Zweibrücken
Tadano: Streikende wollen den Arbeitskampf „eskalieren“
Hat Tadano Zweibrücken seinen Werksstandort Wallerscheid längst verkauft? Bei Gesprächen am Montag in Frankfurt-Eschborn habe der Arbeitgeber dargelegt, „dass die Hallen auf dem Wallerscheid Ende Juni 2025 besenrein geräumt sein sollen“. Dies sagt Salvatore Vicari, Zweiter Bevollmächtigter des Bezirks Homburg-Saarpfalz der IG Metall, zur RHEINPFALZ. „Daraus schließen wir, dass der Verkauf beschlossen, wenn nicht gar bereits erfolgt ist.“ Eine Vermutung, die die Geschäftsführung gegenüber der Gewerkschaft nicht als falsch zurückgewiesen habe. Auf Anfrage bei der Geschäftsführung sagte deren Sprecherin Anne Steeb am Dienstag zur RHEINPFALZ, dass das Werk Wallerscheid auf dem Markt angeboten werde, bis dato aber noch kein Kaufvertrag unterzeichnet worden sei.
Auf einer Streikversammlung am Dienstag in der Festhalle berichteten Vicari und seine Mitstreiter vor der Zweibrücker Tadano-Belegschaft, wie am Montag in einem Hotel in Frankfurt-Eschborn die erste Zusammenkunft einer Einigungsstelle verlaufen sei. Dabei handelt es sich um ein betriebsverfassungsrechtliches Gremium aus Vertretern der Arbeitgeber- und -nehmerseite sowie des Arbeitgeberverbands Pfalzmetall unter Leitung des Arbeitsrichters und Schlichters Holger Dahl. Dieser habe am Montag erklärt, „dass er die Verhandlungen zwischen Tadano und Betriebsrat erst mal nicht für gescheitert erklären wird“, schilderte Vicari. „Andernfalls hätte die Geschäftsführung ihre Kündigungen umgehend aussprechen können. Mit dieser Absicht war ihr Anwalt Nikolaus Krienke in das Gespräch gegangen.“
„Die Belegschaft die ganze Zeit belogen“
Nach nunmehr neun Arbeitstagen zeige der Streik allmählich Wirkung, meinte IG-Metall-Verhandlungsführer Uwe Zabel in der Festhalle: „Ohne den Arbeitskampf hätten wir niemals erreicht, dass die Geschäftsführung jetzt ihre Rückkehr zu Tarifverhandlungen zugesagt hat.“
Diese sollen am Mittwoch, 18. September, und am Freitag aufgenommen werden; zudem ist für Samstag eine weitere Zusammenkunft der Frankfurter Einigungsstelle geplant. Dieses Entgegenkommen der Geschäftsführung, so Zabel, bedeute freilich „noch keinerlei Einigung in der Sache“. Betriebsratschef Eduard Glass: „Jetzt müssen wir unseren Streik verschärfen und noch eine Schippe drauflegen. Unser Arbeitskampf geht so lange weiter,
bis wir einen Tarifvertrag erreicht haben, in dem eine Beschäftigungssicherung für mindestens 1100 Mitarbeiter bis 2032 steht – unter Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Sollte es am Ende trotz allem zum Arbeitsplatzabbau kommen, dann muss der sozialverträglich über eine vernünftige Altersregelung erfolgen.“
Den Vorsitzenden der Einigungsstelle habe man davon überzeugen können, dass das mit Fachleuten erarbeitete Sanierungskonzept der Arbeitnehmerseite, das den Erhalt beider Zweibrücker Werke und aller Arbeitsplätze umfasst, Hand und Fuß habe und keine „Utopie“ sei. Seit Monaten, so Glass, habe der Betriebsrat Einsicht in eine sogenannte Patronatserklärung gefordert, die die Geschäftsführung 2023 unterzeichnet habe. „Am Montag, in Eschborn, durften wir dieses Papier zum ersten Mal lesen. Da steht drin, dass betriebsbedingte Kündigungen und Aufhebungsverträge geplant sind. Also waren schon damals die 400 Kündigungen und die Trennung vom Werk Wallerscheid beschlossen. Dort soll spätestens im Juni 2025 keiner mehr arbeiten. Die Belegschaft ist die ganze Zeit darüber belogen worden.“
„Auf einen langen, harten Streik einstellen“
Wehren könne sich die Belegschaft nur mit einer Verschärfung beziehungsweise „Eskalation“ des Arbeitskampfs, wie sich Uwe Zabel am Dienstag ausdrückte. „Wir müssen uns auf einen langen, harten Streik einstellen.“ Um den Druck auf die Tarifverhandlungen zu erhöhen, ist für Mittwochmorgen ein Autokorso vom Werk Dinglerstraße auf den Wallerscheid geplant, wo es zu lodernden „Solidarfeuern“ und lauten Mahnwachen kommen soll. Für Samstagabend stellte Zabel sogar zunächst eine spektakuläre Kundgebung von Tadano-Werkern auf dem Lauterer Betzenberg vor dem FCK-Spiel gegen den Hamburger SV in Aussicht. Später am Dienstag wurde dann bekannt, dass der Fußballclub für diese Idee keine Genehmigung erteilen konnte.
Frank Schilb, Vorsitzender der IG-Metall-Vertrauensleute bei Tadano, rief die Kollegen zu dichten Menschenketten vor den beiden Werkseingängen auf: „Lasst keinen mehr in die Werke rein!“ Denn immer noch gebe es Streikbrecher. „Diese Leute haben nicht kapiert, dass wir auch für ihre Zukunft kämpfen.“
Zur Stärkung der Streikenden in der Festhalle teilte deren Pächter Dirk Matheis am Dienstag 900 Gratisportionen Hot Dogs aus. Einstimmig beschlossen die Versammelten ein „Hausverbot“ für Tadano-Personalchef Jürgen Lachmann im Werk Wallerscheid. „Der hat von Anfang an gewusst, was dort geplant ist, und hat uns nach Strich und Faden belogen“, sagte Uwe Zabel.
Kühlen Kopf bewahren
Den Streikenden riet der Gewerkschaftsfunktionär, bei aller Emotion kühlen Kopf zu bewahren. Denn am Rande der Eschborner Gespräche sei es am Montag zu Rangeleien gekommen. Die Managerin des Tagungshotels habe beklagt, sie sei angegangen worden. „Wir müssen uns zusammenreißen“, mahnte Zabel und versprach, der Managerin einen „dicken, fetten Blumenstrauß von Fleurop“ zu schicken.
