Zweibrücken Von Riga nach Rimschweiler: Helena Grigorjeva feiert ihren 100. Geburtstag

Helena Grigorjeva aus Rimschweiler wurde am 1. Juni 100 Jahre alt.
Helena Grigorjeva aus Rimschweiler wurde am 1. Juni 100 Jahre alt.

Bücher nennt Helena Grigorjeva ihr Lebenselixier. Die Hundertjährige aus Rimschweiler bleibt neugierig und plant sogar eine weite Reise.

Im August will die Hundertjährige mit ihrer Familie in die Heimat, nach Riga, fliegen. Seit sie in Zweibrücken wohnt, hat sie schon mehrfach ihre Familie dort besucht. Warum nicht auch mit 100 Jahren, habe sie sich gedacht. Ein Flugticket zu buchen sei aber gar nicht so einfach gewesen, lacht sie. Ein Alter über 99 habe das System einfach nicht gekannt.

Am 1. Juni 1926 erblickte Helena Grigorjeva in Riga in Lettland das Licht der Welt. Vor neun Jahren, mit 91, ist sie von Riga zu ihrem jüngeren Sohn und ihrer Schwiegertochter, die seit rund zehn Jahren in Zweibrücken leben, nach Rimschweiler gezogen. Der ältere Sohn lebt mit seiner Familie in Lettland. Die Jubilarin hat sechs Enkel, acht Urenkel und einen Ururenkel.

An allem interessiert zu bleiben und immer wieder Neues lernen zu wollen, das ist Helena Grigorjevas Geheimrezept für ein langes Leben. Sie ist viel gereist, hat viel fotografiert und fährt heute immer noch gerne mit, wenn die Familie einen Ausflug macht. Ihre größte Leidenschaft aber ist die Literatur, sie nennt es ihr Lebenselixier. Das schönste Geschenk, das man ihr machen könne, sei ein Buch.

Kein Wiedersehen mit dem Vater des Erstgeborenen

Helena Grigorjeva strahlt Lebensfreude aus. Dabei war ihr Leben alles andere als leicht: Sie wuchs mit ihren Eltern und der jüngeren Schwester im russischsprachigen Viertel von Riga auf, lernte im Kindergarten Lettisch und in der Schule Deutsch. In Riga legte sie ihr Abitur ab und studierte anschließend Geschichte. Zu dieser Zeit hatte die Rote Armee Riga von den Deutschen zurückerobert; deutsche Kriegsgefangene kamen in sowjetische Lager in der Stadt.

So kam sie 1946 in Kontakt mit einem deutschen Kriegsgefangenen. Die beiden verliebten sich und waren drei Jahre ein Paar; sie bekam einen Sohn von ihm. Er aber musste vor der Geburt des Kindes nach Deutschland zurück; zu einem Wiedersehen sollte es nicht kommen.

100-Seiten-Buch über das eigene Leben

Jahre danach – sie arbeitete als Buchhalterin und studierte Wirtschaftswissenschaften – lernte sie einen Mann kennen, der Bücher genauso liebte wie sie. Ein unpolitischer Mensch, der wegen seiner Mitgliedschaft bei den Pfadfindern im Exil in Sibirien leben musste; sie heirateten und sie folgte ihm nach Sibirien. Dort wurde der zweite Sohn geboren. In den 70er-Jahren kehrte das Paar nach Riga zurück; ihr Mann starb 1986.

Helena Grigorjevas langes Leben passt kaum zwischen zwei Buchdeckel, und doch hat sie vor fünf Jahren ihre Geschichte in russischer Sprache aufgeschrieben. „Der Fluss meines Lebens“ heißt das gut hundertseitige Werk. Sie habe das für Verwandte und Freunde getan, für die nächsten Generationen. Ihre Geschichte sollte nicht verloren gehen.

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