„Endurance“ RHEINPFALZ Plus Artikel Legendäres Schiff in 3000 Metern Tiefe entdeckt

Die Forscher sind begeistert vom Zustand der „Endurance“.
Die Forscher sind begeistert vom Zustand der »Endurance«.

1915 sank die „Endurance“, das Schiff des Polarforschers Ernest Shackleton. Jetzt hat eine Expedition vor der Küste der Antarktis das Wrack aufgespürt, dessen einstige Besatzung zwei Jahre ums Überleben kämpfte.

Eine erste Suche musste noch erfolglos abgebrochen werden, doch eine zweite Expedition in die Antarktis war nun erfolgreich: „Die Endurance ist gefunden“, schickte das Forschungsteam am Mittwoch über Twitter in die Welt hinaus. Über 106 Jahre ist es her, dass das Schiff des Polarforschers Ernest Shackleton vom Eis der Antarktis zerquetscht wurde und sank. Wo genau, war bisher ein Rätsel. Das Expeditionsteam fand das Wrack in etwas über 3000 Meter Tiefe, rund vier Meilen von der Stelle entfernt, die der einstige Kapitän als Unglücksort festgehalten hatte.

Der britische Archäologe Mensun Bound, der die Suche leitete, sagte, das Filmmaterial zeige, dass das Schiff in äußerst gutem Zustand sei. „Wir sind überwältigt von unserem Glück, dass wir die Endurance gefunden und Bilder von ihr aufgenommen haben“, sagte er. „Das ist bei weitem das schönste Schiffswrack aus Holz, das ich je gesehen habe.“ Es stehe aufrecht auf dem Meeresboden, sei intakt und in „brillantem“ Zustand. Man könne sogar den Namen „Endurance“ sehen, der am Heck, direkt unter der Reling, stehe. „Dies ist ein Meilenstein in der Polargeschichte.“

Keine holzfressenden Mikroorganismen

Dan Snow, ein Historiker, der mit an Bord war, schrieb auf Twitter, dass das Wrack bereits am Samstag entdeckt worden sei, am 100. Jahrestag der Beerdigung Shackletons. Auch er schwärmte vom guten Zustand des Wracks: „Der antarktische Meeresboden hat keine holzfressenden Mikroorganismen, das Wasser hat die Klarheit von destilliertem Wasser.“ Das Team habe das Wrack in Super-High-Definition gefilmt, ohne etwas anzufassen oder an die Wasseroberfläche zu bringen. Stattdessen sei es mit modernsten Instrumenten vermessen und seine Position bestätigt worden. Eine erste Expedition, die das Wrack aufspüren wollte, scheiterte im Jahr 2019.

Die „Endurance“ sank im Jahr 2015 1915 im Weddellmeer, nachdem sie zehn Monate lang im Eis festgesteckt hatte. Shackleton selbst, ein Brite irischer Abstammung, ging ebenfalls in die Geschichtsbücher ein, wobei ihm der ultimative Erfolg verwehrt blieb: den Südpol zu erreichen. Er kam ihm 1909 zwar so nah wie sonst niemand zuvor, doch 180 Kilometer davor mussten er und seine drei Begleiter umkehren.

Die Besatzung rettete sich auf Eisschollen

Zwei Jahre später erreichte der norwegische Forscher Roald Amundsen den Südpol und machte seine Träume vollends zunichte. Auch Shackletons nächster Versuch, die Antarktis auf dem Landweg zu überqueren, war nicht von Erfolg gekrönt: Sein Schiff „Endurance“ wurde im Eis eingeschlossen und letztlich nach etwa zehn Monaten zerquetscht. Noch bevor es sank, konnte sich die Mannschaft auf Eisschollen retten. Im April 1916 machten sich die Männer in drei kleinen Booten auf zur Insel Elephant Island, von wo sie nach dem insgesamt zwei Jahren dauernden Martyrium gerettet wurden. Um zu überleben, ernährten sich die Männer von Pinguinen und verspeisten sogar die Hunde der Expedition. Letztendlich kehrten aber – wie durch ein Wunder – alle 28 Besatzungsmitglieder lebend zurück.

Die gesunkene „Endurance“ aufzuspüren, war keine einfache Aufgabe: Ein Großteil des Weddellmeeres kann mit bis zu drei Meter dickem Meereis bedeckt sein, das selbst für die stärksten Eisbrecher unpassierbar ist. Wie unberechenbar Meereis generell sein kann, wurde nicht zuletzt 2013/14 deutlich, als eine Expedition, die den Spuren des Polarforschers Sir Douglas Mawson folgte, steckenblieb und in einer großangelegten, globalen Aktion gerettet werden musste. Auch der Archäologe Mensun Bound erlebte am eigenen Leib, wie schnell das Eis Hoffnungen zerstören kann. Bei seinem ersten Versuch, die „Endurance“ zu finden, blieb ein autonomes Unterwasserfahrzeug stecken.

Organisiert wurde die nun erfolgreiche Expedition vom Falklands Maritime Heritage Trust, der 2019 bereits die erfolgreiche Suche nach dem Flaggschiff der 1914 in der Schlacht um die Falkland-Inseln versenkten deutschen Flotte, der SMS Scharnhorst, unternommen hatte.

Reling, Steuerrad und Achterdeck des Schiffwracks „Endurance“.
Reling, Steuerrad und Achterdeck des Schiffwracks »Endurance«.
Das südafrikanische Polarforschungs- und Logistikschiff S.A. Agulhas II auf der Expedition zur Suche nach dem Wrack der „Enduran
Das südafrikanische Polarforschungs- und Logistikschiff S.A. Agulhas II auf der Expedition zur Suche nach dem Wrack der »Endurance«.
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