Schweiz RHEINPFALZ Plus Artikel Brandkatastrophe von Crans-Montana: Ermittlerin unter Druck

Beatrice Pilloud ist seit zwei Jahren Generalstaatsanwältin.
Beatrice Pilloud ist seit zwei Jahren Generalstaatsanwältin.

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana wächst die Kritik an Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud. Das Unglück in einer Bar forderte 40 Todesopfer.

Lange war Beatrice Pilloud fast nur den Menschen im rauen Schweizer Bergkanton Wallis ein Begriff. Die Juristin hatte am 1. Januar 2024 die Position der Walliser Generalstaatsanwältin übernommen und ermittelte in den engen Tälern des Kantons gegen mutmaßliche Straftäter.

Genau zwei Jahre nach ihrem Amtsantritt, am 1. Januar 2026, brach aber eine Tragödie über die Alpenregion herein, die Pilloud auf einen Schlag auch über die Grenzen Helvetiens bekannt gemacht hat: Die Brandkatastrophe von Crans-Montana, die 40 Menschen in den Tod riss und 116 Opfer teilweise schwer verletzt zurückließ. Etliche Minderjährige verloren bei dem Inferno in der Bar „Le Constellation“ Leben und Gesundheit. „Das ist für alle Walliser ein sehr dramatischer Fall“, sagt Pilloud. Und es ist ein Fall, der die Generalstaatsanwältin immer mehr unter Druck setzt. Eine Anfrage der RHEINPFALZ bei der Staatsanwaltschaft über das Vorgehen der Ermittler und ihrer Chefin blieb zunächst unbeantwortet.

Seit jenem verhängnisvollen Neujahrstag laufen bei der Generalstaatsanwältin die Fäden zusammen: Sie soll leiten, koordinieren, informieren. Das Feuer in dem mondänen Skiort gilt als eines der schlimmsten Unglücke in der Eidgenossenschaft überhaupt. Und es ist die größte und komplexeste Strafuntersuchung, mit der sich die Walliser Generalstaatsanwaltschaft seit Menschengedenken beschäftigen muss. Pilloud machte schon kurz nach dem Desaster klar, dass in der Bar und im Vorfeld „offenbar“ etwas nicht funktioniert habe. „Man kann nicht so viele Tote und Verletzte haben und sagen, alles habe funktioniert.“

Inzwischen melden sich vermehrt kritische Stimmen, die das Vorgehen der Pilloud-Behörde hinterfragen. Schweizer Medien von der „Neuen Zürcher Zeitung“ bis zum „Blick“ berichten über die Walliser Ermittler immer skeptischer. Der „Blick“ brachte einen Text, der Pilloud überhaupt nicht gefallen haben dürfte. Überschrift: „Die vielen Ungeschicklichkeiten von Staatsanwältin Beatrice Pilloud.“

Barbetreiber blieb lange auf freiem Fuß

So habe Pilloud die operative Führung der Untersuchung früh an Mitarbeiter abgegeben. Die Rede ist auch von Kommunikationspannen, so hätten Opferanwälte zentrale Informationen nicht erhalten. Zudem habe die Staatsanwaltschaft nach dem Unglück keine Hausdurchsuchung bei der Gemeinde Crans-Montana eingeleitet. Der Bürgermeister von Crans-Montana musste immerhin zugeben, dass die Gemeinde in der Unglücksbar von 2020 bis 2025 den Brandschutz nicht überprüft hatte. Ob das nur aus Schlampigkeit geschah, ist weiter offen.

Und: Trotz 156 Opfern blieb der Betreiber des Todeslokals, der Franzose Jacques Moretti, ziemlich lange auf freiem Fuß. Zwar hatte die Staatsanwaltschaft kurz nach dem Brand gegen Jacques und seine Frau Jessica Moretti eine Strafuntersuchung eingeleitet. Die Vorwürfe: fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst. Die Behörden nahmen den Bar-Chef aber erst neun Tage nach dem Inferno in Untersuchungshaft.

Zudem berichten Medien aus der Schweiz und Frankreich, dass Moretti bereits in seinem Heimatland in Konflikt mit dem Gesetz gekommen sei: „Insidern zufolge war Jacques M. der französischen Justiz wegen Zuhälterei bekannt“, heißt es bei Bluewin.ch. „Er war demnach 2005 im Département Savoie südlich von Genf inhaftiert und 2008 zu einer Haftstrafe verurteilt worden.“

Nun fragen sich nicht wenige Menschen im Wallis: Wie viele Fehltritte kann sich Generalstaatsanwältin Pilloud noch erlauben? Und: Wäre es nicht besser, die Strafuntersuchung in andere Hände zu legen? Kurz nach der Katastrophe überwog bei Überlebenden und in der Öffentlichkeit noch Wohlwollen gegenüber Pilloud. Der öffentlich-rechtliche Sender SRF attestierte der 50-jährigen, dass ihr die Brandkatastrophe sehr nahe gehe. Sie sprach tatsächlich oft von den betroffenen Familien und hoffte, „den Eltern, die Kinder verloren haben, sowie den weiteren Angehörigen erklären zu können, was genau passiert ist“.

Andererseits will die Juristin ihre Gefühle nicht zu oft zeigen. Job ist Job. Pilloud erklärt ihre nüchterne Art mit dem Einfluss ihrer Eltern, die aus dem deutschsprachigen Oberwallis stammen. Die junge Pilloud selbst wuchs in einem französischsprachigen Umfeld auf. Der Sender SRF zitiert die Strafrechtsexpertin wie folgt: „Ich bin vielleicht etwas viereckig und stur, und das ist vielleicht ein bisschen mehr mein Oberwalliser Charakter.“

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