Zweibrücken
Streik bei Tadano ist zu Ende
Die Tadano-Mitarbeiter, die in der IG Metall organisiert sind, wurden am Dienstag zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen zur Urabstimmung in der Festhalle gebeten. Hatten sie am 4. September mit 92,95 Prozent die Aufnahme eines unbefristeten Streiks beschlossen, so stimmten sie nun mit 80 Prozent für dessen Beendigung. Damit haben sie mit klarer Mehrheit die Tarifeinigung akzeptiert, die der Betriebsrat und die Gewerkschaft am Sonntag mit der Geschäftsführung ausgehandelt haben. Am Mittwoch, 9 Uhr, zieht die Belegschaft in geschlossenen Pulks wieder zur Arbeit in die beiden Zweibrücker Werksstandorte Dinglerstraße und Wallerscheid ein.
Beobachter gehen davon aus, dass die meisten Mitarbeiter, die mit Nein gestimmt haben, ihre Arbeitsstätte auf dem Wallerscheid haben. Denn dass Tadano dieses Werk bis Sommer 2025 aufgeben wird, steht im Vertragstext unmissverständlich drin.
Verständnis für jede Nein-Stimme
Auf Anfrage erklärte Uwe Zabel, Verhandlungsführer der IG Metall, dass bei Urabstimmungen fürs Ausrufen eines Streiks mindestens 75 Prozent der Stimmen benötigt werden. Um einen Ausstand zu beenden, seien hingegen „25 Prozent plus eine Stimme“ erforderlich. Sprich, jetzt gibt es für eine Fortsetzung des Streiks keine 75-prozentige Mehrheit mehr.
„Die Zustimmungsrate beträgt aber sogar 80 Prozent, und das ist deutlich“, sagt Zabel und gesteht, dass er „für jede Nein-Stimme vollstes Verständnis“ habe. „Denn natürlich ist jedes Verhandlungsergebnis ein Kompromiss, bei dem beide Seiten empfindliche Abstriche machen müssen.“ Aber aus Sicht der Gewerkschaft und des Betriebsrats sei „jetzt der Punkt erreicht, an dem wir keine weiteren Zugeständnisse mehr hätten herausschlagen können. An dem eine Fortsetzung des Streiks kein besseres Ergebnis mehr gebracht hätte“.
Am Ende sind es 249 Mitarbeiter, die gehen müssen
So habe man sich etwa bei der Standortsicherung in der Mitte getroffen: Die IG Metall war mit der Forderung nach einer Bestandsgarantie bis 2032 angetreten, nun sei bis Ende 2028 der Job für alle sicher, die bei Tadano bleiben. Ganz ohne Personalabbau gehe es nicht, doch habe man ihn von anfangs 400 geplanten Kündigungen im Vertrag auf 260 drücken können. „Real haben wir sogar erreicht, dass diese Anzahl am Ende bei 249 bleibt“, ließ Zabel am Dienstag durchblicken.
Was in der Tarifeinigung drinsteht
Die Geschäftsführung der Tadano Demag GmbH (TDG) hat mit dem Verband der pfälzischen Metall- und Elektroindustrie (Pfalzmetall) sowie der Bezirksleitung Mitte der IG Metall einen „Zukunftssicherungs- und Beteiligungstarifvertrag Tadano Demag Zweibrücken“ abgeschlossen. Dieser gilt für alle Mitarbeiter und Azubis, die Mitglieder der IG Metall sind, sowie für alle Betriebe und Betriebsteile der TDG nach dem Stichtag 30. Juni 2025. Dann wird der Standort Wallerscheid kein Betriebsteil mehr sein.
Tadano Demag garantiert den Standort in Zweibrücken (Dinglerstraße, die Red.) bis Ende 2028 als Produktions-, Vertriebs- und Entwicklungsstandort. Ausdrücklich davon ausgenommen ist das Werk Wallerscheid.
Nachdem die laut Vertrag jetzt etwa 260 angekündigten Kündigungen bei Tadano vollzogen sind, dürfen im später verbleibenden Personal keine Mitglieder der IG Metall bis zum 31. Dezember 2028 ohne Zustimmung des Betriebsrats betriebsbedingt gekündigt werden. Solche Kündigungen dürfen erst wieder ab Juni 2028 ausgesprochen werden – mit Wirkung frühestens zum 31. Dezember 2028. Die Ausbildung von Azubis wird bis Ende 2028 garantiert. Pro Ausbildungsjahr werden Ausbildungsplätze im Umfang von mindestens zwei Prozent der jeweils aktuellen Belegschaftsgröße angeboten.
Die Garantien entfallen, wenn die TDG Zweibrücken im Jahr 2026 einen operativen Verlust von mehr als fünf Millionen Euro einfährt oder im Jahr 2027 ein operativer Verlust verbucht wird: Letzteres ist allerdings an bestimmte Bedingungen geknüpft, deren Erfüllung von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer bestätigt werden muss. Die Garantien entfallen außerdem, wenn bei der TDG der Quartalskrankenstand ab dem dritten Quartal 2025 über dem Vergleichswert von 2023 liegt: Im Falle einer neuen Pandemie würde diese Regel jedoch nicht gelten.
Zwecks Erhalt und Entwicklung des Standorts investiert Tadano von Januar 2024 bis Dezember 2027 in Zweibrücken 57 Millionen Euro. Die Geschäftsführung verzichtet auf Personalabbau im Bereich Logistik und setzt eine höhere Eigenfertigungsquote beim Ausleger-Stahlbau um.
Die IG Metall verpflichtet sich, den Streik bis spätestens Mittwoch, 2. Oktober, zu beenden – vorausgesetzt, die Mitglieder haben dies in der Urabstimmung so beschlossen. Sanktionen und Schadensersatzforderungen im Zusammenhang mit dem Streik sind unzulässig beziehungsweise müssen rückgängig gemacht werden.
Geschäftsführung und Betriebsrat legen vertraglich die Grundlagen für ein „aktivierendes Beteiligungsprojekt“ fest, um wettbewerbsfähige und tariflich geschützte Arbeitsplätze bei der TDG Zweibrücken zu fördern und das Unternehmen zukunftssicher zu erhalten. Das Beteiligungsverfahren soll von Dezember 2024 bis Jahresende 2028 umgesetzt werden – unter aktiver Mitwirkung des Betriebsrats, der Vertrauensleute der IG Metall und des TDG-Personals. Beschäftigte und Geschäftsführung vereinbaren bis Ende November 2024 einen „Projektplan mit Prioritäten und einer schlanken Projektorganisation“. Beschäftigte, die an diesem Plan mitarbeiten, werden dafür von ihren sonst üblichen Aufgaben bezahlt freigestellt.
Ein paritätisch besetzter Lenkungsausschuss unter Vorsitz des Geschäftsführers (CEO) Kenichi Sawada wird gebildet, der allmonatlich die Initiierung der Einzelprojekte, das Controlling des Prozessverlaufs und die Umsetzung von kontinuierlichen Verbesserungsschritten steuert, berät und kontrolliert. Im Ausschuss sitzen je drei Personen aus Geschäftsführung, Pfalzmetall-Verband und Betriebsrat/IG Metall.
Der Lenkungsausschuss berät regelmäßig über zukunftsorientierte Qualifizierungen. Um herauszufinden, wie man die Belegschaft fit für die Zukunft machen kann, wird bis Ende Februar 2028 eine Qualifizierungs-Bedarfsanalyse für die Dinglerstraße angestellt. Auf deren Grundlage werden zusammen mit dem Ausschuss Maßnahmen zur Weiterbildung und Qualifizierung beschlossen.
Der Tarifvertrag tritt zum 7. Oktober 2024 in Kraft und gilt bis 31. Dezember 2028. Bis dahin ist eine ordentliche Kündigung der getroffenen Vereinbarung ausgeschlossen.