Interview
Was ist von Wolfgang Kubicki zu erwarten, Christian Kopp?
Herr Kopp, was halten Sie denn von dem neuen Bundesvorsitzenden Ihrer Partei?
Wolfgang Kubicki hat auf dem Parteitag in Berlin die Mehrheit der Delegierten von seinem Kurs überzeugt. Er genießt mein volles Vertrauen und meine Unterstützung.
Haben Sie für ihn gestimmt?
Ich war als Delegierter des Landesverbands Rheinland-Pfalz vor Ort, aber aus Prinzip sage ich nicht, wie ich bei geheimen Wahlen abgestimmt habe.
Verstehe. In welcher Art und Weise ist er aus Ihrer Sicht vertrauenswürdig?
Unsere Partei, die FDP, befindet sich gerade in einer schweren Phase. Ich denke mal, dass sich Wolfgang Kubicki noch einmal voll reinknien wird in das Amt und die Partei wieder auf Kurs bringen kann.
Welche Themen müssen denn nun angegangen werden?
Wir haben in Deutschland viele Baustellen. Viele Menschen plagt eine Zukunftsangst, auch das Aufstiegsversprechen ist in Deutschland nicht mehr gegeben. Viele Menschen fürchten sich vor einem Wohlstandsverlust. Wir wollen als FDP wieder ein positives Bild der Zukunft zeichnen.
Wie kann das gelingen? Was muss als erstes angepackt werden?
Die Wirtschaft muss gestärkt werden, als allererstes. Denn nur in der Wirtschaft wird erwirtschaftet, wovon letztlich alle profitieren können. Die Menschen müssen wieder Lust auf Leistung bekommen, Leistung muss sich wieder lohnen.
Glauben Sie, dass Wolfgang Kubicki diese Impulse geben kann?
Ja, auf alle Fälle, er ist ein Mann der Wirtschaft und er sagt offen, was er denkt. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und viele Menschen haben das Gefühl, dass sie nicht mehr sagen dürfen, was sie denken.
Wie könnte der Wirtschaft das Leben leichter gemacht werden?
Wir müssen den Bürokratie-Dschungel loswerden. Es muss nicht alles dokumentiert werden. Wir sollten den Unternehmen wieder mehr vertrauen schenken. Dieses Übermaß ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen nicht in jedem Unternehmen einen Leiter-Beauftragten, wir sollten darauf vertrauen können, dass die Menschen wissen, wie eine Leiter funktioniert. Nur ein Beispiel: Ich war neulich in einem Geschäft und wollte in einem oberen Regal etwas anschauen. Da stand dann so ein Elefantenfuß rum und ich bin einfach draufgestiegen, hab geschaut und bin dann wieder runter. Die Verkäuferin fand das nicht so toll, von wegen Versicherung und so, was da alles passieren kann. Ich muss aber sagen: Wenn ich runterfalle, dann bin ich erst mal selbst schuld. Wir müssen die Menschen nicht permanent vor sich selbst schützen, wir sollten ihnen wieder mehr zutrauen.
Das klingt vertraut. Mir fallen da auch gleich Sicherheitsschulungen im Umgang mit Leitern und Tritten ein …
Unnötige Bürokratie abzuschaffen, würde uns keinen Cent kosten und wäre sofort umsetzbar. Die Politik muss nicht alles regeln, sie muss auch nicht jeden Schritt kontrollieren. Die Menschen können selbst denken.
Wie war die Stimmung eigentlich beim Parteitag?
Sehr positiv, wie ich finde. Dass es zu einer Kampfkandidatur kam, dass Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegen Wolfgang Kubicki angetreten ist, hat der Partei gut getan.
Was nehmen Sie mit aus Berlin?
Wir sind nicht tot. Die FDP ist eine lebendige Partei, mit tollen Ideen. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass nicht nur ein neuer Bundesvorsitzender gewählt wurde, sondern der komplette Bundesvorstand sich neu formiert hat. Wir wollen wieder die Stimme in den Parlamenten sein, die den Menschen etwas zutraut. Ein Bürokratieabbau geht nur mit uns, gerade weil wir keine ideologischen Scheuklappen tragen. Wir sind eine Partei der Mitte, nicht eine von den Rändern.
Und mit Blick auf den neuen Bundesvorsitzenden? Was kann die FDP in Kaiserslautern und im Umland von ihm lernen?
Wolfgang Kubicki ist ein absoluter Kämpfer. Einer, der unbequeme Wahrheiten ausspricht, der in den Diskurs geht. Das wollen wir auch vor Ort so machen, in Diskussionen gehen, streitbar sein, das ansprechen, was wir für richtig halten, für den richtigen Weg. Wir werden vor Ort unseren Beitrag zum Wiederaufstieg der FDP leisten.