Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn die Sirene heult: Schlaumachen, was los ist

Nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal wollen viele Gemeinden ihre Sirenen aufrüsten.
Nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal wollen viele Gemeinden ihre Sirenen aufrüsten.

Die neuen Sirenen, die die Stadt für eine halbe Million Euro anschaffen möchte, sollen nicht vor bestimmten Katastrophen warnen, sondern die Leute darauf aufmerksam machen, dass etwas passiert ist.

Ob Zweibrücken die 22 Sirenen fürs gesamte Stadtgebiet und die Vororte kauft, das soll der Stadtrat am Donnerstag in einer Sondersitzung entscheiden. Vor zwei Wochen hatte er die Entscheidung noch vertagt, weil den Ratsmitgliedern zu viele Informationen fehlten. Die Stadt hatte damit gerechnet, dass sie die Hälfte des Geldes als Zuschuss bekommt. Doch nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal wollen so viele andere Gemeinden ihre Sirenen aufrüsten, dass nur noch 40.000 Euro für Zweibrücken übrig bleiben. Die Stadt möchte die Sirenen dennoch kaufen.

Wie Oberbürgermeister Marold Wosnitza am Mittwoch dem Hauptausschuss erklärte, sollen die Sirenen nicht mehr wie früher vor einem Luftangriff oder ABC-Alarm warnen, sondern der Bevölkerung allgemein signalisieren, dass etwas passiert ist oder dass Gefahr droht. Das können Großbrände sein, ein Unwetter, Hochwasser, eine Bombenentschärfung, Schadstoffaustritte oder andere akute Gefahren. Wer die Sirene hört, soll sich dann über Apps, das Internet, Radio, Fernsehen, die Presse oder Durchsagen informieren, was passiert ist und was zu tun ist.

Keine Sprachdurchsagen möglich

Die Stadt besitzt 18 Fahrzeuge, um in den Straßen Durchsagen zu machen. Sie möchte zudem noch mobile Geräte kaufen, mit denen man andere Fahrzeuge binnen Minuten aufrüsten kann. Sirenen, die auch Sprachdurchsagen abspielen können, sind nicht geplant. Dafür müsste das Netz dichter geknüpft werden, und es wären dreimal so viele Sirenen nötig. Laut Rudolf Hartmann vom Bauamt könne man damit auch keine Durchsagen von der Feuerwache aus machen, sondern nur vorgefertigte Durchsagen abspielen. Oberbürgermeister Wosnitza berichtete, dass er eine Präsentation gesehen habe, in der Drohnen eingesetzt werden, um Durchsagen zu machen – „aber momentan sind wir auf dem Boden geblieben“.

Falls die Stadt die neuen Sirenen kauft, will sie die Bevölkerung informieren, was es bedeutet, wenn der Warnton zu hören ist: über Flugblätter, im Offenen Kanal, in den Schulen, über Infostände, die sozialen Medien, die Presse und über Videos, vieles auch mehrsprachig.

Franzen erinnert an Atomkraftwerk

Eine Abstimmung gab es im Ausschuss nicht, aber es zeichnete sich ab, dass der Stadtrat dem Kauf der Sirenen positiv gegenüber steht, auch wenn es laut Feuerwehrchef Frank Theisinger „in den letzten Jahren glücklicherweise keine“ Katastrophen in Zweibrücken gegeben hat. Ingrid Kaiser (FDP) fand, dass sich Warn-Apps als Alternative nicht bewährt hätten: „Moderne Technik ist nicht immer das A und O.“ Rolf Franzen (CDU) erinnerte daran, dass 100 Kilometer entfernt das Kernkraftwerk Cattenom steht.

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