Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Fledermäuse Windräder verhindern können

Lebt auf der Weißen Trisch: die Bechsteinfledermaus.
Lebt auf der Weißen Trisch: die Bechsteinfledermaus.

Der Artenschutz hat schon manches Bauprojekt ins Wanken gebracht – und das ist auch gut so, gerade, wenn’s um Windräder geht.

Das Land Rheinland-Pfalz will den Windkraftausbau vorantreiben. Dazu soll unter anderem 1,4 Prozent der Landesfläche bis 2027 für Windräder ausgewiesen sein, um wiederum das übergeordnete Klimaziel von 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien deutschlandweit zu schaffen. Der Ausbau läuft schleppend, vor allem in der Pfalz, wo es viel Wald gibt, der für Windräder schlicht nicht geeignet ist. Die Voraussetzungen für den Bau von Windkraftanlagen sind eben nicht überall gleich. Nun liegt Zweibrücken zwar nicht mitten im Pfälzerwald, aber auch hier gibt es Gründe zu sagen: „Bei uns wären Windräder eher ungünstig.“

Der Zeitpunkt, um Windräder rundheraus abzulehnen, ist aber längst vorbei. Es gibt Vorgaben von Bund und Land, und die sind zu erfüllen, ob man das nun gut findet oder nicht. Deshalb ist es positiv, dass der Stadtrat sich jetzt entschlossen hat, dem Land drei Flächen anzubieten, gegen die zumindest aus Gründen der Bauplanung nichts spricht. Damit hat die Stadt erst mal ihre Schuldigkeit getan. Ob sich dann tatsächlich Betreiber von Windkraftanlagen finden, die hier investieren wollen, ist ungewiss. Und wenn das ein Unternehmen tun will, kann es auch nicht einfach anfangen, seine Windräder auf den ausgewiesenen Flächen zu bauen.

Neben der korrekten Bauplanung gibt es nämlich noch viele weitere Kriterien zu beachten. Und da mag man sich über Argumente wie „Da wohnt die Bechsteinfledermaus“ lustig machen. Tatsache ist: Das Vorkommen solcher und anderer Tiere hat schon manches Bauvorhaben verhindert, hinausgezögert oder sehr viel teurer gemacht. Erinnert sei hier etwa an ein Vogelpärchen – Flussregenpfeifer, um genau zu sein – für das für 70.000 Euro ein neues Zuhause geschaffen werden musste, bevor die Amazon-Halle am Steitzhof gebaut werden konnte. Das Beispiel zeigt, dass Artenschutz nicht mehr als Gedöns am Rande abgetan wird, sondern eine gewichtige Rolle spielt. Und da es bei der Windkraft ja letztlich auch um eine intakte Flora und Fauna geht, muss dieser Aspekt selbstverständlich berücksichtigt werden.

In der Pfalz insgesamt und so auch in Zweibrücken ist es aber offenbar auch so, dass Windräder auf wenig Akzeptanz und schon gar nicht auf Begeisterung stoßen. Letzteres muss auch nicht sein. Was aber auch nicht sein muss: Dass Gegner sich hinter dem Umwelt- und Naturschutz verstecken, obwohl sie eigentlich schlichtweg keine Lust auf Windräder vor der eigenen Haustür haben. Weil die nicht schön aussehen, und man nicht jeden Tag auf sie gucken möchte. Es ist dasselbe Prinzip wie bei Leuten, die bereits in reizvoller Landschaft sesshaft sind, aber nicht wollen, dass noch weitere dorthin bauen, weil ja dann die Aussicht nicht mehr so schön ist. Auch sie führen gerne mal Naturschutzgründe an, obwohl etwas anderes dahinter steckt.

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