Meinung
Wosnitzas Wiederwahl: Rückenwind, aber auch Rückendeckung
Er hat’s tatsächlich geschafft! Und das mit einem deutlichen Ergebnis! Die Zweibrücker haben Marold Wosnitza als ihren OB wiedergewählt. Zu einer Zeit, in der die SPD mit hohen Verlusten kämpft. In einer Stadt, in der die Stimmung schlecht ist, weil die Innenstadt auszubluten droht und die Menschen das Gefühl haben, es gehe nicht so recht voran. Wosnitza hat sich gegen die CDU-Kandidatin Christina Rauch durchgesetzt, deren Partei den Stadtrat dominiert und die Landtagswahl gewonnen hat. Er hat im ersten Wahlgang doppelt so viele Stimmen geholt wie der AfD-Kandidat, obwohl die AfD bei den Bundestagswahlen gut zwölf Monate zuvor in Zweibrücken stärkste Partei wurde – und das mit einer Kandidatin, die in der Nähe von Bad Dürkheim wohnt.
OB Wosnitza kann das Wahlergebnis als Bestätigung seiner bisherigen acht Jahre sehen. Und als persönlichen Erfolg. So sehr die Zweibrücker auch meckern, offenbar ist doch nicht alles so schlecht, wie es oft klingt. Der OB sollte seine Wiederwahl aber auch als Ansporn sehen: Das Wahlergebnis gibt ihm nicht nur Rückenwind, sondern auch Rückendeckung. Wosnitza ist 60 Jahre alt. Er ist bis Dezember 2034 gewählt und geht danach in Ruhestand. Er kann jetzt mutig Ideen angehen, die er sich in seiner ersten Amtszeit vielleicht nicht zerreden lassen wollte. Darunter vielleicht auch Dinge, für die er gerne in Erinnerung bleiben möchte. Sein Vermächtnis sozusagen.
Seit langer Zeit der erste OB mit einer zweiten Amtszeit
Die Wiederwahl Wosnitzas bedeutet auch: Macht er seine 16 Jahre voll, kann er die Stadt so lange prägen wie kein Oberbürgermeister seit Friedrich Roesinger, der von 1905 bis 1932 im Amt war. Er ist zudem der erste OB seit Werner von Blon, der für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde – von Blon 1989 noch vom Stadtrat. Hans Otto Streuber war sechs Jahre im Amt, bevor er Präsident des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz wurde. Dessen Nachfolger Jürgen Lambert hatte nach fünf Jahren die Altersgrenze erreicht. Helmut Reichling wurde nach seiner ersten Amtszeit von acht Jahren nicht wiedergewählt. Sein Nachfolger Kurt Pirmann starb 2018 nach sechs Jahren als Oberbürgermeister.
Man muss sich auch die Reihe dieser klingenden Namen vor Augen halten, um zu erkennen, was Wosnitza mit dieser Wiederwahl geschafft hat. Nicht schlecht für einen, von dem es vor dessen erster Wahl 2018 noch hieß: „Marold wer?!“
