Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Was vier Zweibrückern durch die Mainzer Ampel blühen könnte

Konrad Wolf, 59
Konrad Wolf, 59

Hintergrund: In Mainz verhandeln SPD, Grüne und FDP hinter verschlossenen Türen. Ihr Ziel: eine Neuauflage der Ampelkoalition im Landtag. Falls sie zustande kommt, kann sich das auf den Lebenslauf von mindestens vier Zweibrückern auswirken: Konrad Wolf, Fred Konrad, Felix Schmidt und Rebecca Wendel.

Konrad Wolf (59) stammt aus der Oberpfalz, sein Zungenschlag verrät das bis heute. Im Jahr 2001 verschlug es den Physiker nach Zweibrücken, als Professor an die hiesige Hochschule. Und er schaffte, was bisher keinem Zweibrücker gelang: der Sprung in die Landesregierung. Im Jahr 2016 wurde Wolf Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur.

Sein Hauptprojekt: die Verschmelzung der Universitäten Kaiserslautern und Landau, die eine knappe Autostunde voneinander entfernt liegen. Wolf hat die Fusion zwar durchgesetzt, allerdings gegen großen Widerstand. Die Universitätsprofessoren und Studenten halten wenig bis nichts von der Verschmelzung. Mit dem Projekt hat sich Wolf nicht beliebt gemacht, aber sich einen Namen gemacht: Er gilt nunmehr als hartnäckig und durchsetzungsfähig.

Bleibt Wolf Minister? Das letzte Wort spricht hierzu Malu Dreyer. Die Ministerpräsidentin hat bisher öffentlich keine Tendenz erkennen lassen.

Für Wolf, gegen Wolf

Für Wolf spricht: Er hat bisher erst eine Wahlperiode regiert, er hat Energie und ist fürs Altenteil noch deutlich zu jung.

Gegen Wolf spricht: Der Oberbayer ist kein Genosse mit Stallgeruch. Er trat erst als Minister in die SPD ein, er hat weder ein Parteiamt inne noch war oder ist er irgendwo Abgeordneter in einem Parlament.

Mit anderen Worten: Konrad Wolf kann nicht erwarten, dass sich seine Partei wie wahnsinnig für ihn einsetzt. Er muss darauf setzen, dass Malu Dreyer ihn weiter am Kabinettstisch sitzen sehen will – vielleicht auch weil die Westpfalz andernfalls nicht an diesem Tisch vertreten wäre.

Wobei es wohl schon jemanden gäbe, der die Fahne der Westpfalz gerne übernehmen und hochhalten würde: der Grüne Fred Konrad (59) aus Käshofen im Zweibrücker Land. Der Kinderarzt mit Praxis in Kusel tummelt sich seit Jahrzehnten in der Kommunal- und Landespolitik. Er saß schon einmal im Landtag. Als er in den Bundestag hätte nachrücken können, lehnte er aus privaten Gründen ab.

Konrad verhandelt zurzeit die neue Ampelkoalition mit aus. Sein Steckenpferd ist die Gesundheitspolitik. Der Käshofer gilt innerhalb seiner Partei als harter und guter Verhandler: 2011 gelang es Konrad , die Inklusion von behinderten Schülern in Rheinland-Pfalz entscheidend voranzubringen. Spätestens seitdem gilt er als politisches Schwergewicht bei den Grünen, zumal er mit einer guten Rede einen Parteitag schon mal zum Kochen bringen kann. Konrad würde vermutlich nicht nein sagen, wenn ihm jemand das Amt des Gesundheitsministers antragen würde. Allerdings: Gerade weil er innerhalb seiner Grünen als ehrgeizig, unbeirrbar und zuweilen auch als Freigeist gilt, gönnen ihm nicht alle eine mächtige Position.

Spiegel müsste ihn wollen

Für Konrad als Minister oder Staatssekretär spricht seine Fachkunde als Arzt und seine westpfälzische Heimat, die in der Regierung bisher unterrepräsentiert war. Gegen Konrad spricht: Die Grünen-Spitze um Anne Spiegel und Bernhard Braun müsste ihn wollen.

Felix Schmidt (30) ist der andere Grüne, dessen noch kurze und bisher eher gemächliche politische Karriere durch eine neuerliche Ampelkoalition Fahrt aufnehmen könnte. Zehn Sitze haben die Grünen im künftigen Landtag von Rheinland-Pfalz gewonnen. Der Oberauerbacher Felix Schmidt kandidierte auf Platz 18 der Landesliste: Mandat also klar verpasst.

Nachrück-Domino

Allerdings: Bei den Grünen ist es üblich, dass Landtagsabgeordnete ihr Mandat abgeben, wenn sie Minister werden und damit in die Landesregierung rücken. Wer Staatssekretär wird, muss sein Mandat abgeben. Nehmen wir einmal an, dass es zur Ampelkoalition kommt und die Grünen drei Minister und drei Staatssekretäre benennen dürfen. Nehmen wir zusätzlich an, dass vier dieser sechs Personen aus den Reihen der neuen Landtagsfraktion kommen. Dann würden schon mal die Kandidaten auf den Plätzen elf bis 14 der Grünen-Landesliste ins Parlament nachrücken. Dann wäre Felix Schmidt nur noch vier Sitze vom Landtagsmandat entfernt ... Je mehr Minister und Staatssekretäre aus der Grünen-Fraktion kommen, desto näher kommt Schmidt dem Mandat, zumal es immer mal vorkommt, dass der eine oder andere im Lauf der Wahlperiode aufhört.

Und Rebecca Wendel (29)? Die Sozialdemokratin aus Niederauerbach, die jetzt am Gefängnis wohnt (nicht im!), hatte bei der Wahl am 14. März den Einzug in den Landtag über die Landesliste ihrer Partei knapp verpasst. Wendel stand auf Platz 35 der Landesliste, sie kam nicht rein. Platz 31 war der letzte Listenplatz, der für den Sprung in den Landtag reichte. Auf dem sprang Susanne Müller aus Remagen ins Parlament. Da die SPD-Kandidaten auf den Listenplätzen 32 und 34 ihren Wahlkreis direkt gewannen und somit schon im Parlament sind, ist Rebecca Wendel hinter Ruth Greb (Hunsrück, Listenplatz 33) auf Platz zwei der Nachrücker-Liste via Landesliste.

Nun wird die SPD in einer Ampelkoalition auch wieder Minister stellen. Kann Wendel für sie ins Parlament nachrücken? So einfach wie bei den Grünen ist es bei der SPD nicht. Denn erstens gaben SPD-Minister ihr Landtagsmandat in der Vergangenheit eher nicht ab, wenn sie Minister wurden. Roger Lewentz (Innenminister) behielt sein Mandat ebenso wie Sabine Bätzing-Lichtenthäler (Gesundheitsministerin). Zweitens gilt in Rheinland-Pfalz: Gibt ein gewählter Landtagsabgeordneter sein Mandat ab, dann rückt nur dann der nächste von der Liste der Partei nach, wenn die Partei keinen Ersatzbewerber (B-Kandidat) im Wahlkreis aufgestellt hat.

Wendel braucht viel Glück

Um beim Beispiel SPD zu bleiben: Malu Dreyer gab ihr Mandat 2016 ab, weil sie Ministerpräsidentin wurde; Heike Raab ebenso, weil sie Staatssekretärin beim Bund und für Europa wurde. Bei beiden rückte jeweils der B-Kandidat aus dem Wahlkreis nach: für Malu Dreyer der Trierer Sven Teuber und für Heike Raab (Cochem) Benedikt Oster. Dabei spielt es keine Rolle, ob die ausscheidende Abgeordnete ihr Mandat als Siegerin im Wahlkreis oder via Landesliste erhielt: Es rückt immer der B-Kandidat aus dem Wahlkreis nach. Nur wenn es keinen gibt oder der nicht will, dann kommt der nächste von der Liste.

Für Rebecca Wendel heißt das: Die Aussichten nachzurücken, sind sehr gering. Sie zieht nur dann in den Landtag ein, wenn in den nächsten fünf Jahren gleich zwei nachrückberechtigte B-Kandidaten der SPD aufs Nachrücken verzichten oder aus Rheinland-Pfalz wegziehen. Das kommt selten vor.

Fred Konrad, 59
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Felix Schmidt, 30
Felix Schmidt, 30
Rebecca Wendel, 29
Rebecca Wendel, 29
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