Zweibrücken
Trio Resonanzen: Ganz ohne Divengezicke
„Als Resonanzen sind wir mit diesem schönen Neujahrskonzert vor einem Jahr gestartet“, erinnert sich Hildegard Baum. „Viele haben daraufhin gesagt: 'Macht das doch noch einmal.' Und jede von uns hat das dann in ihrer Heimatregion angeboten.“
Denn die drei Sängerinnen leben in drei unterschiedlichen Gegenden von Rheinland-Pfalz. Hildegard Baum ist inzwischen eine feste Größe in der Zweibrücker Kultur geworden, Ulla Teuscher lebt in Niederolm bei Mainz und Beate Günther in Wachenheim an der Weinstraße.
Kennengelernt haben sich die drei Sopranistinnen am privaten Rabine-Institut in Wachenheim, wo sie funktionale Gesangspädagogik studieren. „Diese Methode beruht auf sensomotorischen körperlichen Grundsätzen, weil man seine Stimme als Organ genau wie bei einer Sportart trainieren kann. Wir orientieren uns also an den Stimmfunktionen und gerade nicht an einer bestimmten Klangästhetik“, beschreibt Hildegard Baum die Grundprinzipien. „Sänger wissen oft, wie sie klingen sollen, aber nicht, wie sie das umsetzen können. Dazu muss man seinen Körper und seine Stimme kennen.“
Die drei Pfälzer Mädels haben sich an dem Institut mit Studierenden aus ganz Deutschland und der Schweiz schnell zu einer Arbeitsgruppe zusammengefunden. Aus dieser Zusammenarbeit ist die Idee zu dem Ensemble entstanden.
Der schwingende Name
„Wir haben miteinander Übungen gesungen und gemerkt, da potenziert sich der Klang. Daher kommt auch der Name: Resonanzen bedeutet 'mitschwingen'. Die Stimmbänder schwingen, die darüber stehende Luftsäule schwingt. Und wenn das von dreien kommt, schaukelt sich dieser Klang hoch. Da haben wir uns gesagt: Warum sollen wir eigentlich nur Übungen singen? Lass' uns doch mal Lieder singen!“
Daraufhin stellte sich die Frage nach geeigneter Musikliteratur. „Es gibt nicht so viel an dreistimmigen Sätzen für Frauenstimmen.“ Doch davon ließen sich die drei Sopranistinnen nicht beirren. „Da haben wir etwas ausprobiert,“ schmunzelt Baum. „Wir wechseln die Stimmen permanent. Wir sind alle drei vom Stimmumfang her in der Lage, auch Mezzosopran und Alt zu singen.“
Divengezicke ist für die drei Sängerinnen kein Thema. „Jede lernt jede Stimme und dann entscheiden wir gemeinsam: Wer präsentiert was? Das klären wir ganz zwanglos. Wenn eine sagt, ich möchte das gerne singen, dann ist das d'accord. Da hat sich noch keine bemüßigt gefühlt, sich in den Vordergrund zu spielen. Es ist schon eine besondere Zusammenarbeit“, freut sich Hildegard Baum.
Lieder übers Essen und Trinken
Auch die Frage, wer die Lieder aussucht, ist für die drei Damen kein Problem. „Einmal bin ich diejenige, die ein großes Repertoire überblickt, weil ich schon lange mit Ensembles unterwegs bin, Ulla ist Musikschullehrerin und hat viel Erfahrung mit Chorarbeit, sie kann auch neue Arrangements für uns schreiben, zum Beispiel für drei statt für vier Stimmen.“
Neben dem Gestalten von Gottesdiensten interessiert sich das Ensemble Resonanzen auch für Themenabende.
„Im Augenblick recherchieren wir zum Thema Essen und Trinken“, erzählt Hildegard Baum. „Und als wir uns näher mit der Kulinarik in der Musikliteratur beschäftigt haben, haben wir festgestellt, dass die Feinschmecker in der Oper Männer sind. Frauen sind dazu da, zu lieben, zu leiden und zu sterben. Essen und vor allem Trinken ist Männersache.“
Dabei sind die drei Sopranistinnen auf eingängige Hits wie die Champagnerarie aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß, aber auch auf Literatur abseits des Mainstreams gestoßen: „Haben Sie gewusst, dass Leonard Bernstein Rezepte vertont hat?“
Stream
aus der Zweibrücker Heilig-Kreuz-Kirche