Zweibrücken
Wie sich ein Kinderarzt auf Corona-Impfungen für Kinder vorbereitet – und was er den Eltern rät
Vorweihnachtliche Besinnlichkeit wird sich in Neumanns Praxis am Hallplatz in diesem Jahr wohl kaum einstellen. Der Arzt, auch Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Rheinland-Pfalz, und seine Mitarbeiterinnen fahren Sonderschichten. Samstag ist jetzt Impftag, und auch zwischen den Jahren wird gearbeitet. „Das ist so in einer Pandemie“, sagt Neumann. Kein Wort des Beschwerens. Der Einsatzwille auch seiner Kollegen – die fünf Kinderärzte in Zweibrücken und Contwig sind gut vernetzt – sei groß.
Neumann, seit 1995 in Zweibrücken praktizierend, impft seine älteren Patienten seit September mit dem damals für Zwölf- bis 17-Jährige zugelassenen Biontech-Impfstoff für Erwachsene, jetzt kommen die Jüngeren hinzu. Gut 2000 Fünf- bis Elfjährige sind als Einwohner in Zweibrücken gemeldet, 1000 in der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, knapp 5300 im Landkreis Südwestpfalz.
100 auf der Warteliste
„Die besorgten Eltern, die mit Kindern mit einschlägigen Vorerkrankungen, auch die eher ängstlichen, haben sich schon gemeldet. 50 Termine konnte ich vergeben, 100 stehen auf meiner Warteliste“, sagt Neumann. Auch bei Älteren arbeite man noch eine Warteliste ab. Impfung und Aufklärung seien nicht das Problem für ihn und seine Kollegen. Die Versorgung mit Impfstoff sei die größte Sorge. „Ich habe mich auf 50 Bestellungen beschränkt, weil meine Kollegen auch zum Zug kommen sollen, gerade für die vorbelasteten Kinder, die wir bisher vertrösten mussten“, sagt Neumann.
In der Vergangenheit sei es immer wieder vorgekommen, dass zugesicherte Lieferung nicht kamen oder geringer als bestellt ausfielen. Trotz Zusicherung des Bundes, dass genügend Vakzine verfügbar seien. An der Logistik hänge die ganze Planung der Praxen, die Terminvergabe sei auf Kante genäht. Deshalb auch der dringende Appell des Zweibrücker Kinderarztes: „Wenn Sie eine Zusage. für einen Impftermin bei einem Niedergelassenen haben, nehmen Sie diesen unbedingt wahr.“ Seine Kollegen und er versuchten wirklich alles, um die Impfung möglich zu machen. Ein Nichterscheinen sei unfair für die Wartenden, nicht zum Zuge Gekommenen. Spontane Terminvergaben seien bei Kindern nicht möglich. Eine Impfung sei nun mal, trotz Erfahrungen mit anderen Schutzimpfungen, eine besondere Aufregung für die Kleinen.
Terminnachfrage aus ganz Deutschland
Wie sein Verband ist Christian Neumann eindeutig positioniert: „Ich war von Anfang an für eine Impfpflicht für Erwachsene. Eltern in den Sprechstunden habe ich klipp und klar gesagt: Wenn ihr euch, wenn alle Erwachsene, sich impfen lassen, dann braucht es keine Impfungen für die Kinder.“ Neumann hält den jetzt zugelassenen Impfstoff für sicher, er und sein ganzes Praxisteam sei schon lange geimpft. Es sei aber eine individuelle Abwägung, kleine Kinder zu impfen. Eben weil man wisse, dass sie bei einer Infektion selten einen schweren Krankheitsverlauf nehmen. Bei einschlägigen Vorerkrankungen rät er ganz entschieden zur Schutzimpfung. Jedwede Beratung gebe er gern. Nur: „Was ich, was wir Kinderärzte, jetzt absolut nicht brauchen, sind Grundsatzdiskussionen in den Wartezimmern.“ Überreden werde man keine Eltern. Neumann rät, sich selbst gut über die Schriften des Robert-Koch-Institutes zu informieren. Für konkrete Beratung seien dann die Kinderärzte die richtige Adresse. Die Nachfrage der Entschiedenen sei – nicht nur an seinen Wartelisten ablesbar – hoch. Man merke das auch an Anrufen. „Bei den älteren Kindern hatten wir in den ersten Tagen nach der Empfehlung der Impfkommission aus ganz Deutschland Anfragen nach Terminen. Das hat sich dann gelegt. Jetzt haben wir wieder Anfragen von weither. Wenn Eltern vor Ort nicht zum Zuge kommen, versuchen sie jeden anderen Weg.“
Christian Neumann ist offen dafür, mit Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten. Etwa der kommunalen Impfstelle, die am Mittwoch in den Räumen der ehemaligen Kaufhalle ihre Arbeit aufnimmt. „Warum sind wir in Zweibrücken vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen? Weil unser Netzwerk erprobt ist und funktioniert“, lobt der Kinderarzt die Zusammenarbeit von Niedergelassenen, den Hilfsorganisationen, der Stadt und anderen ausdrücklich.
Impfstelle der Stadt steht bereit
Ältere Kinder, ab zwölf Jahren, können bei den Stopps des Impfbusses des Landes – dienstags und donnerstags in Zweibrücken, in der ehemaligen Kaufhalle/City-Outlet am Busbahnhof – ohne Termin vorstellig werden und mit Einwilligung der Eltern geimpft werden. Am Mittwoch startet ergänzend dazu die kommunale Impfstelle. Zwischen 14 und 20 Uhr – montags, mittwochs, freitags – werden dort ebenso ab Zwölfjährige geimpft. „Für die unter Zwölfjährigen haben wir aber noch keine Freigabe, bekommen auch keinen des speziell für kleine Kinder dosierten Impfstoffs. Wenn sich das ändert, stehen wir bereit. Schon jetzt haben wir Kinderärztinnen in unserem Team“, sagt Matthias Freyler, der bis im September Koordinator des Landesimpfzentrums Zweibrücken war und jetzt die Leitung der Impfstelle übernommen hat. Fünf- bis Elfjährige werde man aber im Fall der Freigabe nur nach Terminvergabe impfen. „Die Kleinsten kann man einfach nicht warten lassen“, nennt Freyler die einfache Begründung.
Wer als Eltern beim Kinderarzt nicht zum Zuge kommt, kann sich über die zentrale Online-Anmeldung des Landes unter impftermin.rlp.de um einen Termin in den weiterhin betriebenen Landesimpfzentren bemühen. Von Zweibrücken sind die nächsten in Kaiserslautern und Neustadt. Dort wird der „Kinder-Impfstoff“ von Biontech ab diesem Mittwoch verabreicht. Das Land bietet ergänzend sogenannte Familienimpftage an. Registrierte Kinder können sich mit ihren Eltern dort nach Terminbestätigung gemeinsam impfen lassen. Im Kaiserslautern sind die ersten Familienimpftage am 22. und 23. Dezember, jeweils 7.30 bis 14.45 Uhr, in Neustadt an den selben Tagen von 8 bis 15 Uhr.