Zweibrücken RHEINPFALZ Plus Artikel „Es sind alle in großer Sorge“: Wohin geht die Reise beim Kranbauer Tadano?

Bei Tadano sorgt man sich vor allem um das Werk Wallerscheid auf dem Flugplatzgelände.
Bei Tadano sorgt man sich vor allem um das Werk Wallerscheid auf dem Flugplatzgelände.

Bei Tadano bangen wieder Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Die Verschmelzung der Werke in Zweibrücken und Lauf scheint gescheitert. Was das für Konsequenzen haben könnte.

Die Tadano-Standorte Zweibrücken und Lauf sollten eins werden, das Unternehmen hatte das One-Tadano-Konzept ausgerufen. Der Plan: Die Unterwagen sämtlicher Tadano-Krane werden in Lauf hergestellt und nach Zweibrücken transportiert, wo die Oberwagen produziert und Ober- und Unterteile zusammengebaut werden. Doch dieses Konzept ist allem Anschein nach vom Tisch, wie man nicht nur in der Belegschaft munkelt. Auch die Gewerkschaft ist alarmiert.

Kurzer Blick zurück: 2022 wurde vor dem Hintergrund der One-Tadano-Strategie das Werk Wallerscheid derart umgestaltet, dass bis zu sechsachsige Fahrgestelle, aus Lauf ankommend, im Einbahnverkehr durchs Werk fahren können, um hier ihre Oberwagen aufmontiert zu bekommen. Erste Serienmodelle aus dieser Produktionsweise sollten 2023 gefertigt werden. Bislang gab es allerdings nur Testfahrten. Eine neue Wasch- und Inspektionshalle auf dem Wallerscheid für die Kranfahrzeuge aus Lauf, die die Geschäftsführung angekündigt hatte und die bis Ende 2023 hätte fertig sein sollen, wurde doch nicht gebaut.

Aus Mitarbeiterkreisen heißt es, dass die Idee One Tadano beziehungsweise One Production gestorben ist – und dass es künftig im Werk Wallerscheid gar nicht mehr produziert werden soll. Kleinere Modelle sollen demnach in Japan hergestellt werden, ab vier Achsen in Lauf oder im Zweibrücker Werk Dinglerstraße. Im Werk Wallerscheid sind derzeit rund 600 Mitarbeiter beschäftigt.

IG Metall fordert klare Aussagen

Bei der Gewerkschaft IG Metall Homburg-Saarpfalz sind die Befürchtungen der Tadano-Belegschaft bekannt. „Es sind alle in großer Sorge“, meinte der zweite Bevollmächtigte Salvatore Vicari auf Anfrage. Vicari betreut Tadano seit August 2023 und weiß: „Es gibt strategische Überlegungen bei dem Unternehmen, und es gibt Hinweise, dass die Verschmelzung der Werke Lauf und Zweibrücken vom Tisch sein könnte.“ Seit Ende 2023 hätten Vertrauensleute und Betriebsrat Fragenkataloge an die Geschäftsführung geschickt. Bis dato seien diese aber nicht konkret und nicht abschließend beantwortet worden. „Wir sind sehr unzufrieden mit den Antworten“, bringt es Vicari auf den Punkt. Er fordert: „Das Unternehmen muss jetzt Klarheit schaffen.“

Die Unsicherheit in der Belegschaft sei groß. Die Massenentlassung von 2021, als knapp 400 Mitarbeitern, einem Viertel der Belegschaft (damals noch Terex), gekündigt wurde, habe Spuren hinterlassen, sagt Vicari, der den massiven Aderlass nach wie vor als „völlig überzogen und nicht in Ordnung“ bezeichnet.

Tadano sei jetzt gefordert, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sicherheit zu geben dahingehend, was auf sie zukommt, so Vicari. Zumal die Beschäftigungssicherung Ende 2024 ausläuft. Was Tadano zur möglichen Rolle rückwärts in Sachen One Tadano veranlasst haben könnte, darüber kann Vicari nur spekulieren: „In der Theorie ist ja schnell mal was geplant, etwa ein Kranteil 400 Kilometer durch Deutschland zu fahren, um es dann in einer anderen Stadt mit einem anderen Teil zusammenzubauen. In der Praxis stellt sich dann vielleicht heraus, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist.“

Tadano lässt weitere Entwicklung offen

Die Tadano-Geschäftsführung hielt sich auch unserer Zeitung gegenüber bedeckt. Das One-Production-Konzept sei noch in der Testphase, sagte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Man prüfe noch, ob das Vorgehen den Prozess effizienter macht oder nicht. Ziel sei es, langfristig den Erfolg des Unternehmens zu sichern. Im Moment mache man in Zweibrücken und Lauf Verluste. Wie es weitergeht, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, so die Sprecherin.

„Die Geschäftsaktivitäten, die Kostenstruktur und die Rolle im weltweiten Tadano-Produktionsnetzwerk werden fortwährend kontrolliert, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, so die Sprecherin. Was das Werk Wallerscheid angeht, könne sie „weder einen positiven noch einen negativen Bescheid geben“. Dass die geplante Halle auf dem Wallerscheid nicht gebaut wurde, bestätigte die Sprecherin. Zu den Gründen sagte sie nichts.

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