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Samstag, 24. März 2018 Drucken

Politik

Olafs Fischbrötchen

Schwarz-Rot-Bunt: Wie ein Linken-Politiker den Finanzminister veralberte

Von

Winfried

Folz

Aal-Michel gegen Käse-Tommi, Wurst-Heiner gegen Bananen-Fred – der Hamburger Fischmarkt ist nichts für sensible Ohren. Flotte Sprüche und Seemannsgarn sind das Metier der Marktschreier. Zurückhaltende Naturen haben unter den Schreihälsen keine Chance. Umso kurioser, dass im Bundestag ausgerechnet der vornehme Finanzminister Olaf Scholz als Fischhändler verspottet wurde.

Es war der Linken-Abgeordnete Fabio De Masi, der im Parlament ein Fischmarkt-Dramolett vortrug, um seine Kritik an den deutschen Exportüberschüssen zu illustrieren. De Masi, Diplom-Volkswirt und in Finanzfragen sehr beschlagen, hatte in der Vergangenheit schon öfter moniert, dass Deutschland dauerhaft „vom Konsum der Anderen“ lebe. Es könnten nun mal nicht alle gleichzeitig mehr exportieren – „außer auf den Mars“, lautet sein Credo. Außerdem kämen die Löhne wegen der Agenda 2010 „nicht hinreichend vom Fleck“.

Im Bundestag wandte sich der Hamburger De Masi an den anderen Hamburger und entwarf – den Finanzminister fest im Blick – folgendes Szenario: „Stellen Sie sich vor, Herr Scholz, Sie würden Fischbrötchen an der Elbe verkaufen – für einen anständigen Lohn. Und ich würde zum Mindestlohn von 8,84 Euro auf der Reeperbahn Astra zapfen. Mein Bier wäre spottbillig. Deswegen würden Sie immer bei mir tanken. Aber ich könnte mir Olafs Fischbrötchen nicht leisten – kein Umsatz für Sie. Irgendwann wären Sie pleite und müssten bei mir anschreiben. Hätte ich einen anständigen Lohn, könnte ich bei Ihnen Fischbrötchen kaufen, und Sie könnten bei mir trinken bis zum Umfallen. Davon hätten wir beide etwas.“

Das Protokoll vermeldet „Beifall bei den Linken“. Eine Reaktion von Scholz war nicht auszumachen. Doch De Masi war noch nicht fertig. Er legte nach und spielte auf den Politthriller „House of Cards“ an, als er auf den Investmentbanker und neuen Staatssekretär Jörg Kukies zu sprechen kam, der bislang bei der „Heuschrecke“ Goldman-Sachs gearbeitet hatte. De Masi: „Wie wäre es mit einer neuen Serie ,House of Banks’ aus dem Bundesfinanzministerium mit Staatssekretär Jörg Kukies in der Hauptrolle? Es wäre zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre.“

Scholz blickte stumm in die Runde, während SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles wütete: „Das ist unter Niveau!“ Das könnte eine richtig nette Wahlperiode werden.

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