein Teil des Defizits auf den operativen Betrieb des Verbands und von dessen sechs Gesellschaften zurück. Bei den anderen 19,7 Millionen Euro handele es sich um Abschreibungen und Wertberichtigungen. Diese seien notwendig, um die Risiken in der Bilanz angemessen darzustellen. Auch ohne diesen Faktor liegt das Minus von um die 14 Millionen Euro deutlich über den 5,3 Millionen aus dem Jahr 2023. Der langjährige Finanzvorstand Vinzenz du Bellier hatte den Verband Ende September verlassen.
„Die Betroffenheit war spürbar.“ So kommentierte Markus Magin, Generalvikar des Bistums, den Verlauf der nichtöffentlichen Vertreterversammlung. Das Bistum gewähre für dieses Jahr 8 Millionen Euro und für kommendes 3 Millionen als Darlehen, bestätigte Magin. „Caritas in der Krise ist gleichzusetzen mit Kirche in der Krise“, begründete er die Hilfszahlung.
2026 wieder im Plus?
Bennemann berichtete von einem Maßnahmenpaket, das – nach einem weiteren Minus 2025 – auf positive Betriebsergebnisse ab 2026 hinauslaufe. „Solange wird es dauern, bis alle Sanierungsmaßnahmen greifen.“ An erster Stelle sieht er Verhandlungen mit den Kostenträgern – Land, Kommunen, Pflegekassen – über höhere Leistungsentgelte. „Wir bekommen für das, was wir erbringen, zu wenig Geld“, erklärte er das Grundproblem, das zusammen mit zu viel Leiharbeit und zu geringen Auslastungen das Finanzloch gerissen habe. Angefangen werde bei den Förderzentren, für deren Leistungen bis Mitte Dezember neue Angebote kalkuliert würden.
Sämtliche Prozesse stünden auf dem Prüfstand, ergänzte Theo Wieder, Vorsitzender des Caritasrates. Er steuert die Suche nach einem neuen Vorstand, die im Frühjahr 2026 abgeschlossen sein soll. Vom Rat stamme auch der Auftrag zur Ursachensuche: „Unser Aufsichtsgremium war unzureichend und zum Teil falsch über die Situation informiert worden“, kritisierte Wieder. Im Januar 2025 habe er vom externen Wirtschaftsprüfer einen Anruf erhalten, in dem ein Defizit in zweistelliger Millionenhöhe angekündigt wurde. Innerhalb des Caritasverbands sei zuvor von maximal zwei Millionen Minus für 2024 ausgegangen worden. Er sei aus allen Wolken gefallen, so der Vorsitzende.