Zweibrücken / Contwig
Städtische Impfstelle unterstützt Kinderärzte mit Sonderterminen
Im ehemaligen Kaufhallen-Gebäude/City-Outlet werden an zunächst zwei Samstagen, 22. Januar und 12. Februar, jeweils zwischen acht und 15 Uhr, Corona-Impfungen nur für die Kleinsten, die Fünf- bis Elfjährigen, angeboten. Mit Termin, für den sich die Eltern über die Vergabe-Stelle des Landes im Internet www.impftermin.rlp.de jetzt anmelden können. Kleine Kinder kann man nicht warten lassen und bei großem Andrang abfertigen. Deshalb die Sondertermine. Kinder- und Jugendärzte stehen der Impfstelle zu Verfügung. Am sogenannten Familientag können sich auch Eltern mitimpfen lassen.
„Das Land hat uns ausreichend Impfstoff zugesichert“, sagt Matthias Freyler, Leiter der städtischen Impfstelle. An den Familientagen werde man je 200 Dosen des speziell dosierten und aufzubereitenden Kinderimpfstoffs von Biontech verabreichen können.
„Kinder leiden massiv“
Für Zwölfjährige und ältere Kinder- und Jugendliche gilt: Sie bekommen das für sie nur zugelassenen Biontech-Vakzin auch ohne Terminvergabe zu den Öffnungszeiten der Impfstelle, montags bis freitags, von 14 bis 20 Uhr.
Der Contwiger Kinder- und Jugendmediziner Harald Schönhofen begrüßt das Einsteigen der Impfstelle in der Impfkampagne für die Jüngsten wie auch sein Zweibrücker Kollege Christian Neumann. „Ein niederschwelliges Angebot hilft uns weiter“, sagt Schönhofen. In seiner zusammen mit seiner angestellten Kollegin Mona Butte betriebenen Praxis hat er von seinen kleinsten Patienten bislang Vorbelastete mit Risiko und Kinder, die in Haushalten zusammen mit besonders Gefährdeten leben, geschützt. „Ich bin sehr froh, dass von unseren Patienten seit Beginn der Pandemie noch kein einziges Kind oder Jugendlicher so schwer erkrankt ist, dass eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich wurde.“
Zufällig entdeckte Ansteckungen
Er sehe sehr viele infizierte Kinder – und rechne in der erst anlaufenden Omikron-Welle mit massiv ansteigenden Fallzahlen –, meist werde eine Ansteckung aber erst bei Routinebehandlungen zufällig entdeckt. Ganz eindeutig sei: „Die Eltern stecken die Kinder an, nicht umgekehrt“, sagt Harald Schönhofen.
Christian Neumann, auch Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Rheinland-Pfalz, appellierte schon vor Wochen an die Eltern seiner Patienten: Lasst Euch impfen. Eine Durchimpfung der Älteren sei der beste Schutz für die Jüngsten. Auch vor noch unbekannten Spätfolgen. Wie Kollege Schönhofen sieht er massive Auswirkungen auf Kinder. „Sie leiden, mit jedem Lockdown, jeder Einschränkung sozialer Kontakte. Schulverweigerung nimmt stark zu.“ Nicht irgendwo wahrnehmbar, auch in Zweibrücken. Psychiatrische Befunde und Erkrankungen träten in einem Maße auf, wie nie gesehen. Die Fachärzte seien am Limit.
Versorgung bleibt der Flaschenhals
Am Limit arbeiten auch die Kinderarzt-Praxen. Sonderschichten für Impfungen sind auch im neuen Jahr angezeigt. Bei Christian Neumann sind die nächsten Impf-Samstage ausgebucht, die Wartelisten voll. Die Schönhofen-Praxis kann wieder Termine vergeben. „Ich kann meinen Mitarbeitern nicht genug danken, sie leisten Enormes“, sagt der Contwiger Arzt.
Gerade auch am Telefon. Denn: Während der Impfstoff für die bis Elfjährigen getreu den Bestellungen einträfe, seien Lieferungen des Impfstoffs für die Über-Elfjährigen immer mal wieder bruchstückhaft. Das bestätigten auch die Zweibrücker Kinderärztinnen Moser, Semar und Koschela. Vor Weihnachten sei es vorgekommen, dass nur etwa ein Drittel der bestellten Menge ankam. „Das waren nicht schöne Telefonate, wenn meine Fachangestellten dann Termine absagen mussten“, berichtet Harald Schönhofen. Anders als bei Erwachsenen, gebe es bei Kindern und Jugendlichen noch keine Möglichkeit, etwa auf den Moderna-Impfstoff auszuweichen. Für die Praxis Neumann heißt das aktuell: Der wenige Impfstoff wird für die Zweit- und Auffrischungsimpfungen der schon Erstgeimpften verwandt. Für Erstimpfungen reichten die Vorräte zurzeit nicht. Die Impfstoffversorgung bleibe der Flaschenhals der Kampagne, bestätigen die örtlichen Kindermediziner unisono.