Zweibrücken
Wären Kündigungen bei Tadano vermeidbar gewesen?
Wenn der Gewerkschafter Peter Vollmar von den Vorgängen bei Tadano Demag, mit rund 1600 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Stadt, spricht, klingt er meist bedrückt, manchmal auch ziemlich fassungslos. Wie berichtet, sollen am Standort in Zweibrücken ungefähr 400 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Das Unternehmen hat diese Zahl nicht bestätigt, doch Vollmar geht davon aus, dass sie realistisch ist. Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz ist sich sicher: Etliche der Kündigungen, die jetzt im Raums stehen, wären zu verhindern gewesen, wenn das Unternehmen einen anderen Weg als den der Insolvenz in Eigenregie gegangen wäre.
„Dieser Weg wurde ausgesucht, ohne mit dem Betriebsrat zu sprechen. Hätte man das gemacht, hätte man die Maßnahmen eventuell abmildern können. Es gibt Möglichkeiten, Personal ohne Kündigungen abzubauen“, betont Vollmar. Ein Beispiel sind Abfindungen. Die müssten unter Umständen gar nicht mal so üppig ausfallen, um zu wirken. „Es gibt überall Leute, die gerne aufhören oder was anderes machen wollen. Die Aussicht auf eine Abfindung kann schon dazu beitragen, dass die sich umsehen und anderswo bewerben“, erklärt der Gewerkschafter. Und wenn es am Ende nur 50 sind, wären das 50 weniger, denen gekündigt wird.
Nur Schutz der Kasse zählt jetzt noch
„Doch in einem Insolvenzverfahren sind Abfindungen verboten. Da können Sie nicht mal zehn Euro zahlen. Es gilt nur, die Kasse für die Gläubiger zu schützen“, so Vollmar. Er findet es „unglaublich schade, dass Tadano diese Möglichkeiten nicht genutzt hat“ und fragt nach dem Warum, denn „dort sitzen doch keine Knallköppe“.
Kündigungen kann man auch verhindern, wenn die Mitarbeiter weniger Stunden arbeiten. Das habe beim Zweibrücker Maschinenbauer Pallmann beispielhaft funktioniert. Arbeiten die Mitarbeiter beispielsweise 30 statt 35 Stunden in der Woche, genügten sieben Leute, um eine Kündigung zu verhindern. Bei 35 statt 40 Stunden reichten acht. Doch sind solche Maßnahmen bei einem Insolvenzverfahren verboten oder es reicht die Zeit nicht. Das Verfahren muss in drei Monaten abgeschlossen sein. „Das macht die Situation ziemlich schlimm und belastend“, so Vollmar.
Aussichten am Arbeitsmarkt in der Region düster
Mitarbeitern, die gehen müssen, bleibt somit nicht viel mehr, als in die vorgesehene Transfergesellschaft zu wechseln. Dort bekommen sie für neun Monate „80 Prozent vom Netto“, sagt der Gewerkschafter. Die neun Monate sollen helfen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Ob die Suche für die Mehrheit der Gekündigten erfolgreich wird, bezweifelt Vollmar: „Der Arbeitsmarkt in der Südwestpfalz ist generell schwierig. Corona drückt auch ohne Ende auf den Markt. Das macht es für die Betroffenen noch dramatischer“.
Das Unternehmen versichert hingegen, alle Möglichkeiten im Vorfeld des Schutzschirm- und Insolvenzverfahrens ausgelotet zu haben. „Leider war der Weg in ein Schutzschirmverfahren alternativlos“, so Sprecherin Anne Steeb. Der Betriebsrat sei regelmäßig über die aktuelle wirtschaftliche Situation umfänglich unterrichtet worden. Auch habe das Unternehmen regen Gebrauch von Kurzarbeit gemacht. Ein Gespräch der RHEINPFALZ mit dem Betriebsratsvorsitzenden Eduard Glass lehnte Tadano ab. Glass sei in der momentanen Situation nicht befugt, Auskünfte zu geben.
Ob und wie es mit dem Unternehmen weitergeht, hängt davon ab, ob die Gläubiger den Sanierungsplänen am 18. Februar zustimmen. Mitarbeiterkreise berichten, dass Tadano Demag und Tadano Faun mit Sitz in Lauf an der Pegnitz (dort beschäftigt das Unternehmen 900 Mitarbeiter) eng verzahnt werden sollen. Doppelte Strukturen soll es danach nicht mehr geben– weder bei der Produktion noch bei der Organisation. Die IG Metall hält dieses Szenario für wahrscheinlich.
Wosnitza: Schwerer Schlag
Oberbürgermeister Marold Wosnitza sagte zu der Entwicklung bei Tadano: „Wenn es so kommt, dass das 400 Arbeitsplätze kostet, dann ist das ein sehr schwerer Schlag für uns. Wir hatten es in Zweibrücken geschafft, aus der hohen Arbeitslosigkeit rauszukommen. Die Zahlen waren zuletzt gut.“ Ein Arbeitsplatzabbau in dieser Größenordnung sei nicht durch Vorruhestand und Altersteilzeit zu bewerkstelligen. „Es wird schwer für die Betroffenen, auf Anhieb was anderes zu finden.“ In den Fabriken in Homburg würden derzeit auch Arbeitsplätze abgebaut. Tadano habe die Probleme im Unternehmen nicht verursacht, sondern vom vorherigen Eigner geerbt. Wosnitza hätte sich allerdings gewünscht, dass Tadano seine Mitarbeiter von sich aus über den Arbeitsplatzabbau informiert hätte. „Es wäre besser gewesen, wenn die Mitarbeiter das von der Geschäftsführung erfahren hätten.“