Panorama
Post aus dem Jenseits: Start-up verschickt Briefe von Toten
Bei „Send Love from Heaven“ – schicke Liebe aus dem Himmel – können Menschen vor ihrem Tod Nachrichten an ihre Angehörigen einlagern. Diese werden posthum zu einem oder mehreren Wunschterminen – wie etwa zu Weihnachten oder am Geburtstag – bis zu zehn Jahre in der Zukunft verschickt.
Eine Freundin von Gründerin Susanne Wiedemann war an Krebs erkrankt und starb Ende 2019. „Sie hat immer wieder davon gesprochen, ihrer Familie Nachrichten zu hinterlassen“, sagt die 40-Jährige. Gemeinsam hätten die beiden überlegt, ob das eine gute Idee sei oder ob es die Angehörigen nicht doch zusätzlich belasten würde. Zumal auch die Frage im Raum gestanden habe, wem sie die Briefe anvertrauen könne.
Briefe statt E-Mails
In Erinnerung an ihre Freundin gründete die Diplom-Betriebswirtin und IHK-zertifizierte Hochzeitsplanerin 2020 „Send Love from Heaven“, um anderen Menschen diese Möglichkeit zu geben. Dabei entschied sie sich bewusst für Briefe anstelle digitaler Nachrichten: „Das hat etwas Haptisches, eine Seele.“ Über ein Online-Formular lassen sich die Briefe aber auch digital einreichen. Es ist auch möglich, Datenträger wie USB-Sticks mit Videobotschaften einzulagern. Preislich bewegen sich die Briefe und Postkarten, die Wiedemann online anbietet, zwischen 80 und 175 Euro, je nach Papierart und der Wahl zwischen gedrucktem oder handgeschriebenem Text.
Bevor die Nachrichten pünktlich zum gewünschten Termin verschickt werden, muss allerdings sicher sein, dass der Absender tatsächlich gestorben ist. Wiedemann versucht daher routinemäßig vier Wochen vor dem Termin, ihre Kunden zu kontaktieren. „Wenn ich keine Antwort bekomme, kann das alles Mögliche bedeuten“, sagt sie. Der Kunde könne ja auch dement oder im Krankenhaus sein. Dann seien Nachforschungen bei den Meldeämtern notwendig, wie auch, wenn sich herausstellt, dass die Adressen der Empfänger nicht mehr aktuell sind.
Geschützt gelagert
Wie viele Briefe und Datenträger sie momentan lagert, möchte Wiedemann nicht verraten. Nur so viel: „Datenschutz und Brandschutz sind mir sehr wichtig.“ Auch Angehörige seien noch nicht bereit gewesen, sich öffentlich dazu zu äußern, wie es war, Post aus dem Jenseits zu bekommen. Sie kann sich aber vorstellen: „So eine Nachricht wird für den ein oder anderen sicher eine Überraschung sein.“
Auf ihrer Website stellt Wiedemann Informationen über die verschiedenen Phasen der Trauer zur Verfügung, um ihren Kunden die Wahl der Versandtermine zu erleichtern. Auch eine Zusammenarbeit mit einem Psychologen sei geplant. Neben dem Versand von Nachrichten bietet sie auch die Organisation von Trauer- und Lebensfeiern an. Letztere sind als letztes Fest mit Freunden und Angehörigen im Leben eines Menschen gedacht.