Wirtschaft Der Neue an der BASF-Spitze
Künftiger BASF-Chef Martin Brudermüller will für mehr Begeisterung und Anerkennung im Konzern sorgen.
Der am Freitag anstehende Wechsel an der BASF-Spitze von dem aus Rahden in Ostwestfalen stammenden Betriebswirt Kurt Bock zu dem in Stuttgart geborenen und in Karlsruhe aufgewachsenen Chemiker Martin Brudermüller bedeute auch, dass künftig der naturwissenschaftliche Fokus gestärkt werde, sagte der künftige Firmenchef.
"Mit Herz und Verstand"
Der bisherige Vizechef des Ludwigshafener Chemieriesen sagte in einem Pressegespräch, er wolle das Unternehmen „mit Herz und Verstand“ leiten. Und er wolle mehr Begeisterung bei den Mitarbeitern für ihre Arbeit wecken. Die Ansicht, alle großen Erfindungen wären schon gemacht, sei falsch. „In vielen Arbeitsgebieten geht auch noch etwas Größeres“, so Brudermüller. Er sei Naturwissenschaftler und Chemiker aus vollem Herzen. Die BASF beschäftigt weltweit 10.000 Forscher, knapp die Hälfte davon in Ludwigshafen, und gebe fast 2 Milliarden Euro im Jahr für Forschung und Entwicklung aus. Produkte, die nicht älter als fünf Jahre seien, steuerten 9 Milliarden zum Jahresumsatz von 64,5 Milliarden Euro bei.
Mehr Anerkennung, mehr Verantwortung
Dass er als Konzernchef weiterhin die Forschung leiten werde, sei eine klare Botschaft nach innen und außen, so Brudermüller. Er hob die Bedeutung des Ludwigshafener Stammwerks mit 35.000 Mitarbeitern hervor. Auch wenn in China immer stärker an der Bildung von Chemieclustern gearbeitet werde, sei Ludwigshafen immer noch der weltweit größte Chemieverbund in der Hand eines Konzerns. Brudermüller will dafür sorgen, dass es mehr Anerkennung für Mitarbeiter gibt, von denen er aber auch erwartet, dass sie mehr Verantwortung übernehmen. Im Stammwerk gab es immer wieder Phasen mit Unzufriedenheit von Mitarbeitern mit dem Führungsstil, und weil die besondere Rolle Ludwigshafens im Konzern im Vorstand zu wenig beachtet worden sei.
Kein Fachkräftmangel
Im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen hat die BASF offenbar keine Probleme, hoch qualifizierte Fachkräfte – etwa im Bereich IT – für sich zu gewinnen. Viele technikorientierte junge Leute sagten, die BASF sei „ein cooles Unternehmen“, so Brudermüller. Ende vergangenen Jahres habe die BASF unter dem Motto „Coding Chemistry“ 50 Studierende und Berufseinsteiger in den Musikpark im Mannheimer Szeneviertel Jungbusch zu einem sogenannten „BASF-Hackathon“ eingeladen. Hackathon ist eine Mischung der Begriffe „Hack“ Und „Marathon“. 24 Stunden am Stück hätten die jungen Leute begeistert an dem Programmierwettbewerb teilgenommen, sagte Brudermüller. Auch wegen des im Herbst des vergangenen Jahres in Ludwigshafen in Betrieb genommenen neuen Supercomputers sei die BASF in der IT-Szene gut angesehen. Im vergangenen Jahr seien 100 Experten eingestellt worden, die für die Digitalisierung arbeiten.