Enkenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Bereitschaftspolizei bekommt neuen Chef: Lebkücher aus der Nordpfalz

Thomas Lebkücher
Thomas Lebkücher

Großeinsätze, heikle oder unübersichtliche Lagen, Katastrophen: Wenn schnell viel Polizei gebraucht wird, rücken die Hundertschaften der Bereitschaftspolizei aus. Deren Quartier steht in Enkenbach. Der neue Chef macht nebenher in seinem Dorf den Bürgermeister und wollte vor zwei Jahren in den Bundestag.

„Anstand und Ordnung, Ehrlichkeit und Fleiß, Gemeinschaft und Respekt, Sicherheit und Stabilität.“ Für diese Werte steht der künftige Chef der rheinland-pfälzischen Bereitschaftspolizei. Wie die RHEINPFALZ erfuhr, heißt der neue Mann an der Spitze Thomas Lebkücher. Der 44-Jährige ist Pfälzer durch und durch – und im Donnersbergkreis als Politiker bekannt.

In Rheinland-Pfalz besteht die Bereitschaftspolizei aus vier Hundertschaften, die über das gesamte Land verteilt stationiert sind, damit sie im Fall der Fälle schnell vor Ort sind: in Enkenbach bei Kaiserslautern, Mainz, Wittlich und Koblenz. Zur Bereitschaftspolizei gehört zudem eine Hundertschaft für Festnahmen und die Sicherung von Beweisen. Sie hat ihr Quartier ebenfalls in Enkenbach. Weiter die Hubschrauberstaffel, die ihre Einsätze von Winningen bei Koblenz aus fliegt, und eine technische Einsatzeinheit, die in Wittlich in der Eifel zu Hause ist. Somit besteht die rheinland-pfälzische Bereitschaftspolizei (Bepo) aus mehreren Hundert Polizisten, darunter Spezialisten wie Hubschrauberpiloten. Geführt wird die Bepo des Landes von Enkenbach in der Pfalz aus.

Kennt die nördlche Pfalz und Rheinhessen aus dem Effeff

Bisher lenkte Jürgen Traub (57) die Geschicke der Bepo des Landes. Da Traub aber am 1. Oktober die Leitung der Polizeidirektion für die Südpfalz in Landau übernimmt, braucht die Bereitschaftspolizei einen neuen Chef. Und den bekommt sie am 1. Oktober: Thomas Lebkücher.

Der kennt die Pfalz, zumindest den nördlichen Teil, und Rheinhessen aus dem Effeff. Denn nach dem Abitur 1998 in Kirchheimbolanden ging er zur Polizei und absolvierte Stationen in Kusel, Alzey, Worms und Mainz. Dann machte er einen Abstecher zum Landeskriminalamt Mainz, als IT-Projektleiter. Wonach es nach Frankenthal ging: Von 2016 an leitete er für vier Jahre die dortige Polizeiinspektion, um dann 2020 in gleicher Funktion nach Worms zu wechseln, wo er bis Ende dieses Monats tätig ist.

Personalkarussell mit Sommerrock, Traub, Lebkücher, Weber, Becker

Ein polizeiliches Personalkarussell hat Lebküchers Wechsel nach Enkenbach ergeben. Und das funktioniert so: Als der bisherige Leiter der Polizeidirektion Südpfalz, Thomas Sommerrock, in Ruhestand ging, zeigte Jürgen Traub, Chef der Bepo in Enkenbach, Interesse, Sommerrocks Nachfolge anzutreten. Traub war als Chef der Bereitschaftspolizei in der Besoldungsstufe A15 eingruppiert und übernimmt zum 1. Oktober das Amt in Landau, das ebenfalls der Besoldungsstufe A15 zugeordnet ist.

In Worms ergab sich für Lebkücher die Besonderheit, dass dort der Inspektionsleiter den Direktionsleiter, eingestuft in A15, bei dessen Abwesenheit vertritt. Deshalb ist in Worms neben dem Direktionsleiter auch der Inspektionsleiter in der Besoldungsgruppe A15 eingestuft. Lebkücher hatte die A15 im Mai 2021 erhalten. Er wechselt jetzt auf eine Stelle, die ebenfalls nach A15 bezahlt wird. Das Wechselkarussel Sommerrock-Traub-Lebkücher erfolgt also innerhalb einer Hierarchiestufe: der A15. Zum Vergleich: In dieser Gehaltsgruppe befinden sich auch Oberärzte, Dekane und stellvertretende Schulleiter von Gymnasien. In Worms musste Lebkücher viele Monate lang neben der Inspektion Worms auch die Direktion Worms führen, weil der Direktionsleiter lange erkrankt war und nun auch vorzeitig in den Ruhestand wechselt.

Mit dem Wechsel Lebküchers nach Enkenbach wird in Worms wiederum die Stelle des Inspektionsleiters frei. Und damit schließt sich das Personalkarussell: Denn diesen Posten bekommt – wie berichtet – der Polizeibeamte Stephan Weber. Er hatte die Leitung der Zentralen Bußgeldstelle des Landes in Speyer, die er kommissarisch inne hatte, im April dieses Jahres abgeben müssen. Weil das Innenministerium einen Arbeitsplatz für die bisher im Ministerium beschäftigte Juristin Natascha Becker gesucht hatte. Da der Inspektionsleiter in Worms nach A15 bezahlt wird, hat Weber – derzeit noch in A14 – die Perspektive, im Mai 2024 eine Gehaltsstufe aufzusteigen. Das Innenministerium hat bisher keine Auskünfte zu Lebküchers Wechsel erteilt.

Bürgermeister von Bubenheim und Kandidat für Berlin

Der neue Chef der Bereitschaftspolizei engagiert sich in seiner Freizeit bei den Freien Wählern. Lebkücher kümmert sich als Bürgermeister um die 420 Einwohner seines Heimatdorfes Bubenheim, das im Donnersbergkreis liegt. Vor zwei Jahren kandidierte der verheiratete Vater zweier Kinder im Wahlkreis Kaiserslautern für den Deutschen Bundestag. Bei seiner Kandidatur warb er mit den eingangs erwähnten Werten für sich. Hätten die Freien Wähler damals den Einzug in den Bundestag geschafft, stünde Lebküchers Schreibtisch jetzt in Berlin und nicht in Enkenbach.

(In der ursprünglichen Version dieses Textes hieß es irrtümlich, dass der Inspektionsleiter von Worms in die Gehaltsstufe A14 eingestuft ist. Wir haben die entsprechende Passage korrigiert.)

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