Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel Schock bei Tadano Demag: Massiver Stellenabbau und Aus für Werk Wallerscheid

Auf dem Wallerscheid werden künftig keine Tadano-Kräne mehr produziert.
Auf dem Wallerscheid werden künftig keine Tadano-Kräne mehr produziert.

Die Hiobsbotschaft kam am Aschermittwoch: Tadano Demag baut in Zweibrücken über 400 Arbeitsplätze ab und schließt das Werk Wallerscheid. Darüber hat die Geschäftsleitung die Belegschaft informiert.

Erfolgen soll der massive Einschnitt bis Ende Juni 2025, so Kenichi Sawada, Geschäftsführer der Tadano Demag GmbH (TDG), in einer Betriebsinformation vom Mittwoch. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird aus den bisherigen Befürchtungen damit nun Gewissheit. Personal soll nicht nur im Werk Wallerscheid auf dem Flugplatzgelände gegenüber dem Outlet abgebaut werden, sondern auch im Werk Dinglerstraße, und zwar in der Produktion, im Vertrieb und in der Verwaltung. Die Tadano-Faun GmbH im fränkischen Lauf, deren Geschäftsführer ebenfalls Sawada ist, ist nicht betroffen.

Laut Sawada sieht sich die TDG zu den Maßnahmen in Zweibrücken gezwungen. In den letzten Jahren habe man hohe finanzielle Verlusten einstecken müssen. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, habe man entschieden, „die Geschäftsabläufe grundlegend neu zu strukturieren“. Die Produktion sei auf ein Volumen ausgelegt, das die aktuelle und die prognostizierte Nachfrage in Zukunft deutlich übersteige. „Die einzige Möglichkeit, diese Lücke zu schließen, ist eine deutliche Verringerung der Produktionskapazitäten“, so Sawada. Teile der Produktion sollen in anderen Tadano-Werken, darunter im verbleibenden Werk in der Dinglerstraße, stabilisiert werden.

Neuausrichtung hat nicht funktioniert

Die TDG hat laut Geschäftsleitung mit sinkenden Marktanteilen, zunehmendem Wettbewerbsdruck und Problemen in der Lieferkette zu kämpfen. Externe Faktoren wie steigender Inflationsdruck und Zinsen sowie politische Unsicherheiten belasteten zusätzlich das Geschäft. Die Zahlen zeigten einen anhaltenden negativen Trend in den vergangenen Jahren. Die Muttergesellschaft, die Tadano Ltd. in Japan, habe erhebliche finanzielle Mittel bereitstellen müssen, „um den Geschäftsbetrieb der TDG aufrechtzuerhalten“, so Sawada.

Die Neuausrichtung des Unternehmens, unter anderem das One-Tadano-Konzept, habe nicht den gewünschte Erfolg gebracht: die Kran-Unterwagen in Lauf zu bauen, die Oberwagen in Zweibrücken und in Zweibrücken beides zusammenzubauen. „Angesichts der aktuellen Entwicklungen muss nun unmittelbar gehandelt werden“, so die Geschäftsführung. Man sei zuversichtlich, dass mit dem Eindampfen der Produktionskapazität die Wettbewerbsfähigkeit der TDG „langfristig verbessert werden kann“.

Sawada: „Sozialverträglich gestalten“

Der Personalabbau bis Mitte 2025 in den Werken Wallerscheid und Dinglerstraße beinhaltet laut Sawada auch Mitarbeitende, die aufgrund normaler Fluktuation, Renteneintritt oder Befristung ausscheiden. Die Geschäftsführung versichert, man werde die Details mit dem Betriebsrat abstimmen. Ziel sei es, die Schließung des Standorts Wallerscheid und den Personalabbau sozialverträglich zu gestalten. „Dabei müssen wir jedoch die wirtschaftliche Situation des Unternehmens berücksichtigen“, so Sawada. Er appelliert an die Belegschaft, mit vollem Einsatz weiterzuarbeiten, „um Kontinuität im Geschäftsbetrieb zu erhalten und unseren Kunden unsere Produkte und Dienstleistungen in der gewohnt hohen Qualität und ohne Verzögerungen zu liefern“.

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit waren die Werke Zweibrücken und Lauf 2020 in ein Schutzschirmverfahren eingetreten, das 2021 abgeschlossen wurde. Die Geschäftsleitung legte einen Sanierungsplan vor, den die Gläubiger akzeptierten. Die gescheiterte One-Tadano-Strategie war Teil des Sanierungsplans. Auch hat das Unternehmen bereits Anfang 2021 in Zweibrücken 400 von damals rund 1600 Mitarbeitern gekündigt. Im Werk Lauf wurden 114 Mitarbeiter entlassen.

Gewerkschaft: „Werden das nicht akzeptieren“

Bei Betriebsrat, Vertrauensleuten und Gewerkschaft herrschte am Mittwoch „Fassungslosigkeit, aber auch Wut und Empörung“, wie Salvatore Vicari, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz, auf Anfrage sagte. Die angekündigten Maßnahmen seien viel zu hart und gar nicht nötig. „Es gibt Probleme bei Tadano Demag, ja, aber die könnte man angehen“, so Vicari. Es handele sich schließlich nicht um einen Transformationsbetrieb, den man umstrukturieren muss, wie etwa ein Autohersteller, der Alternativen zum Verbrennungsmotor braucht. Nicht mal Kurzarbeit oder andere Instrumente zur Zeitgewinnung habe die Geschäftsführung angewandt. Das Management habe überdies durch „Nicht-Transparenz geglänzt“.

Das Ganze sei „eine Katastrophe für die Betroffenen“ und ein „Schlag in die Magengrube für die ganze Region“, so Vicari. Er machte deutlich: „Wir werden diese Pläne nicht akzeptieren und stattdessen Alternativen aufzeigen.“ Auch auf die Politik werde man zugehen.

OB Wosnitza: „Katastrophale Neuigkeiten“

„Mit großer Bestürzung hat die Stadtverwaltung Zweibrücken die katastrophalen Neuigkeiten von Tadano zur Kenntnis genommen.“ Das sagte auf Anfrage Oberbürgermeister Marold Wosnitza. Die Schließung des Werks Wallerscheid und der Verlust von über 400 Arbeitsplätzen seien ein schwerer Schlag für den Industrie- und Wirtschaftsstandort Zweibrücken. Wosnitza: „Wir alle hatten die Hoffnung, dass durch die vor knapp drei Jahren erfolgreich beendete Insolvenz positive Weichen für die Zukunft der Zweibrücker Tadano-Standorte gestellt wurden.“ Die Neuigkeiten hätten ihn deshalb am Mittwochmorgen kalt erwischt. Er hoffe, dass eine verträgliche Lösung für die Mitarbeitenden gefunden werden kann. Die Stadtverwaltung biete jede ihr mögliche Unterstützung an und stehe in engem Austausch mit der Geschäftsführung, der Gewerkschaft und der Arbeitsagentur.

Wosnitza: „Man muss sich konkret vor Augen führen, dass es sich hier um 400 Existenzen handelt, die durch den Verlust ihres Jobs auf dem Spiel stehen. Ich wünsche vor allem den betroffenen Mitarbeitenden, die sich jetzt zeitnah beruflich neu orientieren müssen, viel Kraft für die nächsten nervenaufreibenden Wochen und Monate.“

„Drei Jahre lang gezittert“

Die Belegschaft reagierte am Mittwoch geschockt auf die schlechten Nachrichten aus der Chefetage – obgleich die Anzeichen sich in den vergangenen Wochen und Monaten verdichtet hatten. Der Tenor: Nach den Massenentlassungen von 2021 hatten alle gehofft, dass Stabilität einkehrt bei dem Kranbauer. Dass nun wieder 400 Leute gehen müssen und zudem ein komplettes Werk geschlossen wird, sorgt für tiefe Bestürzung. „Wir haben jetzt drei Jahre lang gezittert“, meinte ein seit vielen Jahren Beschäftigter. Dass die Katze nun aus dem Sack ist, habe lediglich ein Gutes: dass man nun wisse, wo man dran ist, und sich darauf einstellen kann.

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