Meinung
Schlechte Stimmung in der Stadt ist gefährlich für den OB
Zweibrückens OB sei lustlos und langsam. Das warf Pascal Dahler, der Sprecher der CDU im Stadtrat, im Januar in seiner Haushaltsrede Oberbürgermeister Marold Wosnitza vor. Auch vielen Zweibrückern geht es in der Stadt zu langsam oder gar nicht voran.
Selbst dem OB geht Vieles zu langsam
In einem großen Interview mit der RHEINPFALZ, das wir vergangenen Samstag veröffentlicht haben, nahm Wosnitza auch dazu Stellung. „Vieles geht viel zu langsam“, sagte er selbst. Das liege aber nicht daran, dass er sich zu wenig für die Stadt einsetze, sondern an rechtlichen Vorgaben. Hinzu kämen Klagen und Widerstände von Betroffenen, und außerdem habe er keine Mehrheit im Stadtrat und müsse vor jeder Abstimmung Überzeugungsarbeit leisten. Dass das im Vorfeld passiert und er keine flammenden Reden in Ratssitzungen hält, räumte er auch ein: „Ich habe einen anderen Stil, gebe ich ganz offen zu.“
All das ist richtig. Dennoch ist es ein Problem für den OB, wenn seine Zweibrücker den Eindruck haben, er setze sich zu wenig für seine Stadt ein oder setze die falschen Prioritäten. Es ist wie mit dem Wind-Chill-Faktor: Was nutzt es, wenn das Thermometer fünf Grad anzeigt, aber so ein kalter Wind weht, dass es sich wie minus drei anfühlt?
Der OB bekommt Dinge ab, für die er nichts kann
Weltkonzerne wie Tadano und Amazon treffen ihre Firmenentscheidungen nicht mit Rücksicht auf das Wohl der Stadt Zweibrücken. Trotzdem bleibt es auch am OB hängen, wenn der größte Arbeitgeber der Stadt fast ein Viertel seiner Mitarbeiter entlässt und ein Werk schließt und auf der anderen Seite die versprochenen 400 Arbeitsplätze in der großen Logistikhalle ausbleiben. Der Oberbürgermeister steht an der Spitze der Stadt, und die Unzufriedenen kreiden ihm die Fehler an. Auch die, für die er nichts kann. Das ist manchmal höchst unfair, aber es kommt mit dem Amt, wie es so schön heißt.
Eine schlechte Stimmung in der Stadt kann dem Oberbürgermeister gefährlich werden. Drei Viertel seiner Amtszeit sind rum, die nächste OB-Wahl steht schon in anderthalb Jahren an. Das ist keine lange Zeit mehr. Wosnitza möchte erneut antreten. Aber anders als 2028 ist er nicht mehr der junge, unverbrauchte Herausforderer und Hoffnungsträger, sondern der Amtsinhaber. Der, dem die politischen Gegner leerstehende Läden, Baulücken und abgesprungene Investoren vorwerfen – egal, ob er tatsächlich dafür etwas kann. Das kann der OB nicht alleine mit dem Hinweis kontern, er habe bisher für fast alle Entscheidungen eine Mehrheit bekommen und er habe nun mal einen anderen Stil. Er muss den Zweibrückern auch das Gefühl geben, dass er einer ist, der die Dinge anpackt, der sich kümmert, der Einfluss auf die Entwicklungen hat und nimmt.
Die Zweibrücker müssen den Glauben haben, dass es mit ihrer Stadt vorangeht
Er habe Politik immer zyklisch erlebt, hatte der OB im RHEINPFALZ-Interview auch gesagt: „Du stößt Dinge an, du setzt Dinge um, du stößt wieder Dinge an.“ Was der OB dieses und nächstes Jahr anstößt und umsetzt, wird entscheidend sein für die nächste OB-Wahl Ende 2026. Doch nicht nur das: Die Zweibrücker müssen auch den Glauben haben, dass es mit ihrer Stadt vorangeht.