Zweibrücken
Was die Zweibrückerin bei der Konrad-Adenauer-Stiftung macht
„Ein Stipendium bei der Konrad-Adenauer-Stiftung? Da musst du CDU-Mitglied sein. Und das kriegst du nur mit Eins-komma-null-Abitur und wenn du Jura studierst.“ Tanja Buchholz widerspricht diesem Klischee und betont, wie bunt gemischt die Schar der jungen Leute sei, die ihr Studium von der Stiftung fördern lassen. Es stimmt schon: Die Organisation trägt den Namen des Altbundeskanzlers, und dem Wertekanon der CDU steht sie nah.
„Trotzdem“, betont Buchholz, „ist die Stiftung von der Partei unabhängig“. Finanziert werde sie nicht etwa aus der CDU-Kasse, sondern aus Bundesmitteln. Wie andere parteinahe Stiftungen auch. Etwa die Friedrich-Ebert-, die Friedrich-Naumann- oder die Heinrich-Böll-Stiftung, die der SPD, der FDP beziehungsweise den Grünen nahestehen. „Je nachdem, in welcher Stärke die Fraktionen im Bundestag vertreten sind, erhalten die jeweiligen Stiftungen ihre Zuwendungen“, erklärt Tanja Buchholz.
Abitur am Helmholtz-Gymnasium
Die gebürtige Contwigerin wohnt in Zweibrücken. Von hier aus pendelt sie regelmäßig nach Berlin, wo die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) sitzt. Dort ist die 49-Jährige in der Abteilung Begabtenförderung und Kultur für die Vergabe von studentischen Stipendien zuständig. Seit 2017 leitet sie das Referat für Südwestdeutschland. „Bewerben können sich Studierende aller Fachrichtungen“, räumt Buchholz mit dem Vorurteil auf, dass die KAS-Förderung vornehmlich etwas für Juristen sei. „Im Seminar hab’ ich zum Beispiel auch Theologen, Kunsthistoriker und Biomediziner vor mir sitzen. Neuerdings auch Leute, die Hebammenkunde studieren. Das ist ein bunter Mix. Und die sind auch nicht alle in der Jungen Union.“
Nach dem Abitur 1995 am Helmholtz-Gymnasium absolvierte Tanja Buchholz zunächst eine Ausbildung als Dekorateurin bei Möbel Martin in Zweibrücken. Von 1998 an studierte sie Medienwissenschaft, Kunstgeschichte und Germanistik zunächst in Trier und dann bis zur Promotion in Düsseldorf, wo sie nebenbei als freie Mitarbeiterin für die „Rheinische Post“ schrieb. „Über die Zeitung lernte ich in Düsseldorf den Bundestagskandidaten Ansgar Heveling von der CDU kennen. Der fragte mich, ob ich Lust hätte, ihn nach Berlin zu begleiten, wenn er gewählt wird. “
In Los Angeles, wo die Brände wüten
So kam es, dass sie ab 2009 Hevelings Berliner Bundestagsbüro mit aufbaute und leitete. Dem Abgeordneten arbeitete sie in Kultur- und Medienfragen zu. „In dieser Zeit habe ich mal die Villa Aurora in Los Angeles besucht. Das frühere Wohnhaus des Schriftstellers Lion Feuchtwanger steht im Stadtteil Pacific Palisades. Dort, wo jetzt die Brände wüten.“ Unter anderem betreute sie in Los Angeles Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung.„Auch in Berlin kam ich öfters mit der KAS in Berührung. Die machte mir eines Tages das Angebot, dort hauptamtlich einzusteigen.“
Gute Noten sind nicht alles
Wer sich für ein Stipendium bei der KAS interessiert, müsse „gute bis sehr gute Noten“ vorlegen. „Und wir schauen uns die Person an: Ist sie vielseitig interessiert? Engagiert sie sich ehrenamtlich? War sie nach dem Abi vielleicht mal im Ausland? Spricht sie Fremdsprachen?“
Aus Mitteln des Bundesbildungsministeriums erhalten die Studierenden über die KAS eine Förderung, die sich je nach Einkommen der Eltern zwischen 300 und 855 Euro im Monat bewegt. „Aber oft werden die Netzwerke, die unter den Stipendiaten geknüpft werden, als noch wertvoller angesehen als das Geld“, so Buchholz.
Aus der Antarktis zugeschaltet
Das Anliegen der Stiftung beschreibt die Zweibrückerin mit Demokratieförderung und dem Begeistern junger Leute für die Teilnahme an demokratischen Prozessen. Die Abteilung Begabtenförderung organisiert Seminare, an denen die Stipendiaten teilnehmen. „Die Themen erstrecken sich vom Aufbau unseres Staatswesens und der Sozialen Marktwirtschaft über die Beziehungen Deutschlands zu Frankreich und den USA bis hin zu aktuellen Wirtschaftsfragen, Rhetorik-Training und KI. Neulich war bei uns eine ehemalige Stipendiatin vom Forschungsschiff ,Polarstern’ aus der Antarktis zugeschaltet. Sie hielt einen Vortrag über Meeresbiologie.“
Solche Veranstaltungen finden in Tagungshäusern statt, die die Stiftung unter anderem im Raum Bonn und in Konrad Adenauers Wohnort Rhöndorf unterhält, aber auch in Adenauers einstiger Urlaubs-Sommerfrische am Comer See in Italien.
Alle drei Monate kommen etwa 30 Neue
Die Webseite kas.de informiert über die Voraussetzungen für ein Stipendium und welche Unterlagen bei der Bewerbung eingereicht werden müssen. Aktuell, sagt Buchholz, betreut die KAS gut 3500 Stipendiaten im In- und Ausland. Allein in der südwestdeutschen Region, für die die Zweibrückerin zuständig ist, würden alle drei Monate knapp 30 Neuzugänge aufgenommen.