Meinung
Zweibrücken soll seinen Soldaten Respekt zollen – wichtiges Zeichen oder übertrieben und unnötig?
Pro: Ein wichtiges Zeichen für Soldaten und Bürger
Von Cynthia Schröer
Der Vorschlag, dass die Stadt ihre Verbundenheit mit den Soldaten zeigen soll, indem sie gelbe Schleifen am Rathaus und an den Ortsschildern anbringt, ist eine gute Sache. Etwa 1200 Fallschirmjäger sind in Zweibrücken stationiert. Sie fahren mit Militärfahrzeugen durch die Straßen, laufen durch die Stadt, sie prägen das Stadtbild und sind ein bedeutsamer Teil der Stadtgesellschaft. Zweibrücken ist ganz klar – auch ohne symbolische Schleifen – eng mit den Fallschirmjägern in der Niederauerbach-Kaserne verbunden. Doch gerade jetzt brauchen die Soldaten – und die Bürger – diese Symbolik mehr denn je.
Denn gerade jetzt sind die Fallschirmjäger großer Kritik aus ganz Deutschland ausgesetzt. Mehr als 1200 Zweibrücker Soldaten werden von der Öffentlichkeit für die Fehler weniger Fallschirmjäger zur Verantwortung gezogen. Gegen 55 Soldaten wird wegen sexuellem Fehlverhaltens, Drogenkonsums und Rechtsextremismus ermittelt. Die übrigen haben sich nichts zuschulden kommen lassen, werden aber von vielen mit den „schwarzen Schafen“ im Regiment in einen Topf geworfen.
Vergehen, Vorwürfe, Ermittlungen. Das sind aktuell die Hauptthemen, die die Menschen bundesweit mit den Zweibrücker Fallschirmjägern in Verbindung bringen. Und zwar mit allen. Das ist einseitig und engstirnig. Trotz der jüngsten Skandale um die Fallschirmjäger würde die Stadt mit den gelben Schleifen sichtbar machen, dass sie zu „ihren“ Soldaten steht, sich zu einem wesentlichen ihrer Merkmale bekennen. Damit würde sie Stellung zu dem Geschehen beziehen und es für die Bürger einordnen. Den Kurs im Umgang mit den Soldaten vorzugeben, ist eine wichtige Aufgabe der Stadtpolitik. Das kann auch durch Symbole geschehen. Mit den gelben Schleifen würde die Stadt ein Zeichen setzen, dass die Akzeptanz der Soldaten und den Respekt ihnen gegenüber in der Stadt fördert. Das ist für Bürger und Bundeswehr förderlich, vor allem, weil beide in Zweibrücken untrennbar miteinander verbunden sind.
Contra: Das brauchen die Soldaten nicht
Von Thomas Büffel
Im Sommer 2025 entschied Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, zum Christopher Street Day nicht mehr die Regenbogenflagge über dem Bundestag zu hissen. Das Anliegen sei ehrenwert. Aber die CDU-Politikerin, die aus Rheinland-Pfalz kommt, fand: „Da müssen wir neutral sein, auch wenn das manchmal wehtut.“ Ihre Zweibrücker Parteikollegen wollen nicht neutral sein. Sie möchten, dass die Stadt am Rathaus und an den Ortseingängen gelbe Schleifen anbringt. Als „Symbol der Wertschätzung, Dankbarkeit und Solidarität“, um ihre Verbundenheit mit der Bundeswehr auszudrücken.
Es stimmt ja, was der Landtagsabgeordnete Christoph Gensch sagt: Zweibrücken ist seit Jahrzehnten eng mit der Bundeswehr verbunden, und die Soldaten sind Teil unserer Stadt. Er folgert daraus: „Respekt gehört sichtbar gemacht.“ Schön und gut, aber wo fängt das an, und wo hört es auf? Warum nur die gelbe Schleife, die auch noch für die Solidarität mit politischen Gefangenen und mit Krebspatienten steht? Warum nicht noch die rot-weiß-blaue Schleife für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst? Oder nur die rote für die Feuerwehr? Warum keine neue erfinden für Pflegekräfte, Lehrer, Erzieher? Oder um die jahrzehntelange Verbundenheit mit Zweibrücken deutlich zu machen: eine rosafarbene Schleife für die Rosenzüchter. Ach nein, rosa ist schon Brustkrebs. Braungescheckt wäre noch frei. Für die Pferdezüchter, die auch Teil unserer Stadt sind.
Es geht gar nicht darum, die Soldaten und deren Einsatz gering zu schätzen. Aber so zu tun, als bräuchten sie ein sichtbares Zeichen des Rückhalts in der Gesellschaft, ist arg übertrieben. Da gäbe es ganz andere, die nach dem Grundgesetz angeblich gleich sind, aber tagein, tagaus Anfeindungen ausgesetzt sind. Queere Menschen zum Beispiel. Genau! Die, für die die Bundestagspräsidentin nicht die Regenbogenflagge hissen wollte.
Ist ja in Ordnung, dass die CDU sich kurz vor den Wahlen schnell noch als großer Freund der Streitkräfte präsentieren möchte. Aber deshalb braucht man nicht gleich die ganze Stadt in Sippenhaft zu nehmen. Oder um es mit den Worten von Julia Klöckner zu sagen: Das Anliegen ist ehrenwert. Da müssen wir aber neutral sein, auch wenn das manchmal wehtut.
