Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Kosten von 70.000 Euro, weil Amazon ein Vogelpärchen vertreibt

Der Flussregenpfeifer mag grobkörnige Oberflächen, auf denen wenig wächst und die kleine Mulden mit Wasser bieten.
Der Flussregenpfeifer mag grobkörnige Oberflächen, auf denen wenig wächst und die kleine Mulden mit Wasser bieten.

Östlich des Zweibrücker Flugplatzes kann eine große Logistikhalle für den Internetgiganten Amazon entstehen. Dafür muss bei Mauschbach ein neuer Lebensraum für ein Vogelpärchen geschaffen werden. Das kostet 70.000 Euro.

Nachdem in den vergangenen Wochen im Stadtrat, im Kreistag und im Verbandsgemeinderat länger diskutiert wurde, ging es am Dienstagabend recht schnell: Der Zweckverband Entwicklungsgebiet Flugplatz (ZEF) stimmte zu, dass im Industriegebiet Steitzhof eine große Logistikhalle gebaut werden kann. Damit ist der Weg für dieses Projekt frei. Die US-amerikanische Firma Scannell Properties entwickelt das Gebiet und baut die Halle, die dann Amazon nutzen soll.

Laut Kaufvertrag ist die Fläche über 200.000 Quadratmeter groß. Scannell zahlt 14 Euro pro Quadratmeter – 15,40 Euro für ein 5000 Quadratmeter großes Teilstück –, insgesamt knapp drei Millionen Euro. Scannell bezahlt außerdem die Straßen innerhalb des Industriegebiets, eine Million Euro für die Sanierung der Kreisstraße entlang des Gebiets, außerdem die Untersuchungen auf Munitionsreste und Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg samt Folgekosten und die Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz.

Fläche am Ende der Landebahn

Nicht zum Naturschutz, sondern zum Artenschutz zählen Ausgleichsmaßnahmen für ein nicht mehr allzu häufig vorkommendes Vogelpaar: den Flussregenpfeifer. 70.000 Euro muss der ZEF dafür bezahlen, dass am Ende der Landebahn Richtung Mauschbach eine Fläche von 5000 Quadratmetern hergerichtet wird, auf der der Vogel brüten soll. Laut den Unterlagen zum Bebauungsplan ist es sehr wahrscheinlich, dass der Flussregenpfeifer den neuen Lebensraum annimmt.

Ob er tatsächlich kommt, ist aber unklar: „Er war ja über Winter nicht in Deutschland“, erläuterte Verwaltungsleiterin Nadine Walter auf die Frage von Althornbachs Bürgermeister Bernd Kipp, wie die Chancen stehen. Zweibrückens Oberbürgermeister meinte augenzwinkernd, dass er hoffe, dass der Vogel nicht über Winter gestorben ist, und ergänzte: „Das ist schon eine Investition für einen Vogel. Für ein Vogelpaar, Verzeihung.“ Aber die Hoffnung sei ja, dass sich noch weitere Flussregenpfeifer hier ansiedeln.

Schaden an Feldwegen

Damit das klappen kann, hat die Zweibrücker Gartenbaufirma Michael Meier begonnen, südlich der Landebahn Wiese abzutragen, Vlies zu verlegen und Schotter und Kies aufzubringen. Denn der Flussregenpfeifer mag grobkörnige Oberflächen, auf denen wenig wächst und die kleine Mulden mit Wasser bieten. Weil man ihm am Steitzhof ein Brutgebiet wegnimmt, entsteht diese Ausgleichsfläche. 1000 Quadratmeter sollte sie zunächst haben, nach einem Ortstermin mit ZEF, Nabu und den Naturschützern bei der Kreisverwaltung wird sie fünfmal so groß. Knapp 60.000 Euro kosten die Arbeiten. Wie Mauschbachs Bürgermeister Bernhard Krippleben in der Sitzung jedoch anmerkte, haben die Kieslaster Feldwege beschädigt. Den Schaden schätzt er auf 10.000 bis 15.000 Euro. Diese Kosten müsste dann auch der ZEF tragen. Eine Folge: Die Laster nehmen jetzt einen anderen Weg.

Damit der Vogel nicht bei der Brut und der Aufzucht der Jungen gestört wird, darf man die Fläche erst ab 1. September mähen. Kripplebens Befürchtung, dass dies die Mauschbacher Landwirte einschränken könnte, teilte Landrätin Susanne Ganster nicht. Sie, Wosnitza und Steffen Kolter vom Planungsbüro Firu warnten auch eindringlich davor, den über Monate erstellten Bebauungsplan jetzt noch einmal zu ändern, um ein Datum festzulegen, wann Landwirte ihre Wiesen und Felder in der Nähe mähen dürfen. „Wenn das jetzt der Antrag wäre, können wir hier und heute aufhören“, warnte Ganster. Kripplebens Anliegen werde man mit der Naturschutzbehörde beim Kreis besprechen, versprach sie.

Zum Zweckverband Entwicklungsgebiet Flugplatz gehören die Stadt Zweibrücken und die Gemeinden Althornbach, Contwig und Mauschbach und damit auch die Verbandsgemeinde und der Kreis Südwestpfalz.

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