Meinung
Wenn Pessimismus gefährlich wird
Zahlreiche Geschäfte stehen leer und sind vernagelt. Banken und Kaufhäuser wurden durch Vape-Shops, Friseure und Wettbüros ersetzt. Lokale Dienstleistungen werden gekürzt, und der öffentliche Frust wächst. Für viele spiegelt dieser Verfall das Land insgesamt wider. Zweibrücken ist den Bach runtergegangen, seine besten Tage gehören der Vergangenheit an.
Kommt Ihnen das bekannt vor? Sehen Sie das auch so? Überraschung! Diese Zeilen sind leicht abgewandelt, aber das Original beschreibt gar nicht Zweibrücken, sondern Großbritannien. Die Tageszeitung „The Guardian“ befasste sich Ende Januar mit dem Niedergang der dortigen Innenstädte. Das Interessante: Für die Wirtschaft spielen die Innenstädte gar keine so große Rolle. Vielen Menschen geht es nach wie vor gut. Und die Kunden tragen eine Mitschuld am Verschwinden der kleinen Läden vor Ort – etwa durch die deutlich gestiegene Anzahl an Online-Bestellungen. Dennoch stellt sich mit jedem Leerstand das Gefühl ein, als würde alles immer schlimmer. „Es zerfrisst dir die Seele, das mitanzusehen“, beschreibt einer seine Stimmung. „Das passiert im Vereinigten Königreich; in Europa, in Deutschland, überall“, schreibt der „Guardian“ und ergänzt: „Ganz besonders in mittelgroßen Städten.“
Zweibrücken ist kein Einzelfall
Womit wir bei Zweibrücken wären. Es tut tatsächlich weh mitanzusehen, wie schwer es die Innenstadt derzeit hat. Doch dass die Stimmung bei uns so schlecht ist wie seit 20 Jahren nicht mehr, lässt sich nicht alleine mit der Entwicklung der Stadt erklären. Das obige Beispiel zeigt: Zweibrücken ist beileibe kein Einzelfall. Einiges, was die Zweibrücker an ihrer Stadt kritisieren – auch jenseits der Innenstadt –, ist auch übertrieben.
Dieser Pessimismus ist dennoch gefährlich – für die Stadt, aber auch für Oberbürgermeister Marold Wosnitza. „Der OB muss den Zweibrückern das Gefühl geben, dass er Dinge anpackt. Sie müssen auch den Glauben und die Zuversicht haben, dass er ihre Stadt voranbringt“, schrieb die RHEINPFALZ schon vor einem Jahr. Daran hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Die Stimmung in der Stadt und das Gefühl, ob es aufwärts oder abwärts geht, werden die OB-Wahl in viereinhalb Wochen maßgeblich prägen. Das zeigt unsere aktuelle Umfrage deutlich.
Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit
Spannend wird nun, welcher der vier OB-Kandidaten den Zweibrückern am meisten Zuversicht vermittelt. Wer ihnen am deutlichsten das Gefühl gibt, dass es mit ihm oder ihr an der Spitze aufwärts geht. Wobei nicht nur die Deutlichkeit eine Rolle spielen sollte, sondern auch die Aufrichtigkeit und die Glaubwürdigkeit. Das Beispiel Großbritannien zeigt: Je mehr Läden in einer Stadt leerstehen, desto mehr Menschen wählen Reform, die Partei des Rechtspopulisten Nigel Farage. Der hat den Briten schon den Brexit eingebrockt, der die wirtschaftliche Lage auf der Insel verschlechtert hat. Mit ein Grund, warum so viele Briten das Gefühl haben, dass ihr Land den Bach runtergeht.
