Zweibrücken
Ukrainische Kriegsopfer sollen hier ein Heim finden
Verwandte und Bekannte waren in den ersten Tagen die ersten Adressen für die vorerst Geretteten. 142 ukrainische Staatsbürger waren ohnehin schon Zweibrücker Bürger. Vergangene Woche kamen die ersten Frauen mit Kindern, auch Alleinstehende, an, denen es an familiärem Bezug fehlt. Für die Unterbringung der Erschöpften sorgt die Stadt.
Unter anderem in Apartments der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewobau. Formal wird die Stadt dort zum Mieter. Gerade bereitet man sich vor, bis zu 150 Menschen unterzubringen. Gewobau-Geschäftsführer Jörg Eschmann steht in einer 80-Quadratmeter-Wohnung in der Canadasiedlung: „Das kriegen wir hin.“ Zwei Wohnblocks aus den frühen 60er-Jahren in der Ontariostraße stehen so gut wie leer. Die Gewobau ist dabei, die 2010 erworbene ehemalige Militärsiedlung zu überplanen. Sich zu überlegen, welche Wohnformen die bereits entstandene neue Nutzung des Areals – etwa durch das Alterswohnen der Diakonie und Sparkasse, die Reihenhaus-Zeile von Novum, den Netto-Markt – ergänzen sollen. Zwei Wohnblocks mit je neun 80-Quadratmeter-Einheiten in der Ontariostraße sollen durch Neubauten ersetzt werden. Bis auf drei Wohnungen stehen sie seit 2021 leer, die alten Mieter sind ausgezogen. „Die Haustechnik funktioniert aber. Unsere Handwerker sind da durchgegangen. Wir können die Wohnungen ohne großen Aufwand schnell bereitstellen. Ein Glücksfall in dieser Situation“, sagt Jörg Eschmann. Manche Vormieter hatten hochwertiges Parkett verlegt, die Bäder aus den 70er-Jahren sind gepflegt. Die Haushaltsausstattung soll jetzt schnell mithilfe des Lagers der Stadt erfolgen. Einiges an Küchenzeilen und Großgeräten ist vorhanden. Zuständig für die Ausstattung ist das Sozialamt. Die Gewobau, so Eschmann, will neue Betten und Matratzen spenden, ebenso das Deutsche Rote Kreuz (DRK).
Rotes Kreuz: Helfer in jedem Haus
Letzteres betreibt seit 2020 in direkter Nachbarschaft einen Quartiertreff. „Vor allem den Kindern und Jugendlichen in den Breitwiesen und in der Canadasiedlung wollen wir ein Angebot machen. Corona hat uns beim Start aber ziemlich ausgebremst“, sieht DRK-Kreisgeschäftsführer Hans Prager das Projekt noch in den Anfängen stecken.
Mit Nina Lesser habe am 1. Januar aber eine Streetworkerin – Prager sagt „Gemeinwesenarbeiterin“ – ihre Arbeit im Quartiertreff aufgenommen. Mit den erwarteten neuen Nachbarn kommen nun weitere Aufgaben hinzu. Das DRK will mit seinen Kräften – ehrenamtlichen wie hauptamtlichen – den Kriegsvertriebenen sofort beistehen. „Wir stellen uns gerade so auf, dass wir in jedem der Wohnblocks direkt Ansprechpartner haben. Zunächst für medizinische Fragen, aber dann auch für Hilfen bei Behördengängen, Alltagsfragen.“ Das werde ein Kraftakt für das DRK, sei aber erforderlich. Dies sei nämlich eine Lehre aus der Flüchtlingswelle 2015. „Man darf die Menschen nicht alleine lassen. Dem DRK sind wir dafür sehr dankbar“, sagt Jörg Eschmann, der Geschäftsführer der Gewobau.
Schnell noch ein Spielplatz
Am Montag beschloss die Wohnungsbaugesellschaft, direkt unter den vorgesehenen Blocks einen Spielplatz anzulegen. Mit Kosten von mehreren 10.000 wird gerechnet. Keiner weiß in Zweibrücken, wie viele Menschen aus der Ukraine noch kommen werden und für wie lange. Bislang seien die Hälfte der nach Deutschland geflohenen Kriegsvertriebenen aber Kinder. Um für sie den Aufenthalt etwas erträglicher zu machen, soll der Spielplatz ein kleiner Beitrag sein.
