USA RHEINPFALZ Plus Artikel Rückkehr des Monsters: Der Parasit, den Amerika besiegt glaubte

Rinder auf einer texanischen Ranch.
Rinder auf einer texanischen Ranch.

Jahrzehntelang galt die Neuwelt-Schraubenwurmfliege als ausgerottet. Nun wurde der Parasit erstmals seit den 60er Jahren wieder nachgewiesen.

Die Angst kommt auf leisen Flügeln. Jahrzehntelang galt die Neuwelt-Schraubenwurmfliege in den USA als besiegt. Nun ist der Parasit zurück. Seine Larven fressen sich durch lebendes Gewebe von Rindern, Pferden und anderen Warmblütern. Für die amerikanische Viehwirtschaft ist das weit mehr als eine kuriose Nachricht aus der Welt der Insekten. Es ist die Rückkehr eines Gegners, den viele nur noch aus Geschichtsbüchern kannten.

„Wir können es uns nicht leisten, dass dieses Problem unsere Rindfleischindustrie so trifft wie Mexiko“, sagte der texanische Rancher Benton England dem US-Landwirtschaftsdienst DTN/Progressive Farmer. Seine Sorge teilen viele Viehzüchter im Süden der Vereinigten Staaten.

Anfang Juni bestätigte das US-Landwirtschaftsministerium erstmals seit rund sechs Jahrzehnten wieder einen Befall auf US-Gebiet. Betroffen war ein wenige Wochen altes Kalb im Süden von Texas. Inzwischen wurden weitere Fälle in Texas und New Mexico registriert. Die Anzahl mag gering erscheinen. Für viele Rancher ist sie dennoch ein Alarmsignal. Denn die Schraubenwurmfliege galt lange als besiegt.

Eier in offenen Wunden

Gefährlich ist nicht die Fliege selbst, sondern ihre Brut. Die Weibchen legen ihre Eier in offene Wunden oder natürliche Körperöffnungen von Warmblütern. Nach dem Schlüpfen bohren sich die Larven in lebendes Gewebe und ernähren sich davon. Unbehandelt können die Verletzungen schwerwiegende Folgen haben und im Extremfall zum Tod des Tieres führen. Betroffen sind vor allem Rinder, Pferde und andere Nutztiere. In seltenen Fällen können auch Menschen befallen werden.

Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte die Schraubenwurmfliege zu den gefürchtetsten Schädlingen Nordamerikas. Millionen Nutztiere wurden befallen. Die wirtschaftlichen Schäden gingen in die Milliarden. Umso bemerkenswerter war die Erfolgsgeschichte ihrer Bekämpfung. Wissenschaftler setzten damals auf eine ebenso einfache wie geniale Methode. Sie züchteten Millionen steriler Fliegen und setzten sie aus. Da sich die Weibchen nur einmal paaren, brach die Population nach und nach zusammen. Der Parasit verschwand aus den Vereinigten Staaten.

Nun müssen die Behörden erneut zu dieser ungewöhnlichen Waffe greifen. Wieder sollen Millionen steriler Fliegen freigesetzt werden. Gleichzeitig werden Viehtransporte kontrolliert, Tiere untersucht und Überwachungsprogramme ausgeweitet. Ziel ist es, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die eigentliche Sorge reicht jedoch weit über die Veterinärmedizin hinaus. Die US-Rinderwirtschaft steht bereits unter Druck. Nach Jahren von Dürren und steigenden Kosten sind die Bestände so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Fleischpreise befinden sich auf hohem Niveau; jeder zusätzliche Verlust trifft die Branche hart.

Kritik an Behörden

Hinzu kommen die Folgen für den Handel. Die USA hatten bereits den Import vieler Rinder aus Mexiko eingeschränkt, um die Ausbreitung des Parasiten zu verhindern. Mexiko reagierte mit eigenen Beschränkungen für lebende Tiere aus den Vereinigten Staaten. Auch Kanada verhängte vorsorgliche einen Importstopp für Vieh aus Texas. Aus einer Tierseuche ist damit in weniger Tage ein internationales Handelsthema geworden.

Experten warnen, dass ein größerer Ausbruch Schäden in Milliardenhöhe verursachen könnte. Entsprechend scharf wird inzwischen auch politisch diskutiert. Einige Rancher werfen den Behörden vor, die Gefahr unterschätzt zu haben. Andere verweisen darauf, dass die USA den Parasiten schon einmal erfolgreich bekämpft haben.

Ob sich die Schraubenwurmfliege dauerhaft wieder in den USA festsetzen kann, ist offen. Sicher ist bislang nur eines: Ein Problem, das viele Amerikaner längst für erledigt hielten, ist plötzlich zurück.

Neuwelt-Schraubenwurmfliege …
Neuwelt-Schraubenwurmfliege …
…und ihre Larve.
…und ihre Larve.
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