Südpfalz / Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Holzdiebstahl im Wald: Wie der Forst sein begehrtes Gut schützt

Der Forst versteckt GPS-Sender in wertvollen Stämmen.
Der Forst versteckt GPS-Sender in wertvollen Stämmen.

Gestiegene Energiekosten und Materialknappheit: Holz ist ein begehrtes Gut. Die Anzahl der Diebstähle im Wald hat deutlich zugenommen. Was lassen sich Forstleute einfallen, um ihre Baumstämme vor Langfingern zu schützen?

Willi Rapp ist der Christbaummann der Region. Die Bäumchen des Spirkelbachers schmücken in der Weihnachtszeit etwa Fußgängerzonen in der Südpfalz, in Neustadt, Speyer und Ludwigshafen. Nicht nur rund um seinen Heimatort besitzt er einige Waldgrundstücke. Dass auf diesen auch mal Langfinger unterwegs sind, weiß er aus eigener leidvoller Erfahrung. Im vergangenen Jahr wurde ihm beispielsweise aus seinem Forst bei Silz ein großer Kastanienstamm im Wert von 500 Euro geklaut, wie er berichtet. Der 70-Jährige blickt auf 45 Jahre bei der Polizei zurück, war stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Landau und Wacheleiter in Annweiler. Natürlich nahm er gleich die Ermittlungen auf und konnte den Täter tatsächlich stellen, wie er erzählt. Aber nicht immer ist es möglich, die Holzdiebe dingfest zu machen.

Im Bereich der Polizeidirektion Landau, zu der die gesamte Südpfalz gehört, wurden 2021 sechs Fälle von Holzdiebstahl zur Anzeige gebracht, wie Sprecher Sebastian Burkhard berichtet. In diesem Jahr waren es bis Weihnachten fast doppelt so viele, nämlich elf Fälle. Immer noch eine überschaubare Menge, aber ein deutlicher Zuwachs. Die Taten ereigneten sich im gesamten Direktionsbereich, regionale Schwerpunkte gab es nicht. Die Diebe bedienten sich sowohl an fertig geschnittenem Scheitholz als auch an Langholz, das sie mit großem Gerät abtransportierten.

Tipps für Waldbesitzer

„Die Holzpreise sind auf über das Dreifache gestiegen, nirgends ist noch Holz zu bekommen. Wir werden von allen Seiten angerufen: Jeder will Holz“, berichtet auch Rapp, dass der Diebstahl des begehrten Guts angesichts der aktuellen Lage zugenommen hat. Der Spirkelbacher ist Vorsitzender des Waldbauvereins Rauhberg. 220 Privatwaldbesitzer aus sieben südwestpfälzischen Gemeinden mit rund 2000 Hektar Forstfläche haben sich in dem Verein zusammengeschlossen, der damit zu den größten seiner Art in der Pfalz gehört. Es gibt in Rheinland-Pfalz über 100.000 private Waldeigentümer. Damit besitzt jeder 40. Rheinland-Pfälzer Wald. Kein Wunder, dass das Thema Holzdiebstahl auch bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Rauhberg-Vereins heiß diskutiert wurde, wie der Vorsitzende berichtet. Erst vor Kurzem seien einem seiner Kollegen 15 Ster Buchenholz aus dem Wald geklaut worden. Bei 200 Euro pro Ster ein „Riesenschaden“. „So etwas gab’s früher nicht“, macht Rapp deutlich.

Holzdiebe gehen oft professionell vor und stehlen sogar ganze Polter an Baumstämmen.
Holzdiebe gehen oft professionell vor und stehlen sogar ganze Polter an Baumstämmen.

Aufgeschreckt durch solche Vorfälle hat der pensionierte Polizist seinen Mitgliedern Tipps an die Hand gegeben, wie sie ihr Holz schützen können. Gefällte Stämme sollten nicht im Wald schon zerkleinert, gestapelt und dort gelagert werden, bis sie verkauft oder selbst genutzt werden. Denn so präsentiere man das Brennholz praktisch mundgerecht. „Lieber die Stämme nach Hause bringen und dort weiterverarbeiten“, rät er. So lange die gefällten Bäume noch im Wald liegen, könne eine Wildkamera helfen, die bei Bewegung anspringe. „Ein paar von uns haben die schon beim Aldi geholt und jetzt auf die Polter gerichtet im Wald installiert“, erzählt Rapp. Auch die Polizei berichtet, dass einige Lagerplätze mit Kameratechnik ausgestattet seien. Allerdings dürfe diese nur auf Kniehöhe angebracht seien, mehr sei datenschutzrechtlich eine Tabuzone, schränkt Mario Biwer, Sprecher des Forstamts Haardt mit Sitz in Landau, ein.

Kennzeichen notieren

Wichtig sei besonders, die Waldbesitzer für das Thema zu sensibilisieren, findet Rapp. Wenn er jemanden zu später Stunde in den Wäldern herumlaufen oder fahren sehe, dann spreche er denjenigen an oder schreibe sich das Kennzeichen auf, macht der Vereinsvorsitzende keinen Hehl daraus, derzeit ein ganz aufmerksames Auge auf seinen Besitz und den seiner Forstkollegen zu haben. „Wir haben auch schon den Jagdpächter verständigt.“ Polizeisprecher Burkhard rät ebenso: „Bei auffälligen Fahrzeugen empfiehlt es sich, das Kennzeichen zu notieren.“ Die Polizei beziehe Forst- und Landwirtschaftswege in ihre tägliche Streifentätigkeit mit ein. Verdächtige Personen und Fahrzeuge würden kontrolliert, Hinweisen aus der Bevölkerung werde nachgegangen. Heutzutage sei es aber gar nicht mehr so einfach zu unterscheiden, wer rechtmäßig im Wald arbeitet und wer Unfug vorhat, weiß Forstamtssprecher Biwer. Denn die beauftragten Forstarbeiter kämen teilweise aus dem Ausland und arbeiteten auch in sehr frühen Morgen- oder sehr späten Abendstunden. „Ungewöhnliche Waldarbeit-Zeiten sind nichts Ungewöhnliches mehr. Wenn dann mal ein Diebstahl dazwischen ist, ist das nicht leicht herauszufiltern“, gibt er zu bedenken.

Mit Wildkameras werden Lagerplätze überwacht.
Mit Wildkameras werden Lagerplätze überwacht.

Alle Betroffenen haben die Erfahrung gemacht, dass entweder aufgearbeitetes Brennholz geklaut wird oder gleich Industrieholz in langer Form, das abfahrbereit am Waldweg liegt. Dann komme auch mal ein kompletter Polter oder Teile davon in der Menge einer Lkw-Fuhre weg, berichtet Helmut Baaden, stellvertretende Leiter des Forstamts Annweiler. Das entspreche 20 bis 25 Festmetern und einem Wert von rund 1800 Euro. „Meist ,verschwindet’ das Langholz ohne weitere Sägespuren, das heißt, es wird von professionellen Lkw aufgeladen.“ Sein Haardt-Kollege Biwer bestätigt diese Vorgehensweise. Klingt nach einem auf Holzklau spezialisierten Täterkreis. Mit dem Finger auf jemanden zeigen, könne er aber nicht. „Von Privatleuten bis zu Banden ist alles dabei.“

Fall durch GPS-Sender gelöst

Besonders für wertvolle Stämme hat sich seit einigen Jahren eine neue Verfolgungstechnik etabliert: GPS-Tracker. Vor zehn Jahren etwa seien die Sender aufgekommen, die so groß wie eine Zigarettenschachtel seien und in den Stämmen nicht sichtbar angebracht würden, erklärt Biwer. Das Forstamt Haardt nutze die Technik stichprobenartig und auch das Forstamt Annweiler will sie künftig verstärkt anwenden. Privatwaldbesitzer Rapp hält hingegen nicht so viel von den GPS-Sendern. Das System sei gut, aber die Nachverfolgung und Beweisführung nicht so einfach, sagt er. Gute Erfahrungen hat hingegen das Forstamt Rheinauen damit gemacht. Seit vier, fünf Jahren bringt das Forstamt mit Sitz in Bellheim die Peilsender an hochwertigem Holz an, wie Leiterin Monika Bub informiert. Meist an ein bis drei Stämmen pro Polter. Und tatsächlich konnte auf diese Weise einem Langfinger auf die Schliche gekommen werden. „Uns wurden wertvolle Schwarznüsse gestohlen. Über die Sender konnten wir den Standort nachvollziehen und den Täter erwischen“, berichtet sie.

In diesem Jahr musste sich das Forstamt noch nicht groß mit dem Thema Holzdiebstahl herumschlagen. Auch die anderen beiden Südpfälzer Forstämter haben keinen Zuwachs verspürt, wie deren Sprecher sagen, auch wenn sich die Fallzahlen laut Polizei verdoppelt haben. Aber es ist wohl auch noch die Ruhe vor dem Sturm. „Nach Weihnachten beginnt die Ernte, dann müssen wir ein scharfes Auge haben“, sagt Bub für das Rheinauen-Gebiet. Solch eine angespannte Lage auf dem Holzmarkt wie aktuell habe es bisher noch nicht gegeben, ist ihr bewusst. Aber GPS-Sender könne man nicht an jedem Brennholzstapel anbringen. Die Förster führen nun öfter an den Poltern vorbei, viel mehr könne man nicht machen. Auf verstärkte Kontrollen setzt auch das Forstamt Annweiler. Und im Haardt-Raum werden die Umrisse jedes Polters mit Sprühfarbe markiert, damit sofort auffällt, wenn etwas fehlt.

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